Ein psychologischer Roman im Star Wars Universum

“Nicht das zählt, wogegen man kämpft, sondern das, wofür man kämpft”.
Nate kämpfte für die Ehre der großen Armee der Republik und für ihn stellte diese Verpflichtung eine Sache von großer Schönheit dar.
Manche glaubte, Klone wüssten Schönheit nicht zu schätzen, doch diese Leute irrten. Schönheit war Effizienz und Funktionalität. Schönheit war Zielstreben und die Abwesenheit von Verschwendung. Die meisten setzten Schönheit mit Verweichlichung und Abwesenheit von Nützlichkeit gleich.
Soldaten wussten es besser.” (Zitat aus dem Buch)

Klone sind Soldaten, nicht nur ausgebildet, sondern geboren zu Kampf und gewaltsamem Tod. Und natürlich gehört ihr Wesen damit zu einer faszinierenden Art von Neuland für jeden schriftstellerischen Ansatz ins Sachen Psychologie, Ethik und Wesen.

Wer von Steven Barnes einen Roman über Obi-Wan Kenobi erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein. Seit Timothy Zahn’s Erben des Imperiums ist es in Star Wars Romanen Sitte geworden (und die besten Star Wars Bücher halten sich meist daran) die Geschichte durch die Augen mehrerer Schlüsselfiguren zu sehen oder zumindest die Handlung mit den Helden auf mehrere Schauplätze zu verteilen, zwischen denen man hin- und herspringt. Obi-Wan ist zwar einer dieser Helden (und auch nicht der blasseste), aber das zentrale Gewicht liegt eindeutig auf dem Klonsoldaten A-98, Spitzname Nate, und seinem Innenleben. Und das gereicht zumindest dem Gesamtbild des Romans zum Vorteil, weil der Autor auf diesem Gebiet seine Stärken ausspielen kann: Einfühlungsvermögen und ambivalente Charakterdarstellung – und ab und zu auch tiefere Wortgewandtheit:

“Wenn auch die Werke der Sterblichen wunderschön sein konnten – und es oft auch waren -, so gab es in der natürlichen Welt etwas, das Obi-Wan weitaus tiefer anrührte, wie ein Testament der Wahrheit und die Tiefe der Macht, an das bewusste Anstrengungen niemals heranreichten.” (Zitat aus dem Buch)

Allerdings ist die Übersetzung, wie schon bei einigen Besprechungen angemerkt wurde, nicht an allen Stellen gut gelungen. Man hat manchmal tatsächlich das Gefühl, ein stümperhafter und ein guter Übersetzer hätten sich immer wieder abgewechselt.

Die Kampfszenen und auch die Handlung insgesamt, kommen beide nicht so gut weg. Bio-Droiden – das einzige, was man sich noch einfallen lassen konnte, nach Droiden und Klonen und Aliens – aber war es das wert? Irgendwie kommt die angebliche Bedrohung nicht wirklich bedrohlich rüber. Und auch von den Problemen, mit denen Obi-Wan und sein Jedi-Partner Kit Fitso auf dem Planeten Cestus zu kämpfen haben, sind die psychologischen oft interessanter als die physischen, aggressiven. Da gibt es Gegenspieler, Ränke und Gefechte, aber da der Autor sich so stark auf seine Charaktere konzentriert, stellen sich deren private Empfindungen und Konflikte eindeutig über den globalen (universellen) Krieg, in den sie verwickelt sind.

Wenn es um einen vielschichtigen Blick auf die Klone und ihr Wesen geht, ist dieser Roman vorbildhaft; überhaupt wenn es um viele kleine Nebensächlichkeiten, Entdeckungen und Informationen geht, ist es ein fein ausgearbeitetes Werk. Wenn dabei nicht stört, dass die Handlung nur Dekoration und in keinem Sinne episch ist, den wird zwar kein überbordendes Star Wars Feeling, aber immerhin ein interessanter Roman erwarten.

“-Dein Herzschlag verrät alles. Er sagt, wir sind alle vollkommen einzigartig.-
Sie zögerte.
-Und in dieser Einzigartigkeit sind wir alle gleich.- (Zitat aus dem Buch)

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