Ein paar einfache, wirklich gute Gedichte – “Das Leben so bedrohlich mal zwei”

Ich mag den Klang der Wendung “wirklich gut” eigentlich nicht, da er etwas Bekräftigendes an sich hat, das aber gleichzeitig auf etwas schwachen Beinen steht; fast eine Art Oxymoron. Doch wenn diese Wendung dann einmal „wirklich“ zutrifft, gibt es wenig andere Wendungen, die passend wären.

So auch bei den Gedichten von Benjamin Lauterbach, die man kaum mit etwas anderem betiteln kann als “wirklich gut” – auch weil sie wenig andere Merkmale haben. Sie sind unaufgeregt, öfters etwas lapidar, dann wieder nachdenklich, und immer wieder: bestechend in ihrer Schlichtheit, aus dieser Deckung heraus den Leser für sich einnehmend.

Es gibt keinen großen Angelpunkt, keine filigrane Diktion und Form, die hinter allem mitläuft. Und Benjamin Lauterbach beweist, dass es das auch nicht braucht. Nicht wenn man einfach ein paar ehrliche Gedichte aus dem Leben heraus schreiben will, so wie man sich etwas von der Seele schreibt: mit Zuschüssen von Ironie und losen Enden.

Wer in dem Meer moderner Lyrik und ihren vielen experimentellen Verästelungen sich leicht verloren vorkommt, dem dürften diese Texte wie eine kleine Offenbarung erscheinen, eine kleine Heimat. Sie sind nicht gereimt, sondern erzählend, im Stile von Bukowski, und ein wenig erinnern sie der Art nach an Gedichte von Nicolas Born, jedoch gibt es in ihnen wenig mehrdimensionale Metaphorik. Stattdessen werden die Dimension des Lebens selbst hervorgehoben und betont.

In einem meist klaren Fluss berichten die Gedichte von Lebensverdruss, Liebe, Schicksalen und Ich-Zuständen. Da sie dabei kaum auf abgewandte Abstraktionen zugreifen, ist sowohl ihre Erscheinung als auch ihr Ton sehr glatt und angenehm. Die ersten Gedichte sind noch etwas zu einfach gehalten, aber schon bald wissen die Texte ihre Aufrichtigkeit und ihre unaufgeregte Gangart filigraner zu gestalten. Dann entstehen sogar Texte, die entfernt an Charles Simic erinnern, wie etwa ein Gedicht mit dem Titel: “Das Leben ist zehn streichende Männer”, “Hier sein”, “Das müsste ich sagen” etc. Das besondere an diesen Gedichten ist, dass sie äußerlich und didaktisch nicht viel herzumachen scheinen, dabei aber sehr aufmerksam sind und trotz des kleines Raums, in dem sie operieren, am Ende immer etwa schmales für den Leser bereithalten, etwas nahezu Handfestes. Etwas, so verschwindend klein, als hätte das Gedicht noch gar nicht begonnen, als hätte nichts begonnen und aufgehört. Aber da ist etwas. Und mit diesem Gefühl liest man diese Auswahl und am Ende fühlt man sich wie nach einer wirklich guten Lektüre.

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