Gedichtband “Die Uhr” von Kurt Aebli

“Presslufthämmer
Bruchteile der
Welt auf den
Punkt gebracht”

Als eine ganz kleine, unscheinbare Sache hat die Poesie sicherlich einmal begonnen. Und noch heute lebt sie mehrheitlich von (und aus) den kleinen Bildern, Momenten, Eindrücken, die die Lektüre unwiderruflich machen – als etwas, dass einem widerfahren ist, in den vielen Erinnerungsknoten und zweideutigen Schlaufen, die das Gedicht bereithält.

Kurt Aebli, ein schweizerischer Autor, der sich auf die kurze Form in Prosa und Lyrik spezialisiert hat, legte 2000 mit dem schmalen Band „Die Uhr“ (edition Suhrkamp) sein Lyrikdebüt vor (von einem dünnen Band bei einem kleinen Verlag einmal abgesehen). Es  sind sehr knappe, poetische Aussichten und konzentrierte Einsichten, die einem auf diesen Seiten begegnen.

“Ich bewege mich
als Windstille
verkleidet”

“Kirchenglocken bearbeiten die Luft
bis ihnen der Atem ausgeht”

Als Lyrikleser ergibt es sich immer wieder, dass man weniger zu den Gedichten sagen kann, als einem lieb ist. Man kann natürlich bloße Fakten aufzählen; hier könnte man dann über die Gedichte Aeblis sagen, dass sie selten länger als eine halbe Seite sind und meistens nicht über 4,5 Zeilen hinauskommen. Es sind Sekundenzeilen, Momente, noch einmal gestaucht durch die szenische Verlangsamung von Geschehen, von Innen und Außen. Die poetische Nuance ergibt sich manchmal aus der Tiefe der Wortzusammenspiele, manchmal (wie bei den oberen Beispielen) aus einem plötzlichen Gewahr werden der Wirklichkeit in den Ziffern der Sprache. Meist führt Aebli auf die eine oder andere Weise den Leser mit Nähe & Ferne von Welt und Eindruck zusammen.

“Der Tag drückt ab
ich erwache ausgelöscht”

Eindringlich ist vielleicht das beste Wort, um Aeblis sehr eigenwillige, beinahe stumpfe und doch unglaublich intensive Lyrik zu beschreiben. Beinahe ist sie nichts, ist sie bloß schwarze Idee auf leicht gebräuntem Papier. Und doch scheint jedes seiner Gedichte so trefflich, nicht von der Hand zu weisen, unwillkürlich, als schreibe man es gerade selbst mit dem eigenen Blick, dem eigenen, gelüfteten Eindruck nieder.

Sicherlich gibt der Band zum Ende nicht so viel her – er enthält zwar eine starke, aber äußerst schmale Erfahrung, mit einer leisen Spur von Melancholie und Wahrheit. Ein paar kleine Momente der Unwiederbringlichkeit sind vorhanden, aber auch dieser und jener Lichtblick:

“Die Straße
die sich unter meinen Schritten
duckt
wird von einem Humpelnden
getröstet”

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