“Kratzer und andere Gedichte”

“was zu sagen bleibt steht deutlicher in den sternen”

“Das Vergehen der Freude bringt mich in Gang”

“Du hast dich entschieden zu leben
nun lebe entschieden.”

Ralf Rothmann, vor allem für seine erzählerischen Werke bekannt (Messers Schneide, Junges Licht, Stier), hat auch zwei (2ter: Gebet in Ruinen) Gedichtbände veröffentlicht, der u.a. auch von Marcel Reich-Ranicki im literarischen Quartett gelobt wurde und, wie ich finde, zu einem der besten Einzelgedichtbänden gehört.

“Ihm bleiben Augenblicke
wie Sonnenflecke im Gedächtnis, ihm bleiben
die Weisheit der Schlager
dein sprachloser Hohn
und das er geohrfeigt wurde
mit einer Rose.”

Thematisch hat Rothmann augenscheinlich größtenteils seine Kindheit, Jugend und sein frühes Erwachsenenleben lyrisch aufgearbeitet. Viele der Texte drehen sich um Kindheitserlebnisse, Jugendliebe und die Furcht in der (politisch) instabilen Welt. Des Weiteren gibt es auch noch einige Gedichte, die sich mit reiferen Beziehungen beschäftigen.

Der Grundtenor liegt auf Lakonie, manchmal Zorn und oft mürber Verzweiflung. In den besten Texten aber steckt eine Art von verkommener, versteckter Sehnsucht, die diesen Texten ihre Schönheit gibt und sie ausgleicht. Das können Naturbilder sein, aber auch ganz unromantische Beschreibungen, z.B. wie man mit jemandem zusammen eine schöne Zeit hat, wie besonders eine bestimmte Sache ist, wenn man sie nur anders betrachtet oder wie frei man sich in einer unwillkürlichen Situation fühlen kann. Diese Momente stehen zwischen den sonst so düsteren Zeilen.

“Das war Wettlauf mit dem Weltlauf
um ein faules bisschen Frieden,
war die Liebe, ein goldener Luftzug
in dem die Türen nur so knallten”

Ganz einfach könnte man sagen, dass Rothmann ein sehr gutes Gefühl für Sprache hat – und, dass er nie versucht, mehr in seine Lyrik einzubringen, als er selber erlebt hat oder verstehen kann. Alle seine Gedichte sind persönlich und als solche sehr authentisch gehalten. Sie spiegeln das Wesen und die Stimmung, vielleicht sogar ein kleines Stück vom Leben ihres Autors wieder.

“Es bleibt das Röcheln,
dass in keinem Haushalt fehlen darf
es bleiben Monitore voller Mord
und hoffentlich bleibt Violinmusik
ein leiser Trost in den Ruinen
wo das Glück liegt
mit gebrochenem Genick.”

Link zum Buch

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