Kurze Empfehlung zu frühen “Geschichten” von Robert Walser

Robert Walser war ganz gewiss einer dieser Schriftsteller, die man exzentrisch und eigenwillig nennt. Seine, von der “Schönheit des Luftholens” ergriffene Prosa, nimmt deswegen aber auch einen besonderen Platz in der deutschsprachigen Literatur ein; sie ist so einzigartig wie die vergeblichen Trabanten in Kafkas Prosastücken, die fatale Grammatik von Arno Schmidt oder die aufbrechende Herrlichkeit der eines Goethegedichts.

Walsers Geschichten sind klein, kurz und Ausdruck eines einzigen, wie ein sprachliches Tischtuch aufgeschlagenen, Moments, umrankt von Gedanken und Poesie und einer gewissen Tendenz zur Verspieltheit; Geschichten von Theaterbränden, ästhetisch und doch kühl betrachtet, von Spaziergängen in Parks, mit kleinen Wahrheiten die am Wegrand blühen oder über Kleists Aufenthalt in Thun, lyrisch und geradezu ergreifend schön erzählt, sodass ein unüberwindlicher Eindruck zurückbleibt, wenn auch der Inhalt nur spärlich ist, kaum der Rede wert auf den ersten Blick, doch man verweigert sich dieser Deutung, denn die Wirkung spricht für sich, spricht von viel mehr, versteckt unterhalb der dünnen Oberfläche, bereit uns aus jedem windigen, genialen Satz von Walser anzuspringen. Überhaupt ist an dieser Prosa wenig Erzählung – es ist alles Entdeckung, Gipfelung der Betrachtung.

Kleine Sätze wie “Die Hände der Dame gleiten über die Tasten wie weiße Schwäne auf dem dunklen Wasser.” oder “Die grünen Sträucher winseln und wimmern und regentröpfeln nach Sonnenschein” funkeln hier und da hervor, versüßen und zerstreuen gleichsam das Leseerlebnis.

Walser ist kein großer Inszenator, sondern ein still in seine Geschichte hineinschreibender, der mit Sprachartistik und einer ins Träumerische gehenden Unbestimmtheit sein Thema nur umrundet jeden Aspekt, jeden Satz seines Textes anhaucht und ihm eine Fassung feinster Prosa gibt, die am meisten in den kleinsten Aussagen geschieht.

Walser gehörte zu den Lieblingsschriftstellern von Kafka, auch Musil und Tucholsky lasen ihn gern und sein stärkster Förderer blieb Zeit seines Lebens Hermann Hesse.

Wer gerne Prosa wirklich Erleben will, wem jeder Satz eine neue Schaltung für einen weiteren, noch höheren poetischen Gang sein soll und wer es liebt wenn ein Dichter die Vollkommenheit seiner Prosa mehr im filigranen bis poetischen Ausdruck, denn in der Handlung sucht, dem empfehle ich hiermit Robert Walser aufs Freudigste und Dringendste!

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