Unser blauer Planet: Was er leistet und kann – wie er wurde, was er ist

Da sind wir nun, auf diesem kleinen, blauen Planeten, in einem unendlichen Universum, das uns voller Rätsel präsentiert wurde und dessen Lebensraum für uns zum größten Teil als lebensfeindlich einzuordnen ist und mit dem Leben wahrscheinlich auch nicht viel am Hut hat. Dieses uns zugefallene Wunder, das Leben, entstanden aus Zusammenspielen von Kohlenstoffen, Wasser und einigen zirkulierenden Prozessen, ist für uns bisher gesichert nur auf der Erde vorhanden. Und trotzdem gehen wir mit der einzigen Heimat, dieser unserer Grundlage, nicht gerade sorgsam um und haben ihre uns freundlich gesonnene Art bereits so stark belastet, dass sie sich einst oder bald zu unseren Ungunsten entwicklen könnte – und das, obwohl wir gerade mal einen winzigen Bruchteil seiner Geschichte miterlebt haben. Denn dieses blaue Kugel hatte schon mehrere Milliarden Jahre an Veränderungen hinter sich als wir die Bildfläche betraten und uns unsererseits daran machten, die Dinge zu verändern.

Dieses Buch ist gewiss keine Liebeserklärung oder Ermahnung, wie man jetzt nach dieser Einleitung denken könnte. Aber gerade weil es in diesem Werk schlicht um die Ursachen, Auswirkungen und Abläufe in den verschiedenen geologischen, atmosphärischen und sonstigen Zonen unseres Planeten geht und dadurch ein Portrait unseres Planeten entsteht, habe ich es als eine Bewusstseinerweiterung empfunden, die auch die Ehrfurcht und die Sympathie für unseren Planeten wieder stärkte. Selbstverständlich muss man für die Schönheit der vielfältigen Prozesse im Erdinneren, für Vulkan- und Entwicklungsfragen und die Geschichten über die Lebensweise der Erde empfänglich sein, um es so sehen zu können.

Für alle anderen Leser bietet sich ein kompakter erster Einblick in die Architektur unseres Planeten, von Aufbau & Inhalt, über Plattentektonik, Sedimentschichten und Magnetfelder, bis zu Vulkanen und Erdbeben. Martin Redfern ist dabei zwar dann und wann etwas fachlich, aber stets informativ – mehr als einen hier und da vertieften Abriss kann natürlich auch er auf knapp 190 Seiten nicht leisten, doch auf diesen 190 Seiten findet sich wenig Uninteressantes oder Unmaterielles, nur ein-zwei Wiederholungen schleichen sich ein. Es ist, das sei klar gesagt, kein Text zum einfach drüber hinweg lesen. Gerade zu Anfang der einzelnen Kapitel, wenn ein neuer Bereich erschlossen und die zentralen Begriffe für die nachfolgenden Erklärungen geprägt werden, muss man schon aufpassen und sich in die Vergleiche und Ideen einlesen, mit denen der Autor die Systeme erklärt und die den Fokus für ansonsten sehr komplexe Themen bilden.

Das Buch ist mittlerweile über zehn Jahre alt – sicher gibt es einige neue Erkenntnisse, andere von Redforn angesprochene Themen haben sich noch verschärft oder es wurden neue Wege zur Erforschung entwickelt. Die klimatische Erwärmung, die er bereits mit ein paar Worten am Rande erwähnt, verliert ein wenig ihren Schrecken, wenn man die riesigen Zeitläufe bedenkt, in denen die Erde existiert. Allerdings führt Redforn seine Ausführungen auch immer wieder auf den Menschen und die Auswirkungen der Erdprozesse auf seine Existenz zurück; obgleich also vieles in diesem Buch sich den Dimensionen des menschlichen Zeitempfindens und Verstehens enthebt, macht er klar, dass keiner dieser Prozesse uns wenig angeht, und bringt gute Beispiele dafür, die nachhaltig zu Denken geben.

Als Einführung ist dieses Buch für vielseitig Interessierte und Neugierige sehr zu empfehlen. Man sollte keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, denn so etwas kann ein solches Buch einfach nicht leisten. Doch in seinen Grenzen leistet es Erstaunliches.

 

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