All you can read

Vorweg: Wer ein Buch sucht, das tippsicher seine Bücherschränke und seinen Horizont in Sachen Büchern erweitert, ist hier sicher eher fehl am Platze – wer ein Buch sucht, dass die Lust (und teilweise auch den Frust) am Lesen wunderbar unversnobt zelebriert und dabei mit allerlei Komik, Selbstironie und Erzählgeist punkten kann, dem wird dieses Buch eine kurze Freude zwischendurch bescheren.

Man kann sich einen Schriftsteller wie Nick Hornby schwerlich dabei vorstellen, wie er sachliche, ernste Prosa schreibt und ein Buch mit den klassischen Maßstäben der Erörterung oder des Essays bespricht, Pros und Contras aufeinanderprallen lässt und abschließend eine Empfehlung oder eine Literaturverortung nach Art von 1-5 Sterne vornimmt. Und Gott sei Dank hat er das auch nicht getan.

Stattdessen bespricht er in 14 Kolumnen (aus der Zeit vom Februar 2005 bis zum Juli 2006, veröffentlicht in der der Zeitschrift “Believer” – die Reihe erscheint seit September 2003 bis heute – Link http://www.believermag.com/contributors/?read=hornby,+nick) Bücher, die er in den Monaten davor gelesen und gibt an, welche er gekauft hat. Jedem 7-8seitigen Text ist eine Liste der gekauften und der gelesenen Bücher vorangestellt.

Hauptsächlich handelt es sich dabei um Romane und Hornby schafft es dieses Genre immer wieder mit einer unproblematischen Eleganz zu umgeben und uns mehr als eines dieser Bücher auf Umwegen ans Herz zu legen.
Aber auch Briefsammlungen, Lyrik, Biographien, Sachbücher kommen am Rande vor, wobei alle diese Bücher von Hornby als Einzel-/Sonderfälle behandelt werden.

Wenn jemand über Bücher schreibt, kommt es oft nicht darauf an, ob er die Bücher durch und durch verstanden hat und sie uns jetzt erklären kann (das ist eine ganz andere Baustelle), sondern ob er uns ihre Vorzüge, ihre Schönheit und ihre Einzigartig nahebringen kann und sehen lässt. Ein Buch kann nun mal nie durch einen anderen Text aus zweiter Hand ersetzt werden, deshalb muss ein guter Rezensent Appetit machen und Menüs und Speisen empfehlen, wenn er denn Hunger auch nicht stillen kann.

Hornby tut das, mit schräger, beinahe mutwilliger Eigensinnigkeit und dabei sehr erfolgreich. Letztendlich kann man das Buch auch lesen, ohne sich auch nur einen der Buchtipps zu merken, denn es ist wirklich amüsant geschrieben und mit vielen Ansichten und Einsichten, die das Leserlebnis allein schon rechtfertigen würden – und einer kleinen Prise literarischer Anarchie.

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