Kleine Empfehlung zum ersten Buch von Robert Walser


“Fritz Kochers Aufsätze”, so heißt die Prosa, die Robert Walser 1904 herausgibt. Sie ist springend, singend, voller Lebensfreude, Ironie und Geist und trotzdem naiv und sinnlich.

Es sind kleine Prosaminiaturen, zu fast jedem Thema: Natur, Freundschaft, Armut, eine Feuersbrunst, Beruf & Weihnacht. Sie zeichnen sich durch eine wahrlich beeindruckende Kindlichkeit und Unschuld aus – Erinnerungen und Gefühle mischen sich mit dem Charakter der Abhandlung.
Es sind also wahrlich ‘schöne’ Texte, ein Lese- und Abschweifvergnügen, das uns Bilder und Momente schenkt, das zaubert und kaum etwas diktiert.

Am Schluss finden sich noch zwei umfangreichere Texte:

Mit “Ein Maler” geht er dem Wesen des Künstler auf seine eigene naiv-verspielte Weise auf den Grund und lässt allerhand geistreiches zum Schaffen und zum Künstler selbst verlauten, wobei ihm als Ich-Erzähler ein fröhlicher Maler (einem unverkennbar ‘leichten’ Walsercharakter, ein Abbild fröhlicher Gesinnung, und leicht weltferner Traurigkeit, der sich durch sein ganzes Werk zieht) dient, der auf einem Schloss bei einer Gräfin in den Bergen wohnt. Ein wunderbar tiefes Portrait mit einer Fülle von geschwungenen Betrachtungen.

Mit “Der Wald” hat Walser dann etwas geschaffen, was man jedem Hobbyautoren zur Lektüre geben sollte. Es ist ein wunderbares Kreisen und Blicken (wie ich es sonst nur in Gedichtform bei Rilke kenne) um das Wesen des Waldes, seine Anmut, seine Größe, seine Ruhe, seine Kraft. Es wie ein Bilderrausch und eine fesselnde Geschichte zugleich – es ist ein Erleben, dass uns bekannt vorkommt wie das Leben in uns selbst:
“Am Abend, o wie wundervoll sind da die Wälder! Wenn über dem Dunkelgrün der Bäume und Waldwiesen hochrote und tiefrote Wolken schweben und das Blau des Himmels von so eigentümlicher Tiefe ist! Alsdann ist Träumen für den Schauenden und Ankommenden eine längst vorbestimmte Sache. Alsdann findet der Mensch nichts mehr schön, weil es viel zu schön ist für seine Sinne. Er lässt sich dann, ohnmächtig und ergriffen, wie er ist, mehr von dem Tiefschönen anblicken, als das er es selbst anschaut. Schauen ist dann eine umkehrte, vertauschte Rolle.”

Romantische Ästehtik, vermischt mit träumerischem Glanz und hier und da einer visuellen Verdichtung, die fast schon wieder wie reine Erfahrungswiedergabe wirkt.
Walser sollte man einmal lesen. Und mit diesem seinen ersten Werk lässt sich  auch gut beginnen.

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