Zu Benjamin Leberts “Der Flug der Pelikane”

Wo findet man das noch: ein Buch, einen Autor, bei dem man sich richtig wohl fühlen kann und der durch seinen Stil auch genau das hervorruft – eine tiefe, lebensnahe und unarrangierte Emotion und Geborgenheit.

Zum Inhalt: Wie immer geht es bei Lebert eigentlich nicht um eine “Handlung”, sondern um das Erzählen an sich – Erzählen wie es nur das Leben kann – nicht ganz perfekt und nie vollendet, lässt es uns mit vielen Eindrücken und Fragen zurück und zeigt und gibt uns hier und da Leidenschaft, Liebe, Wunder, Verzweiflung, Sehnsucht, Leere und erzählt, erzählt, erzählt…

In diesem Buch hat sich Lebert (so finde ich) auch horizontmäßig weiterentwickelt: Während Anton, der Protagonist durch New York streift, wo er in der kleinen Imbissstube seines Onkels Jimmy jobt und die unterschiedlichsten Menschen kennenlernt, erfahren wir in Zwischensequenzen allerhand über das Leben im Hochsicherheitsgefängnis “Alcatraz”. Das Bindeglied zwischen diesen beiden Geschichten ist Jimmy, dessen Steckenpferd die Beschäftigung mit dem sensationellen Ausbruch dreier Männer im Jahre 1962 ist.

Ob gewollt oder nicht: Lebert erzählt nicht alles und lässt einige Stränge ein wenig ins Leere laufen. Das ist sicherlich für einige Leute gewöhnungsbedürftig; mich hat es jedoch kein bisschen gestört, denn ich empfinde dieses wunderbare Buch als eine wirklich attraktive Abwechslung zu vielen Romanen der heutigen Zeit, in deren Sprache man sich nicht wohl fühlt und die immer den Eindruck von Kolossalität auf kleinster Ebene erwecken wollen.

In Leberts Buch fand ich eine kurze, interessante Geschichte zum lesen, die eingestreuten warmen Gedanken und Bilder (die ich auch sehr liebe, seit ich von ihm “Der Vogel ist ein Rabe” gelesen habe) hielten mich in ihr warm und vor allem ging von den Seiten eine Art der Ruhe aus, die zu sagen schien: “Setzt dich hin, ließ, tauch ein – alles andere passiert sowieso.”

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