Kurzer Versuch gemeinsam mit Philip Djian Faulkners “Als ich im Sterben lag” zu präsentieren

“Warum Als ich im Sterben lag und nicht Schall und Wahn, Licht im August oder Absalom, Absalom? Einfach, weil es die erste Tür war, die ich öffnete, um Faulkners Welt zu betreten. Sonst wüsste ich nicht wie ich mich entscheiden sollte. >>Was soll ich von Faulkner lesen? Womit soll ich anfangen?<< Wenn man mir diese Fragen stellt, legt sich eine schwere Last auf meine Schultern. Dann sage ich sehr bald unzusammenhängende Dinge und verwirre damit meinen Gesprächspartner. […] Denn immer, wenn ich jemanden an Faulkner verweise, möchte ich sicher sein, dass er sich nicht davon erholt. Dafür fühle ich mich verantwortlich.”
Philippe Djian in seinem Buch In der Kreide

William Faulkner, Nobelpreisträger, amerikanischer Kultschriftsteller und bis heute als Former eines universelle literarischen Werkes bekannt, gehört bis heute zu jenen großen Romanautoren, die jeder gelesen haben MUSS. Womit man anfängt, dass mag man unterschiedlich sehen – die meisten meinen Die Freistatt, Faulkner selbst empfahl Die Unbesiegten als geradlinigsten seiner Romane, Licht im August gilt als sein bestes Buch.

Doch genau wie Philippe Djian bin ich der Ansicht man sollte mit diesem Werk beginnen. Es ist gewiss nicht das leichteste, gewiss nicht das monumentalste, mehr ist es ein Tanz auf dünnem Eis.

In 59 inneren Monologen, gespickt mit mitgeteilten Dialogen, bewegt sich die Odyssee von Anse Bundren und seinen 4 Söhnen nebst Tochter durch Yoknapatawpha County (eine imaginäre Landschaft/Gemeinde, wo die meisten Romane Faulkners spielen). Sie versuchen den Sarg ihrer Frau/Mutter in ihr Heimatdorf zu bringen, um sie dort zu beerdigen. Alle haben, so scheint es, wahrlich auch viel dabei zu verlieren. Vielleicht ist dies, das Packenste an Faulkner.

“Bei Faulkner stößt man auf viel Schweiß, viel Brutalität, viel Licht. Seine Protagonisten sind einfältige Menschen, gefallene Mädchen, Schwärmer, Rohlinge, Heilige und Märtyrer. Daher kann man sich vorstellen, wie verdichtet diese berühmten Monologe sind, ihre düstre, von Blitzen erhellte Schönheit, ihre schwüle Atmosphäre, ihre schwindelerregenden Abgründe.”
Philippe Djian in In der Kreide

Eine Farce, ein Abenteuer, Charakterstudien über die individuelle Zerrissenheit der Menschen, all dies und noch viel mehr ist dieses Buch. Es ist wie ein Sog, eine Mischung aus Psychologie und Poetik; Trauer und Träume, Hass und Verzweiflung – das alles hält Faulkner gedrängt beieinander, wie unter der Oberfläche, es blitzt immer wieder auf aus der Tiefe und er sublimiert es in seine Betrachtungen, die dadurch unerhört lebendig sind, und beinah lyrisch werden:

“Es beginnt zu regnen. Die ersten vereinzelten, schweren, raschen Tropfen rascheln durch das Laub und fegen über dem Boden mit einem langen Aufseufzen, das wie Erlösung aus unerträglicher Spannung klingt. Sie sind groß wie Schrotkugeln, warm, als wären sie aus einem Gewehr abgefeuert; sie fahren mit bösartigem Zischen über die Laterne hin.”

Faulkner ist einfach ein großartiger Schriftsteller. Wenn alles andere verwirrt und entmutigt, gar verschreckt hat, den wird dieser letzte Satz hoffentlich trotzdem zu diesem Buch, zu diesem Autor greifen lassen. Ihn erwartet ein besonderes Erlebnis.

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