3. Band von Henry Millers Erinnerungsrhapsodie: “Joey”


Ein Freund stattet einen mit tausend Augen aus. Durch seine Freunde lebt man ungezählte Leben.”
Henry Miller

Es gibt nur wenige Schriftsteller, denen man ehrliche und interessante Erinnerungen zutraut und ich denke Henry Miller ist einer dieser wenigen. Nicht (nur), weil er viele Frauen hatte und ein unsteter Mensch war, sondern einfach, weil er ein wirklich interessantes und vielseitiges Leben geführt hat und ein Autor ist, der jede Erfahrung sprachlich verdichten kann, mit sehr einfachen Mitteln.

Ingesamt hat Miller mich mit diesem Buch noch mal überrascht. Es findet sich wenig Frivoles darin und viel zarte und einsichtige Darstellung, nicht nur von der Liebe, sondern auch über das Künstlerdasein und auch über das eigene frühere Selbst (Miller schriebt die beiden Teile des Buches, als er bereits über 80 war.) Miller hat eben diese eine Eigenschaft, die man nur bewundern kann und das in allen Sprachen: seine Ehrlichkeit und damit meine ich nicht eine vulgäre oder idealistische Ehrlichkeit, sondern eine menschliche, bezeichnende Ehrlichkeit. Er sagt die Dinge so, wie sie für ihn sind und verfährt mit sich selbst nicht anders, als mit dem Rest der Welt. Das gibt selbst den schlichtesten Episoden immer wieder lesenswerte Züge.

Der erste Teil über seinen Freud Alfred Perles, könnte auch eine Geschichte sein: Sie ist durchweg geprägt von zahllosen Episoden aus Millers Bohemienzeit und ist gleichsam anrührend und unterhaltend, ein bisschen nostalgisch.
Der zweite Teil hat mich dann wirklich berührt. So wie Miller hier über all die Frauen schreibt, die ihm viel bedeutet haben (in fast alle war er verliebt, aber mit ungefähr der Hälfte ist nie etwas Intimes passiert), muss ich ihm große Hochachtung zollen. Nur selten gelingen so menschliche und doch magische Portraits der Begegnungen eines Lebenswegs.

“Woher kamen diese Figuren, denen zu begegnen uns für gewöhnlich nur einmal im Leben beschieden ist? Gleich jenen unbekannten und absolut unsichtbaren Wesen, die überall um uns sind, und die wir nicht spüren, gibt es diese irdisch-himmlischen Wesen, die unser Leben beeinflussen, ohne das wir ihr Wirken erkennen”…

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