Kurz zu Dashiell Hammetts Action-Roman “Rote Ernte”

Man könnte es kurz und knapp sagen: Dieser Roman ist kein Roman und auch kein wirklicher Krimi (aber voller bestechender Wendungen). Es ist eine schnoddrig-blutige Ein-Mann-Show, ein Actionfilm als Buch, in dem jeder Spruch sitzt, ein Haufen Klischees geschrammt und mit Vollgas abgehängt werden, Moral und Ambivalenz Luxusfragen sind und das Verlangen nach Tiefgang eine dumme Antwort auf beide, die am Ziel vorbeigeht. Soweit die Kurzfassung, nach der jeder Leser wahrscheinlich schon entscheiden kann, ob er es mit dem Buch probieren will oder nicht.

Dashiell Hammetts Buch hatte einige populäre Verehrer: André Gide (Tagebuch: “mit an Bewunderung grenzender Verblüffung Rote Ernte gelesen” und an anderer Stelle: “seine Dialoge könnten Hemingway als Vorbild dienen”), Somerset Maugham (der in Hammett einen großen Vertreter eines bodenlosen, aber spektakulären, unterhaltsamen Zynismus sah) und William Faulkner, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Sicher: Hammetts rasant-verwegene Inszenierung würde weder heute noch in Zukunft je einen Preis für irgendeine Form von ästhetischer Größe gewinnen. Doch sollte ihr im Gegenzug auch nicht zu schnell Belanglosigkeit vorgeworfen werden oder auch nur Lust an der Brutalität. Es liegt eine ganz spezielle Raffinesse und auch Stilsicherheit in diesem Buch; beides zusammen generiert so viel Tempo und Spannung, dass ein Spin, ein Drive entsteht, der der Leser in dieselbe Unsicherheit wirft, die auch alle Vorkommnisse der Handlung umgibt – man weiß verdammt noch mal nicht, was als nächstes passieren wird und trotzdem kommt es frontal auf einen zu.

Diese potenzierte Spannung wird noch verschärft durch die wirklich hervorragenden Wendungen, die Hammett dem Buch verpasst. Ein ums andere Mal werden wir hinters Licht geführt und schwanken auf der ohnehin undurchsichtigen Bühne der Handlungen im Glauben an dies oder jenes hin und her, bis uns Hammett die logische Wahrheit vor den Latz knallt. Der Knall geht fast sofort wieder unter in der nächsten plötzlichen Entwicklung.

Ich halte auch diese Art der Erzählkunst, die ich in rote Ernte hautnah erleben durfte, für eine gelungene Form literarische Ausdrucks, literarischer Unterhaltung, literarischer Wirkung. Sie ist nicht hochgeistig, dafür aber in vollen Zügen als Fiktion zu genießen, zumindest wenn man nichts gegen Schießeisen, Gangster, Film Noir Stil, hollywoodgegerbte Klischees und jede Menge Zynismus hat.

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