Lars Gustafssons “Die Tennisspieler”

Lars Gustafsson liebt es in seine Romane und Erzählungen philosophische Erwägungen und Gedankenspiele, historische Problemstellungen und geistesgeschichtliche Verknüpfungen einzubauen. Das folgende kleine Beispiel einer solchen Einbindung beschäftigt sich mit der Frage, was passieren würde, wenn ein moralisch hochentwickeltes Alien auf der Erde landen würde:

“Ich wollte folgendes sagen: Wenn ein solches Überwesen hierherkäme, gäbe es vermutlich nicht viel, was seine Bewunderung erregen würde. Wolkenkratzer – bah! Das Flächenbombardement von Dresden im Februar 1945 – pfui Teufel! Atombomben – widerlich! Hendrick Abels Beweis für die partielle Unlösbarkeit von Gleichungen fünften Grades – ja, ja, lieber Freund!
Es gibt eigentlich nur zwei Dinge, von denen ich mir vorstellen könnte, dass sie vielleicht die Bewunderung eines solchen Besuchers erregen würden. Das eine ist Mozarts Don Juan. Das andere ist der Aufschlag beim Tennis.”

Man hat bei den Romanen von Gustafsson das starke Gefühl, dass es ihm Spaß macht, sich selbst in eine erweitere, übers Form seiner eigenen Biographie hineinzuschreiben. Wie in dieser Erzählung behauptet, war Gustafsson tatsächlich 1974 Professor in Austin, Texas. Vielleicht hat er dort sogar so viel Tennis gespielt, wie er behauptet hat und vielleicht war er braungebrannt und muskulös. Vielleicht hat er tatsächlich ein ominöses Buch gefunden, das den Wahnsinn in Strindbergs Inferno erklären könnte. Vielleicht hat er wirklich einmal den mächtigsten Rechner der Verteidigungsabteilung der US-Luftstreitkräfte gesehen. Vielleicht hat er sich auf den ärmlichen Parktennisplätzen tatsächlich mit einigen großen Spielern gemessen, die einst Weltturniere spielten und dann lieber im Park spielen wollten.

Was an der Erzählung, die sich um diese Ereignisse windet, eine biographische Grundlage hat und was von dort aus fortgesponnen wurde, ist letztlich unwichtig. Aber es bedingt die ungewöhnliche und interessante Form, in der dieses schmale Büchlein auftritt und den Leser in einem Zwiespalt lässt, ob er es mit einer phantastischen oder sehr realen Erzählhaltungen zu tun hat. Diese Metaform macht, zusammen mit den vielen kleinen Anspielungen und geisteswissenschaftlichen Zwischenspielen, den großen Reiz dieses Buches aus.

Die Tennisspieler sind eine kurzweilige Erzählung und wollen, wie viele Texte von Lars Gustafsson, auf nichts Bestimmtes hinaus, haben aber eine Bestimmtheit in ihrer Form, die alles, was sie erzählen, wie eine kleine Eingebung zum Weltgeschehen wirken lässt. Viel wird angespielt und wie nebenbei aufgeworfen, manches formt sich zu einem faszinierenden Bild aus, manches wird direkt wieder fallengelassen. Dazwischen breitet sich, unnachahmlich leicht und beständig, das Lesevergnügen aus.

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