Zu Bukowskis Gedichten, speziell zu denen aus: “Gedichte, die einer schrieb bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang”

“nicht als Ketchup und Windhunde
und Krankheit
und Frauen, manche davon
für Augenblicke so schön wie
eine dieser Kathedralen,
und jetzt spielen sie Bartok,
der wusste was er tat,
was bedeutet: er wusste nicht was er tat,
und morgen werde ich vermutlich wieder zurück
zu diesem Scheißjob gehen
wie zu einer Frau mit 4 Kindern”

Charles Bukowskis Gedichte sind Geschichten und Tiraden; Blitzlichter – der Auslöser ist das Leben; frankiertes Elend, dass sich in Nullkommanichts weglesen lässt und doch in seinen Kanten und Rillen viele kleine Offenbarungen versteckt und damit oft auch gar nicht hinterm Berg hält, sondern frontal darauf zusteuert.

Gerade die freie Form der Gedichte macht sie zwingend, lässt sie zusammen dem lapidaren Ton zu einer Beschwörung werden, die das faserige Leben aus dem Fleisch des bloßen Benennens, Erzählens, Dokumentierens schneidet. Bukowski-Gedichte, das sind die unanmaßendsten Anmaßungen der Lyrikgeschichte.

“kann sein, dass Eiswürfel aus der Schale brechen
etwas bedeuten kann,
oder eine Maus die an einer leeren Bierflasche schnuppert;
zwei leere Räume, die ineinander hineinsehen,
oder die nächtliche See, bestückt mit schmierigen Schiffen
die dir ins Hirn dringen mit ihren Lichtern,
diesen salzigen Lichtern
die dich streifen und wieder verlassen
für die konkretere Liebe irgendeines Indien;”

Die Gedichte im Band “Gedichte, die einer schrieb” sind nicht ganz so ausbalanciert wie jene in “Western Avenue” oder “Kamikazeträume”, aber dennoch haben sie bei aller Zurückgelehntheit oder Heftigkeit denselben schalen Glanz, der so hell und großflächig reflektieren kann, von dem so mancher Wahnwitz und Verdruss und so viel Tiefe zurückbleibt.

Ausholen tun seine Gedichte, aber sie verstehen es auch eine ganz spezielle Besinnlichkeit hervorzurufen, einzigartig, fast kämen die Texte einem wie Prosa vor, in Verse gepresst, aber sie sind etwas Subtileres: Gerede, das am Rande des Lyrischen streift und es immer wieder betritt. Gerede, das kein Gelaber ist, sondern eine Stimme, die den Leser nicht in eine flüchtige Metapher presst, sondern mitten in einen großen Raum schmeißt, einem Raum voll von Willen zu etwas, dem Versagen daran, voller Anekdoten, dem Staub, der wir werden & Bewegungen, die wir sind, im Versuch, noch anders zu sein als das Nichts.

Das Sensible in den Gedichten entdeckt man schnell selbst, am eigenen Leib könnte man fast sagen. Was will man mehr von nem Gedicht?

“Es kommt die Zeit wo man tiefer
in sich reingehen muss
und es kommt die Zeit
wo sichs unschuldiger
und leichter stirbt
wie bei nem Bombenangriff
auf Santa Monica”

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