Schlicht ein Meisterwerk: Robert Hilburns Johnny Cash Biographie beim Berlin Verlag


Johnny Cash Manche biographischen Werke sind Verklärungen und manche sind entzaubernd, was beides immer ernüchternd ist. Auch eine gute, erschöpfende Recherche macht noch keine fesselnde Biographie. Es braucht noch eine Prise Magie, eine gute Dynamik, selbst wenn man eigentlich versucht, den Menschen in all seinen wirklichen Facetten, mit allen Tatsachen, abzubilden, nachzuzeichnen.

Robert Hilburn ist das Kunststück geglückt, eine erschöpfende und menschliche Studie des Menschen und Künstlers Johnny Cash vorzulegen, ohne den Mythos, der mit dieser Figur verbunden ist, zu demontieren. Es wird zwar über vieles aufgeklärt, aber Bewunderung und Momente der Schönheit werden nicht unterbunden. Entstanden ist so nicht nur eine redliche, sondern eine beeindruckende Arbeit, ein schlichtes Meisterwerk. Und eine Lektüre, die einem teilweise unter die Haut geht.

Auf besondere Weise unter die Haut geht, wohlgemerkt. Denn das wirklich Großartige an diesem Buch ist, dass sich in Hilburns Darstellung von Cashs (Innen-)Leben eine so tiefe Dimension auftut, die geradezu sinnbildlich für das Hadern, Scheitern und die Zerrissenheit jeder menschlichen Existenz stehen könnte.

Ohne auf Tränendrüsen zu drücken oder hochtrabende Apelle zu starten, führt uns Hilburn detailliert die Szenen, Erlebnisse und Geschichten dieses ganzen Lebens vor Augen – und stetig, über die Lektüre der 800 Seiten, setzt sich aus der Fülle dieser Details, der Kommentare und Ausführungen, eine Vorstellung zusammen, ein Kosmos, der den Kern eben jenes widrigen Umstandes umreißt, den man schlicht Dasein nennt.

Cash-Biographien gibt es einige, er selbst hat sogar zwei geschrieben. Diese hier ist trotzdem eine der besten, vielleicht die beste: Eine berührende, reiche, in alle Richtungen laufende und doch sehr gut komponierte Lektüre. Times a wastin. Aber nicht mit diesen 800 Seiten!

3 thoughts on “Schlicht ein Meisterwerk: Robert Hilburns Johnny Cash Biographie beim Berlin Verlag

  1. Jochen

    Danke; aber einige rudimentäre bibliographische Angaben wären noch hilfreich. Verlag? ISBN? Gebunden oder Paperback? Könnten die noch nachgeliefert werden? lg_jochen

    Reply
    1. trishen07 Post author

      Nun ja, das ist ja eine einfache Google-Suchanfrage, da ich Hilburn und den Berlin Verlag ja nenne 🙂

      Aber hier, bitte:

      € 34,00 [D], € 35,00 [A]
      Erschienen am 17.10.2016, im Berlin Verlag (Piper)
      848 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
      Übersetzt von: Henning Dedekind, Werner Roller
      ISBN: 978-3-8270-1236-4

      Reply
      1. Jochen

        War auch eher als augenzwinkernde Bemerkung gemeint. O.K.: eine Zeile mit bibliogr. Angaben am Ende einer Besprechung ist kein Muss, aber durchaus ein hilfreiches Kann. Nix für ungut. lg_jochen

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