Zu “Träume von Babylon”, einer Detektiv- und Träumerfarce von Richard Brautigan


Träume von Babylon
Eigentlich läuft alles gut für C. Card – zumindest wenn er in seiner Fantasiewelt abdriftet, nach Babylon, wo er berühmt ist, General oder Bandleader und natürlich stets ein Frauenheld; leider versäumt er dank Babylon oft die richtigen Haltestellen und andere Dinge. Abseits von Babylon läuft eigentlich nichts wirklich gut. Card ist überall verschuldet: bei Geschäften, bei Freunden (sogar bei seiner Mutter hat er horrende Schulden) und ist trotzdem mit seiner Miete im Rückstand. Auch mit Klienten ist seit fast einem Jahr Essig; keine Spesen, keine Sekretärin, kein Büro, selbst Kugeln für die Waffe kann er sich nicht mehr leisten. Gerade jetzt braucht er aber welche, wo es wieder bergauf gehen könnte – ein Klient hat Interesse an seinen Diensten. Und Card, der dank seiner Babylon-Aussetzer eine Polizei- und eine Baseballkarriere in den Sand gesetzt hat, hofft auf einen Zipfel von besseren Zeiten. Doch was soll er überhaupt für den mysteriösen Klienten tun …

Brautigans wie immer nah an der banalen Einlage gebaute und gleichsam mit eigenwilliger Tragik und Komik gewürzte Farce ist mitnichten ein Detektivroman, vielmehr ein gekonntes, mitunter elegant-albernes Spiel mit Gangster-, Detektiv-, Antiheld-, Screwball- und Slapstikelementen, die wie Motive auftreten, sich aber letztlich als Masken entpuppen, als unterhaltsame Auftritte und Tricks. Denn der Roman führt wie vieles, was Brautigam schrieb, nirgendwohin – was die existenziell-krude Misere seiner skurrilen Charaktere nur noch verdeutlicht. Die Absurdität ihres Daseins und ihre eigene Schrulligkeit wirken zunächst wie glatte Comedy, aber letztlich sind es anschauliche Geschichten über die Ratlosigkeit, die Unsicherheit und Fragwürdigkeit des Lebens und Strebens.

Das Leben könnte so einfach sein: was zu essen, was zu reden, jemanden zum vögeln und die ausgebreitete Welt mit all ihren Wundern und Möglichkeiten vor dem Fenster. Aber Beziehungen sind brüchig, Geld regiert die Welt und jeder Mensch spielt sein eigenes Spiel, in dem anderen Regeln gelten.

Träume von Babylon macht Spaß; besonders die Schnoddrigkeit und die Genre-Anspielungen. Brautigans unauffällige, beiläufige Poesie macht Spaß. Aber es bleibt dabei: es ist eine Farce, eine schöne, einzigartige, aber eine Farce, die man wegliest, freudig und frei. Tiefer sinkt nur die verhaltene Tragik, die in dem Protagonisten und seinen Träumereien von Babylon steckt.

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