Auswahl aus Johann Jakob Sprengs Deutschem Wörterbuch


Also, Hand aufs Herz (nicht direkt drauf natürlich, lieber auf die Haut darüber) verehrte Leser*innen, wissen Sie was fucken bedeutet? Sie glauben vielleicht es zu wissen und sind dann basserstaunt, wenn Sie erfahren, dass es „diebischer Weise zu sich stecken“ bedeutet. Oder zumindest bedeutet hat.

Sprache ist und war schon immer ein sich ständig veränderndes Konzept, voller regionaler Modifikationen und Eigenheiten. Immer wieder werden zweckmäßige und hippe Begriffe Teil des Wortschatzes – und andere Worte verschwinden oder fristen ein abseitiges Dasein in eher obskuren Publikationen und Kreisen.

Nun gibt es aber zum Glück Aufzeichnungen, die gesamte Literatur der Vergangenheit ist im Prinzip auch eine Fundgrube verschwundener, aus der Mode gekommener Begriffe und Redensarten. Und es gibt Sammler, die diese Fundgrube bereits erschlossen haben oder dies zumindest versuchten.

Johann Jakob Sprengs Wörterbuch, im Original ein Monstrum von über 100.000 Artikeln, stellt sich in dieser Auswahl schon als maßgebliches Werk eines solchen Erschließers da und zugleich eine wunderbare Reise in die verschiedenen Kosmen der deutschen Sprache, vom Schweizer Tiefland bis an die Nordsee, vom vergessenen Kompositum bis zur sehr schrägen Mundartvariante.

So lernt man, dass ein Rasenkux ein unerbautes Feld ist, ein Commentichen nicht etwa ein niedlicher Kommentar, sondern eine Senf-Schüssel, eine Stammblütsche keine Wurst, sondern das untere Ende eines gestutzten Baumes und yselen zufrieren bedeutet.

Es gibt natürlich auch viele weniger aufregende Begriffe (dass ein „Schriftdieb“ ein Plagiator ist, versteht sich nicht nur von selbst, es ist auch nicht unbedingt ein bereicherndes oder schönes Wort), aber dennoch macht es Spaß in dem Buch zu blättern und auch immer wieder die von Sprenger mit einem Stern versehenen (besonders wertvollen) Worte zu bestaunen.

Alles in allem: ein tolles Buch, das in keiner Bibliothek fehlen sollte, zumindest in keiner von Wörterbuchfreund*innen.

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