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Zu der George Lucas Biographie von Brian Jay Jones


Das war 1975. Und niemand, auch nicht Lucas, war klar, dass er mit den Sequel- und Merchandising-Rechten gerade eine Milliarden-Dollar-Klausel ausgehandelt hatte.

Das war am Anfang. Also nicht ganz am Anfang. Ganz am Anfang steht in jeder Biografie die Geburt, das Aufwachsen, die Begegnung mit den Faszinationen, die später, tranformiert, das Werk prägen werden.
Es ist eine schwierige Gratwanderung, eine George Lucas-Biographie zu schreiben. Denn sein Name ist so sehr Synonym für Star Wars (oder vielleicht Indiana Jones oder meinetwegen auch visionäre Sound- und Animationstechnik), dass ein Biograph einerseits Gefahr laufen könnte, zu viel Gewicht auf die Geschichte dieser Werke zu verwenden, in Ausmaßen, die mit Lucas Leben und Schaffen nicht mehr direkt etwas zu tun haben oder es überschatten und andererseits besteht das Risiko, dass eine George Lucas-Biographie die Fans enttäuscht, wenn sie den mit seinem Namen fest verknüpften Werken zu wenig Platz einräumt.

Bedenkt man diese Voraussetzungen, so erkennt man schnell, dass Brian Jay Jones eine gute Balance geglückt ist: Das Buch ist eine Biographie der Persönlichkeit von Lucas und keine Biographie von Krieg der Sterne oder einem anderen Projekt. Auch wer ein Buch sucht, in dem das Verhältnis zwischen Lucas und der Inspiration zu seinen Filmen komplexer beleuchtet wird, wird hier nur bedingt fündig werden (und ich würde ihn oder sie eher an “Star Wars, Magie und Mythos” oder direkt an eine von Lucas Inspirationsquellen “Der Heros in tausend Gestalten” verweisen).
Zwar nennt Jones gewissenhaft die frühen und späten Inspirationsquellen und gibt immer wieder Abrisse über Hintergründe, Lektüren, frühere Stadien, aber derlei wird eher kurz am Wegrand aufgetürmt und selten vertieft.

Überhaupt legt Jones Biographie zumeist ein straffes Tempo vor, schafft es so allerdings, das Hin und Her von Lucas jahrzehntelangem Kampf für ein eigenes, unabhängiges Studiogelände, seine Vision von Kino, die Perfektionierung seiner Werke zu verkörpern. Auf diesem Wege gelingt dem Buch auch das Einfangen von Lucas zurückhaltendem, teilweise sehr eigenbrötlerischem Charakter.
Etwas überstrapaziert wird die Einbindung von Wortmeldungen von Weggefährt*innen, Freund*innen und sonstigen Beteiligten (über das ganze Buch verteilt gibt es über 1500 Quellenhinweiszeichen, die zu einem umfangreichen Register gehören und fast alle auf wörtliche Aussagen in Interviews, Dokumenten, Biographien, etc. verweisen). Natürlich ist das Zusammentragen einer so umfangreichen Meinungssammlung verdienstvoll und in den vielen Zitaten spiegelt sich das Bild von George Lucas in all der Vielschichtigkeit wieder, die eine Biographie bei einem Menschen herausarbeiten sollte. An einigen Stellen ist die Redundanzdichte aber wirklich zu hoch.

Der Biographie geht es auch weniger um Lucas Faszination, mehr um die enormen Widerstände, technischen Hindernisse, zwischenmenschlichen Probleme und Schwächen, die in Lucas Person und Werkgeschichte eine zentrale Rolle spielen; sie werden geradezu minuziös ausgebreitet. Mitunter hat man das Gefühl, Jones hat an sich selbst den Anspruch gestellt, eine dezidiert kritische Arbeit vorzulegen. Auch wenn er Lucas Verdienste und Erfolge betont und illuminiert, lässt er keine Gelegenheit aus, um auf Niederlagen, Fehler oder die Schrulligkeit des Portraitierten einzugehen.

Das ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, das Lucas, obwohl er der Schöpfer von Star Wars und Indiana Jones ist, kein wirklich aufregendes Leben hatte und die Dramatik aus dem geschaffen werden muss, was da ist. In relativem Wohlstand geboren und nie vor wirklich existenzbedrohende Entscheidungen gestellt (auch wenn er manchmal enorme Risiken einging, von sich aus), nie auf der Suche nach allzu großen Abenteuern, ist Lucas Leben die Geschichte eines mutigen, aber doch nicht tollkühnen, Visionärs, der durch Glück und Hartnäckigkeit zum Schaffer einiger popkulturell sehr bedeutsamer Ideen und Figuren wurde.

Alles in allem ist die Biographie ein schöner Schmöker. Ich hatte mir schon erhofft, gerade im letzten Kapitel ein wenig über Lucas Treatments für die neueren Filme zu erfahren (auf die Disney ja dann nicht zurückgriff) oder über seine Einstellung zum EU und dem Star Wars Franchise. Doch gerade in den letzten Kapiteln geht es vor allem um die Skywalker-Ranch und die Formalitäten beim Verkauf an Disney und Lucas neuste Projekte, seine derzeitige Lebenssituation.

Doch, und das ist schon wichtig zu betonen: Jones ist hier ein sehr authentisches Porträt gelungen – was man schon daran sieht, dass es eben nicht in jedem Moment vor Spannung sprüht. Gewissenhaft geht er vor, im richtigen Moment mit Witz, Anekdoten oder Differenzierungen punktend. Alles in allem also: der geballte George Lucas, unverstellt, ein ungeschönter Gesamteindruck.

Zu “Das goldene Zeitalter der Sith”


Goldene Zeitalter der Sith In den Spielfilmen, die bisher erschienen sind, wird die Bezeichnung Sith fast ausschließlich für Jedi-Ritter verwendet, die zur dunklen Seite übergetreten sind. Doch wer oder was waren/sind die Sith ursprünglich? Eine Rasse, eine Religion, eine Einstellung zur Macht? Alles drei? Und wie kamen die Sith zum ersten Mal mit den Jedi in Kontakt?

Diese Fragen sind es vor allem, auf die dieser Comic, der 5000 Jahre vor der Schlacht von Yavin spielt, Antworten gibt (er entstand 1997, als der Vorfreude-Hype um Episode 1 bereits eingesetzt hatte). Zu diesem Zeitpunkt ist das Hyperraumreisen bereits üblich, allerdings findet es sehr selten abseits genau markierter Routen statt. Neue Routen zu suchen und zu kartographieren ist also eine profitable, aber oftmals auch eine gefährliche Angelegenheit. Ein Geschwisterpaar wird schließlich, bei ihrem Versuch in neue Welten vorzustoßen, mit ihrer Entdeckung des Sith-Imperiums den Anfang aller Kriege zwischen Jedi und Sith einläuten.

Die Jedi-Ritter sind in “Das goldene Zeitalter der Sith” zwar schon Hüter der Freiheit und des Gesetzes, die Verzahnung mit dem Apparat der neuen Republik scheint allerdings noch deutlich schwächer zu sein, als zu Zeiten von Episode I. Vor vielen Jahren spaltete sich der Orden beim großen Schisma und die dunklen Jedi wurden in unbekannte Regionen verbannt und sind beinahe schon vergessen.

Obwohl diese Comics den bisher frühsten auserzählten Teil der Chronologie von Star Wars darstellen, sind sie nicht der Anfang von allem, aber in ihnen beginnt der Prozess, dessen Vollendung und Abschluss erst mit Palpatine und seiner Zerschlagung der Republik, sowie der Errichtung des Imperiums erreicht wird.

Als eben dieser Ausgangspunkt, als große Klammer, in der alle Entwicklungen und Kämpfe des Sith- und des Jedi-Ordens gefasst sind, hat dieser Comic also eine wesentliche Bedeutung und ist zurecht ein Klassiker. Er und seine Nachfolger machten Star Wars (bevor Disney kam) zu etwas viel Weitreichenderem und gaben dem Erweiterten Universum abseits aller Abenteuer, Legenden und Kämpfe auch eine Chronologie, eine Historie, die zu verfolgen sich lohnte.

Dass das Star Wars Universum nach seiner Entstehung eine eigenen Dynamik aufnahm und sich so kolossal erweiterte, lag sicherlich vor allem an einigen sehr attraktiven Faktoren. So baute sein Kosmos, seine ganze Struktur, nicht auf einer kommenden Zukunft der Menschheit (wie so viele andere Sci-Fi Serien) auf, sondern stellte ein komplett autonomes Universum dar, mit vielen unterschiedlichen Möglichkeiten zur Erweiterung.
Mit der Macht und ihrer Unterscheidung in Gut Böse, den Jedi, Laserschwertern und v.a. Dingen waren bereits wesentliche Grundsteine für ein nahezu endloses und doch glaubwürdiges Konflikt- und Abenteuerpotential geschaffen – und zuletzt waren noch so viele Herkünfte und geschichtliche Abläufe nach den klassischen Trilogien (in denen sie angeschnitten wurden) ungeklärt geblieben, sodass die Filme geradezu nach einer Erweiterung zu schreien schienen.

Gelungen war die Erweiterung von George Lucas Erfindung, die in ihren besten Ausformungen so gut die Gratwanderung zwischen Mystischem und Epischem zu meister weiß, letztendlich wegen der strikten Vorlage, dass alle Bücher und Comics und Spiele entweder in die Chronologie des Ganzen passen mussten oder klar als alternative/parodistische/oder sonst fremde Stränge gekennzeichnet wurden

Eine der gelungensten Erweiterungen ist sicherlich dieser Comic.

Fazit:

Wichtigkeit für die Star-Wars-EU-Chronologie
🌟 🌟 🌟 🌟 🌟 
Grafik:  
🌟 🌟 🌟 🌟  (teilweise etwas schwammig)
Story:
🌟 🌟 🌟 🌟  (wendungsreich, aber nicht atemberaubend)
Aufmachung:
🌟 🌟 🌟 🌟  (in der aktuellsten Version als Star-Wars-Essentials der übliche Paperbackeinband von Panini, gute Qualität)

Zu “Schatten des Imperiums”


Star Wars Schatten des Imperiums (Vorweg: allen Fans des EU von Star Wars empfehle ich diese Liste zum Gesamtüberblick)

“Schatten des Imperiums”: eine der wenigen Nicht-Film-Geschichten des Star Wars Universums, die Kult-Status erlangte. Es ist außerdem eines der wenigen Star Wars-Projekte außerhalb der Filmtrilogien, dem dieselbe epische Faszination innewohnt und dessen Feeling nah an die Filme heranreicht. 

Dies resultiert sicherlich daraus, dass man die Geschichten um Dash Rendar, Prinz Xizor, Boba Fett und die bildschöne Attentäterdroidin Guri sowohl lesen (in Form von Buch & Comic), als auch selbst (aus der Perspektive Rendars) nachspielen konnte (im PC-Spiel “Shadows of the Empire”). Jedes Medium bietet dabei einen etwas anderen Einblick in die Geschichte, die den Zeitraum zwischen Episode 5 & 6 beleuchtet.

Während das Game Dash Rendar in den Mittelpunkt rückt und das Buch die Fehde zwischen Prinz Xizor und Darth Vader, so wie deren Jagd nach Luke Skywalker erzählt, konzentriert sich der Comic sehr auf die Kopfgeldjägerjagd auf Boba Fett und seine wertvolle Beute, den in Karbonit eingefrorenen Han Solo. 

Der Kampf zwischen Vader und Xizor, um die Gunst des Imperators wird allerdings ebenfalls verhandelt. Während Vader nach Luke suchen lässt, um ihn lebend für die dunkle Seite zu gewinnen, ist der gerissene Xizor, der sich als Anführer der zwielichtigen Verbrecher-Organisation Schwarze Sonne beiden Seiten gegenüber scheinverpflichtet, darauf aus, Luke zu töten und Vader somit in einem schlechten Licht dastehen zu lassen. In all dem Chaos Versuchen Luke, Lea und Lando ihre Suche nach Han voranzutreiben, wofür sie verhängnisvoller Weise auch die Hilfe von Xizor in Anspruch nehmen …

Schatten des Imperiums ist, obwohl es die Lücke zwischen Episode 5 und 6 schließt, eine sehr eigenständige und facettenreiche Geschichte. Nicht nur die ambivalente Beziehung zwischen Vader und dem Imperator kommt hier zu Vorschein (und nach den Ereignissen in der Prequel-Trilogie ist diese Ambivalenz nur allzu verständlich), auch Boba Fett macht seinem Ruf alle Ehre und ist hier in der Rolle seines Lebens . Und auch wenn die tolle Figur Dash Rendars etwas zu kurz kommt und die Suche nach Han etwas dürftig und oberflächlich bleibt (im Gegensatz zum Roman), hat die ganze Geschichte etwas sehr Fesselndes.

Für alle, die eine neue und dennoch alte Geschichte aus dem Star Wars Universum erleben wollen, ist Schatten des Imperiums eine der wenigen Gelegenheiten. Es kann auf keinen Fall schaden, den Roman vielleicht vorher zu lesen – und nachher das Spiel zu spielen, wenn man Lust hat.

P.S.: Es gibt auch eine nette Fortsetzung, in der der Charakter Guri ins Rampenlicht rückt, wenn auch von der Geschichte her nicht ganz so episch und gut: “Schatten des Imperiums: Evolution”.

Fazit:

Wichtigkeit für die Star-Wars-EU-Chronologie
🌟 🌟 🌟 🌟
Grafik:  
🌟 🌟 🌟 🌟
Story:
🌟 🌟 🌟 🌟 🌟 (einmalig)
Aufmachung:
🌟 🌟 🌟 🌟 (In der Essentials-Version gute Paperbackqualität, in der Star Wars Comic Kollektion-Version guter Einband, schlechtere Qualität bei den Farben)

Zu den Feest Classic Star Wars Bänden 1-8


Star Wars Feest Classic (Vorweg: allen Fans des EU von Star Wars empfehle ich diese Liste zum Gesamtüberblick)

Drei Abschnitte im erweiterten Universum von Star Wars werden zu einem hohen Anteil von Comics abgedeckt: Zum einen die Ereignisse, die etwa 5000 bis 3000 Jahre vor der Schlacht von Yavin (angefangen bei Das Goldene Zeitalter der Sith) verortet sind, zum anderen viele zentrale Ereignisse der Klonkriege und schließlich die Abschnitte zwischen den der drei klassischen Star Wars Episoden IV, V und VI.

Neben der Star Wars Classics-Reihe von Marvel (die in Deutschland teilweise in den Reihen “Krieg der Sterne”- und “Star Wars”-Bänden bei Ehapa erschienen) gab es auch die Classic Star Wars Bände 1-8 (der neunte ist eine Comicvariante des Han Solo-Romans “Auf Stars End”). Sie spielen beinahe ausschließlich zwischen Episode IV und V und bis Band 7 bauen sie auch aufeinander auf.

In dem ersten Band der Reihe ist die Rebellion, in der Person von Luke und Leia, wie in vielen Geschichten, die zwischen Episode IV und V spielen, auf der Suche nach einem Standort für eine neue Basis. Auf einer Dschungelwelt gestrandet und von Han Solo gerade noch gerettet, verschlägt es die drei Helden nach Ord Mantell, wo es dann zu der Begegnung mit einem (in Episode V wird gleich zu Anfang auf dieses Ereignis angespielt) Kopfgeldjäger kommt. Des Weiteren bekommt die Rebellion auch Nachricht von einem Admiral der imperialen Flotte, der die Rebellion vor einer neuen Superwaffe Darth Vaders warnt …

Nicht unbedingt revolutionär gemalt (sie erinnern in ihrer Farbwahl an die belgischen Comics bei Carlsen) sind die Classic Bände eher für die ganz hungrigen Star Wars Fans, die einfach nicht genug bekommen können. Wettgemacht wird das Graphische zum Teil von den Dialogen und der wendungsreichen Storyline, die den Übergang von der Basis auf Yavin nach Hoth beschreibt, die Entwicklung des Supersternenzerstörers Executor und das wachsende Interesse Darth Vaders an dem jungen Luke Skywalker.

Fazit:

Wichtigkeit für die Star-Wars-EU-Chronologie:
🌟 🌟 🌟
Grafik:
🌟 🌟 🌟
Story:
🌟 🌟 🌟 🌟  (wendungsreich, aber nicht atemberaubend)
Aufmachung:
🌟 🌟 (sehr unhandlich-großformatige und neu nicht mehr zu bekommende Bände)

Denn Nirgendwo steht doch geschrieben/ Han und Lea müssten sich lieben.


Mit Entführung nach Dathomir wird zum ersten Mal ein zentrales Thema der klassichen Trilogie aufgegriffen, dass bisher eher mit Samthandschuhen angefasst wurde: Die Liebe zwischen Lea und Han, zwischen einer Prinzessin und einem Schurken, in einer Galaxis, die genauso häufig von Politik und Tradition bestimmt wird, wie die Geschicke auf unserem Planeten einst und heute. Episode V und VI haben die meisten Zuschauer sicherlich überzeugt, dass das eigenwillige Paar auf jeden Fall eine Zukunft haben wird und in ewiger Liebe verbunden ist und eigentlich wäre es ja fast schon Frevel daran noch irgendwie zu kratzen.

4 Jahre nach Ende des Krieges sieht es trotzdem zunächst ganz anders aus. Natürlich, sie haben eine gemeinsame Vergangenheit, dei beiden, doch davon scheint in der neuerwachten Gegenwart wenig angekommen zu sein. Han hat nach einer langen Jagd auf Kriegsherr Zsinj zwar endlich mal wieder Zeit für Lea, aber als er auf Coruscant eintrifft muss er feststellen, dass Lea just einen anderen Heiratsantrag erhält – und der neue Nebenbuhler ist ausgerechnet ein Prinz, der ihr anbietet, einmal über einen der mächtigsten Sternenhaufen in der Galaxis zu gebieten. Und was hat Han ihr zu bieten? (Eine Frage die wohlgemerkt bisher nie eine Rolle spielte und man kann darüber streiten, ob es folgereichtig ist, dass diese Frage nun wichtig wird). Fieberhaft versucht Han irgendwas aufzutreiben, mit dem er Lea beeindrucken und zurückgewinnen kann. Und das führt die klassische Star Wars Crew um Han, Lea, Luke und CO schließlich an einen recht prähistorischen Ort…

Viele Aspekte zur Einordung, der übergreifenden Bedeutung und den Schwächen der Handlung sind bereits in einer sehr guten Rezension von Mario Pf. dargelegt worden. Hinzuzufügen ist, dass “Entführung nach Dathomir” in manchen seiner Aspekte (z.B. eine gute Darstellung von Luke, auch wenn sie in Sachen Weisheit nicht immer ganz mit seiner darauffolgenden Rolle in Erben des Imperiums übereinstimmt, außerdem die Erfindung der Hexen von Dathomir) ein guter und wichtiger Star Wars Teil ist, im Gesamtbild, als Roman betrachtet, aber eindeutig große Schwächen aufweist. Nicht nur die etwas gehetzte Handlung, das Schwanken zwischen intensiven Macht- und Kraftbetrachtungen und einfachen, banalen Schlachten, sondern auch die starken Schwankungen in der Psyche mancher Charaktere weist Ungereimtheiten auf, die vielleicht nicht aus der Luft genommen, aber doch zumindest nicht in den richtigen Zusammenhang gesetzt werden. Desweitern ist für jeden, der die X-Wing Romane gelesen hat, die Art wie Zsinj hier abserviert wird, geradezu schockierend und wenig elegant.

Allgemein hinterlässt der Band einen Phantomschmerz im EU und schafft es, gleichsam faktisch wichtig und erzählersich uninteressant zu sein. Viele kleine Beobachtungen stechen hervor und so bleibt das Leseerlebnis von einem übergreifenden Gefühl von unnahbare Ambivalenz überschattet.

Etwas zu knapper Abschluss


“Comkin Fünf war eine grün-blaue Welt, die einen gelben Stern umkreiste. Als die “Fälschung” sich der Planetenoberfläche näherte, lösten sich die Farbklekse auf und wurden zu blauem Meer und tiefgrünen Tropen mit Wolkenbändern darüber sowie winzig kleinen arktischen Eiskappen.
-Hübsch-, sagte Donos, -Was jagen wir als Erstes in die Luft?-
Wedge, der vor ihm auf dem Pilotensessel saß, drehte sich zu ihm um: -Das sollten Sie sich aufschreiben-, sagte er. -Das wäre ein guter Wahlspruch für die Gespensterstaffel.-”
(Zitat von Seite 308)

Da bleibt eine große Leere, nach dem der letzte X-Wing Roman der zusammenhängenden Reihe (sowohl Stackpole (X-Wing – Isards Rache) als auch Allston (X-Wing – Das letzte Gefecht) schoßen im späteren Lauf der Chronologie noch einen Band nach; Allston sogar bald noch einen zweiten: X-Wing – Gnadentod) ausgelesen ist; und das Gefühl, dass die Leere kleiner sein könnte, wenn das Buch im Hinblick auf die großen Zusammenhänge nicht so zurückhaltend wäre, Zusammenhänge, die immerhin angetastet werden, aber nicht wirklich vollendet.

Zwischen Episode VI und den Abenteuern um Admiral Thrawn, Mara Jade und Co sind es eigentlich nur die X-Wing Romane, die einen Einblick in das Geschehen des EU geben und den Bogen spannen zwischen dem Ende der Rebellion und dem Anfang der Neuen Republik und ihrers Zeitalters. Doch ganz elementar sind die X-Wing Romane und ganz speziell die Gespensterstaffel-Romane, eine Timeline und ein Personenkreis für sich, der erst hier, im letzten Band, ein wenig mit dem klassichen Star Wars verbunden wird.

Kriegsherr Zsinj, neben Ysanne Isard der große Feind in den ersten Jahren nach dem Galaktischen Bürgerkrieg, hat durch die Interventionen der Gespensterstaffel bereits einiges an Schaden erlitten. Doch genau wie bei Isard und später bei Thrawn hat er sich einige seiner größten Coups noch für zuletzt aufgehoben. Plötzlich beginnen Alienmitglieder der Flotte sich gegen kommandierende Offiziere und andere hohe Mitglieder der Allianz zu wänden. Attentate, scheinbar ohne Hintergrund und Bewegründe. Und auch Han Solo, der Zsinj nun schon seit Monaten durch die Galaxis jagt, scheint ein schneller Erfolg verwehrt. Gut das Han sowohl auf die Sonderstaffel als auch auf ihre Gespensterkollegen zurückgreifen kann…

Der Fokus liegt dabei auch in diesem Band eindeutig auf den Mitgliedern der Gespensterstaffel und ihnen ist auch in diesem Band ein schönes Denkmal gesetzt worden. Obwohl sich die meiste Action ganz klar am Boden abspielt und auch die persönlichen Beziehungen zwar viel bemüht, aber ebenfalls wenig vollendet werden, hat der Roman doch etwas Filigranes. Vielleicht sollte ich es bei dieser kurzen Einschätzung belassen. Fazit: Nicht ganz so furios wie in Bacta-Piraten, aber trotzdem Recht opulent, geht hier die zweite Chronik der X-Wings zu Ende. Direkt an diesen Roman schließt Entführung von Dathomir an, der leider das Zsinj Thema ungenügend und plötzlich zu einem Ende bringt.

Neben “Bacta-Piraten” der beste X-Wing Roman


Diese Rezension ist etwas umfangreicher: Um direkt zur Buchbesprechung zu kommen, einfach die ersten 2 Absätze überspringen.

Star Wars: Krieg der Sterne, das war eine Art Cyber-Märchen, eine kultige Weltraumoper, ein unvergessliches Anderweltenerlebnis, eine Heldengeschichte ohne Abstriche. Doch schon mit den 5 folgenden Filmen wandelte George Lucas die Konzepte des Universums (mal erfreulicher, mal fragwürdiger) ab. Die Düsternis in “Das Imperium schlägt zurück”, die unübertroffene Leichtigkeit und Epik von “Die Rückkehr der Jedi-Ritter”, dann plötzlich Politik, Verrat, Klonkriege und ein ganz neues Bild der Jedi-Ritter in der Prequel Trilogie – und schließlich dann die Klassiker des erweiterten Universums in Buch & Comic, die auch gerne mal auf die andere Seite der Star Wars Ideale wechselten. Wie passt das alles zusammen?

Anscheinend sehr gut, den Star Wars hat diese diversen Transformationen im Kern gut überstanden (auch wenn neuste Buchentwicklungen oft etwas überstürzt wirken). Mit den Comics um die alten Sithlords und großen Kriege, die mancmal 5000 oder 1000 Jahre vor den Ereignissen in einem gewissen Todessterngraben spielen, hat Star Wars so etwas wie eine Historie erhalten, eine konsequente. Mit Romanen und Comics um Sturmtruppen, imperial Gardisten und dunkle Jedi-Ritter wurde aus der einfachen Schematik von Gut und Böse eine episch-ewiger Kampf zweier politischer, gesellschaftlicher und religiöser Ansichten. Und schließlich haben Romanfolgen wie die X-Wing-Zyklen das menschliche Potential aus dem Universum herausgeholt und uns Helden gezeigt, die auch sterben können.

Die Gespensterstaffel hat ihre Fähigkeiten unter Beweis gestellt. Nach dem ersten Coup und der ersten Delle in Kriegsherr Zsinjs Armee, soll der Despot höchst selbst nun angegangen werden. Dafür ist eine verdeckte Operation geplant, bei der die Staffel sich in eine Piratenhorde verwandeln muss – kein Problem für die “spezielleste” Truppe im Dienste der Republik…

Gerade im Bezug auf die Charaktere hat Allston sich in diesem Buch fast noch einmal selbst übertroffen. Stackpole hatte starke Charaktere, aber Allston schafft es beinahe wirklich “Menschen” aus seinen Figuren zu machen und das in einer weit, weit entfernten Galaxis, deren Darstellung nicht gerade vordringlich für dererlei bekannt ist. Natürlich liegt vieles davon unter der Oberfläche oder hat einzelne Auftritte, da es ja in Star Wars Romanen immer auch um Schlachten und andere Dinge geht. Aber Allston schafft eine gute Verbindung zwischen den X-Wing-klassischen Elementen und einer durchgängigen Beschäftigung mit seinen Figuren.

Ich möchte nicht zu viel verraten, aber obwohl dieser Roman nicht bombastisch oder sehr genial aufgemacht ist, oder mit diveresen Verschwörungen und Gegenverschwörungen versehen, gehört er zu meinen Favoriten im Star Wars Universum. Vielleicht sind es die vielen kleinen Gesten darin, vielleicht der eher unpektakuläre, aber nichtsdestotrotz spannende, Einsatz, vielleicht auch nur das Ende, das Star Wars pur ist. Auf jeden Fall zusammen mit Bacta-Piraten der beste X-Wing Roman.