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Zu “Das entehrte Geschlecht” von Ralf Bönt


Entehrte Geschlecht “Trotz noch immer ungleichem Lohn für gleiche Arbeit und der Niederlage Hillary Clintons gegen Barack Obama: Frauen sind auf ihrem Weg der Gleichberechtigung sehr weit. Statt daran zu erinnern, dass manch schwarzer Mann seit 1869 sein Wahlrecht vor manch weißer Frau bekam, und zu mutmaßen, dass Clinton eine solche Niederlage nun wiederholte, sollte man bedenken, wie feminin Obama wirkt. In manchem durchaus femininer als Hillary Clinton.“

Es hätte sich wohl niemand beschweren können, wenn ich dieses Buch nach einer solchen Passage an die Wand geworfen oder einfach nur weggelegt hätte. Es ist unstrukturiert, sprunghaft und mäandert vor sich hin, immer wieder in Argumentationen geradezu verfallend wie in einen tranceähnlichen Zustand.

Aber ich habe weitergelesen, dies jedoch auch nicht selten bereut. Denn es geht unausgegoren weiter, immer wieder mit argen Turns und der Text wird mit einer Wut oder Frustration betrieben, die sich zwar als schlichte Klarstellung ausgibt, aber doch eher in der Mitte zwischen Pöbeln und Polarisieren stattfindet. Man bekommt auch nie ganz genau zu fassen, worauf Bönt hinauswill, weshalb sich manche Passagen wie Verschwörungstheorien lesen und selbst die nachvollziehbaren Elemente ohne Kontext oder mit fragwürdigem Kontext dastehen.

Ja, Herr Bönt, es braucht durchaus ein neues Männerbild und ja, es gibt Dinge, über die noch gesprochen werden muss, nach dem Ende des Patriachats und ja, Männer sollten nicht verdammt, ihnen sollte auch geholfen werden und ja, die Abschaffung des Sexismus beseitigt nicht die Probleme des Kapitalismus und der sozialen Gefälle. Aber man kann das nicht alles durcheinanderwerfen und manches kleinreden und manches mit Empörung versehen und als Sorge verkaufen oder gar als Manifest.

Sie haben nicht ganz Unrecht, wenn sie sagen: „Das Problem ist immer noch das alte: Der Mann. Er macht bei der ganzen Sache nicht richtig mit.“ Aber erstens ergehen sie sich in solchen Pauschalien bis man es nicht mehr ertragen kann und zweitens ist ihr Appell an die Männer, ihre gesellschaftliche Rolle selbstständig zu überdenken und zu korrigieren zwar löblich und im Kern auch willkommen, nur würzen sie diesen Aufruf mit derart viel herbeiphilosophierten Schwachsinn, Halbfakten und Beobachtungen zweifelhafter Natur, dass sich die Spielräume des Manifests sehr schnell auf das übliche Kleinkarierte minimieren.

Ja, Sexismus ist das Problem von Männern und Frauen, meistens in der Konstellation Mann=Täter und Frau=Opfer. Und ja, es wäre schön, wenn nicht nur Frauen ihre Opferrolle hinter sich lassen wollen, sondern Männer selbstständig vom Täterprofil zurücktreten wollen, sich von den Strukturen zu ihrem eigen Wohl verabschieden. Das tun auch viele. Und es wäre auch schön, wenn sie das mit Selbstbewusstsein machen würden, welches aber nicht in Stolz umschlagen sollte. Gegen diese Position hat niemand was, aber warum das Ganze pflastern mit Seitenhieben und pseudohistorischen Gesichtspunkten?

Fazit bleibt: unausgegoren, oft weit am eigenen Thema vorbei.