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Zu Alessandro Bariccos “Die Barbaren”


Die BarbarenOhne Mutation kein Leben, ohne Mutation kein Überleben, Binsenweisheit ahoi. Das gilt nicht nur für organische Strukturen, sondern auch für kulturelle. Hier entsteht die Mutation meist aus dem Konflikt zwischen Tradition und Fortschritt, Bewahrten & Bewährtem und neuen Entdeckungen. Auf der einen Seite also die institutionalisierte Einrichtung der Gesellschaft, auf der anderen Seite „Die Barbaren“ – ein uralter Topos, der schon im Gilgamesch-Epos verhandelt wird und seitdem oft bemüht wurde.

Alessandro Baricco hat in seinem Buch „Die Barbaren“ (ein in der Zeitung publizierter Fortsetzungstext, im Original bereits 2006 erschienen) die letzten Jahrzehnte in Augenschein genommen und sie nach Anzeichen für Mutationen durchsucht. Die Thesen, die er dabei herausarbeitet, sind nicht übermäßig spektakulär, aber doch bedenkenswert und mitunter durchaus offenbarend.

(Von hier an: SPOILER-Gefahr)

Im Kern kann diese Erkenntnisse folgendermaßen zusammenfassen: wir haben (längst) ein neues Zeitalter betreten, das viele Vorstellungen, die wir noch hegen und pflegen, abbaut und manchmal schon durch Attrappen ersetzt hat. Das letzte Zeitalter war eines des Buches, des bürgerlichen Aufbruchs, der Verfeinerung und Vertiefung vieler Künste, der großen Ehrfurcht und sein Ende/seine Transformation hat spätestens mit der Erfindung des Internets eingesetzt, vermutlich aber schon mit dem Privatfernsehen, dem Fastfood, der Globalisierung.

Das ist nicht unbedingt eine bahnbrechende Erkenntnis, die auch schon an anderen Stellen anders formuliert wurde. Bemerkenswert ist aber, mit welch unterhaltsamer und leichtfüßiger Raffinesse Baricco den Prozess und seine Indizien freilegt. Er beginnt mit einigen Rückblicken und versucht das Ende des letzten Zeitalters festzustellen; dabei stößt er auf die Reaktionen und Kritiken, die kurz nach der Uraufführung von Beethovens neunter Symphonie erschienen. Vielen Traditionalisten galt sie damals als ungeheuerliches, fremdes und wenig fruchtbares Machwerk, beeindruckend zwar in seiner Schierheit, aber hauptsächlich eigenwillig, irritierend.

Diese Musik ist Flagge, Hymne, erhabenes Festungswerk geworden. Sie ist unsere Kultur. Nun, es hat eine Zeit gegeben, in der die Neunte das Banner der Barbaren war!

Auch Romane galten bei ihrem Aufkommen als eine Art Angriff auf die damalige Kulturlandschaft – heute gilt (ob nun zurecht oder nicht) der- oder diejenige als Barbar*in, der/die keine Romane liest. Oder besser: galt. Denn eben diese Einteilungen verschieben sich wieder und unaufhaltsam, selbst wenn viele noch an ihnen festhalten. Mutation ist ein schleichender Prozess, der aber letztlich alles umkrempelt und eine neue Ebene einführt, auf alles andere draufsetzt.

Dabei werden Traditionen ausgehöht und gekapert, transformiert. Baricco bringt drei Beispiele jüngster Zeit: Wein, Fußball und Bücher. Anhand ihrer Geschichte und der Veränderung der Dynamiken in ihrem Bereich, zeigt er wie sich vor allem unser Verständnis von der Erfahrung (unbewusst) gewandelt hat. Steckte sie im nun ausklingenden Zeitalter in der Tiefe, im Vertiefen, verteilt sie das neue Zeitalter auf der Oberfläche, springt von einer Erfahrung, von einem Reiz zum nächsten, anstatt einen voll auszuloten.

Es ist faszinierend, spannend und, wie gesagt, sehr unterhaltsam, mit Baricco eine Reise durch diese Aspekte kultureller Veränderungen zu unternehmen und dabei die eigene Wahrnehmung ein bisschen aufzuspalten, zu reflektieren. Baricco plaudert oft bescheiden vor sich hin, um dann doch wieder, mit Wucht, zum Kern seiner Überlegungen vorzustoßen.

Es gibt interessante Anekdoten in diesem Buch, tolle Formulierungen. Einige Abschnitte beschäftigen sich mit Walter Benjamin und Baricco gelingt, nebenbei, ein tolles Portrait dieses bahnbrechenden und unverzichtbaren Denkers.

Was ihn an der Gegenwart faszinierte, waren die Anzeichen für Mutationen, die diese Gegenwart auflösen würden. Ihn interessierten Verwandlungsprozesse; Zeiten, in denen die Welt in sich selbst ruhte, waren ihm völlig egal. Von Baudelaire bis zur Reklame – alles, worüber er sich beugte, wurde zur Prophezeiung einer zukünftigen Welt und zur Ankündigung einer neuen Kultur. […] Verstehen bedeutet für ihn nicht, den Untersuchungsgegenstand durch eine Definition auf der bekannten Landkarte der Wirklichkeit unterzubringen, sondern zu erahnen, wodurch dieser Gegenstand die Landkarte so verändern würde, dass sie nicht wiederzuerkennen ist.

„Die Barbaren“ kann einem vieles vor Augen führen, u.a. dass unsere Wahrnehmung von Geschichte, von Verlauf, meist stark gefärbt ist durch die Umstände und Einrichtung unserer derzeitigen Lebenswelt und den darin propagierten Vorstellungen der Vergangenheit; wir nehmen sie durch das Okular unseres Erfahrungsstandes wahr. Kultur ist nichts Starres, sondern immer im Fluss, und auch wenn hier und da Dämme gebaut werden, groß wie die chinesische Mauer – sie können nur die Illusion von Kontrolle erzeugen und auf die Dauer die Mutation der Kultur nicht aufhalten, ihre flüssige Konsistenz nicht leugnen. Mit ihr lässt sich nichts in Stein meißeln, nur manches über lange Strecken dahintragen.

In jedem Fall: ein tolles, fesselndes, kluges Buch, dabei selten schwerfällig oder verkopft, sondern immer auch ein bisschen leichtsinnig, fröhlich, Haken schlagend. Wer ein bisschen fasziniert werden will, der greife zu.

Zu “Die verborgene Bibliothek” von Alberto Manguel


Die verborgene Bibliothek

Als Diodorus Siculus im 1. Jahrhundert Ägypten besuchte, las er über dem in Ruinen liegenden Eingang der alten Bibliothek den eingravierten Schriftzug »Klinik der Seele.« Vielleicht ist das das höchste Ziel einer jeden Bibliothek.

Nicht viele Lektüren gibt es, die Geborgenheit verheißen. Jede begeisterte Leserin/jeder begeisterte Leser kennt und besitzt wohl solche Bücher, die ihn nicht nur unterhalten oder inspirieren, sondern ihr oder ihm das Gefühl geben, gut aufgehoben zu sein in der Welt, nicht allein zu sein mit seinen Gefühlen, Vorlieben, Hoffnungen und Wünschen.

Alberto Manguel – ein Autor, dessen ganzes essayistisches Werk ums Lesen, um die Bandbreite der Erkenntnisse und Freuden die in Begegnungen mit Büchern liegen, kreist – hat einige Bücher geschrieben, die mir ein Gefühl von Geborgenheit geben, die die Zuneigung, die ich Büchern entgegenbringe, beflügeln und meine Überzeugungen zu Themen wie Humanität und den Glauben an die wichtige Funktion, die das Geschichtenerzählen in unserer Kultur einnimmt, widerspiegeln. Manguel schreibt:

Schon immer haben Bücher für mich gesprochen.

und das ist eine Erfahrung, die ich nur allzu gut kenne. Und die er meisterhaft heraufbeschwören kann.

Sein neustes Buch ist im Prinzip ein Mix aus den Motiven seiner früheren Bücher (gruppiert um einen biographischen roten Faden). Ausgangspunkt ist das Verpacken seiner Bibliothek, die über Jahre, wie er selbst, in Frankreich zu Hause war und jetzt in dutzenden Kartons zwischengelagert wird. Wie es dazu kam und wie dieser scheinbare Abschied dann doch einen neuen Anfang markierte, schildert er in dem Hauptstrang des Textes; der ist sowohl Lebensbilanz als auch, wie immer, ein Bekenntnis zur Schönheit und Kraft der Literatur.

In zehn Abschweifungen greift er außerdem verschiedene Themenkomplexe auf, die immer wieder die Idee der Bibliothek streifen, aber auch andere kulturelle, ethische oder historische Abzweigungen nehmen. Manguel besitzt die erstaunliche Fähigkeit, in derselben Passage ein Thema zu erörtern und eine Geschichte zu erzählen, eine Eigenschaft, die seinen Texten eine ganz bestimmte Art von Faszination verleiht, wie ich sie sonst nur aus den Texten von Jorge Luis Borges oder Joseph Brodsky kenne.

Literatur, Lesen und Schreiben, sind eine einsame und zugleich universelle Angelegenheit. Literatur ist etwas, dass sehr viel mit uns als Individuum zu tun hat und uns doch die Möglichkeit gibt, mit anderen Menschen viel zu teilen. Auch dieser Widerspruch, der die tiefsten Gründe unserer Existenz mitbedingt, ist immer wieder Thema in Manguels Erörterungen.

Wir suchen zeitlebens voller Sehnsucht nach unserer anderen Hälfte. Und doch sind all das Händeschütteln und Umarmen, alle akademischen Debatten und Kontaktsportarten nicht genug, um die Individualität, zu der wir verurteilt worden sind, aufzubrechen. […] Wir sind verdammt zur Singularität.
Jede neue Technologie birgt in sich auch die Hoffnung auf Wiedervereinigung.

Auch unsere neuen digitalen Technologien konnten dieses Versprechen (das sie noch deutlicher als alle Technologien vor ihnen zu proklamieren schienen) nicht halten. Auch die Literatur kann nicht für immer die Grenzen zwischen uns und anderen einreißen. Aber sie kann kurze Übergänge, störungsfreie Übertragungen, Austausch und Einbezug ermöglichen, anregen.

„Die Welt ist aus dem Stoff, der Betrachtung verlangt“ schrieb Ilse Aichinger und die Literatur, die Kunst, hat sich dieser Aufgabe von jeher angenommen.

Und die Kunst, speziell die Literatur, hat in Manguel längst einen ihrer wundervollsten Fürsprecher, Verteidiger und Idealisten gefunden. Das neue Werk ist wieder voller wunderbarer Zitate, Anekdoten, Erläuterungen und Anregungen; es erschafft und öffnet wieder Türen und Fenster.

Ich bekenne ganz ohne Scheu: ich habe mich auch in dieses neuste Buch wieder vernarrt, in seine Verbindung aus Menschlichkeit und Gelehrtheit, aus Melancholie und Begeisterung. Lesen Sie Manguel! Es gibt nur wenige Schriftsteller*innen, die einen so gastfreundlich aufnehmen und kaum welche, die man mit so viel Hoffnung und neuen Ideen wieder verlässt.

Ein Jahr vor seinem Tod traf Kafka während einer Kur in Müritz seine Schwester Elli und ihre drei kleinen Kinder. Eines der Kinder stolperte und fiel. Die anderen beiden wollten schon laut loslachen, doch um zu vermeiden, dass sich das Kind für seine Tollpatschigkeit schämte, rief Kafka ihm in bewunderndem Ton zu: »Wie toll du fallen kannst! Und wie gut du wieder aufgestanden bist!« Vielleicht können wir (wenn auch wohl vergeblich) darauf hoffen, dass eines Tages jemand kommen und auch diese erlösenden Worte sagen wird.

Neue Seite “theothercanon/deranderekanon”


Ich habe begonnen auf der Webpräsenz theothercanon/deranderekanon eine Liste mit Literatur ausschließlich von Autorinnen zusammenzustellen, aus allen Genres, aus allen Zeitepochen, aus allen Sprachen.

Bin dankbar für alle Anregungen, jegliche Kritik, jegliche Ergänzungen!

Mehr zu dem Projekt auf der Seite selbst.

Zu dem bemerkenswerten Buch “Der Sinn des Lesens”, das Vermächtnis des Autors Pieter Steinz


(© des Bildes by Marina Büttner)

„Antiklimaxe, das Leben ist voll davon. Die Weltliteratur übrigens auch, und die schönsten sind im Werk von Franz Kafka zu finden. Große und faszinierende Romane wie Das Schloss blieben ohne Schluss […] doch auch viele seiner vollendeten Erzählungen enden mit einer Antiklimax. In manchen Fällen erhöhen diese den absurden Gehalt, in anderen die philosophische Wirkung – man gerät ins Nachdenken.“

Das Leben hat in der Tat viele Antiklimaxe, den größten hebt es sich bis zum Schluss auf, trägt ihn aber schon immer mit sich: den Tod, der dann auch folgerichtig am Ende von Kafkas einzigem mit einem Ende versehenen Roman steht, in dem das Leben ein Prozess ist, den der Mensch nicht gewinnen kann (ein Verfallsprozess). Die meisten Menschen können dieser finalen Antiklimax lange aus dem Weg gehen, weil der genaue Zeitpunkt unbekannt ist und man sich so mit jedem Akt des Lebendigen fernab der Aussichtslosigkeit bewegt – es gilt hier jene paradoxe Weisheit Senecas: man ist so lange unsterblich bis man stirbt.

Doch was ist, wenn man, noch am Leben, ein recht genaues Todesurteil in Händen hält? Es gehört nicht zu den zweiundfünfzig Büchern, die der niederländische Schriftsteller, Gelehrte und Direktor der niederländischen Literaturstiftung Pieter Steinz für seine Kolumnenserie (aus der dieses Buch hervorgegangen ist) ausgewählt hat, doch Victor Hugos Die letzten Tage eines Verurteilten wäre sicherlich im späteren Verlauf seiner Krankheit ebenfalls eine Lektüre gewesen, mit der er sich ein Dialog entsponnen hätte – oder vielleicht gerade nicht, denn Steinz geht es eigentlich nie um die seelische Vorbereitung auf den Tod, sondern um das Gewahr werden und Auskosten der Aspekte des Lebens, um den Trost, um die Bewältigung, die weiterhin das Wichtigste ist – nach Rilke: „Wer spricht von Siegen/ Überstehn ist alles.“

„Das Buch, das so entstanden ist, gibt vielleicht keine definitive Antwort auf die Frage, ob Literatur in schwierigen Situationen Trost bieten kann, für mich hat sich auf jeden Fall erwiesen, dass zumindest das Schreiben über Literatur sehr tröstlich ist.“

2013 wird bei Pieter Steinz ALS diagnostiziert, eine unheilbare, degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems; der einzige prominente Überlebende von ALS ist Stephen Hawking, der allerdings an einer speziellen Form der Erkrankung leidet. Nicht ein einziges Mal im ganzen Buch beklagt Steinz dieses Schicksal (auch wenn natürlich Bedauern, Nostalgie und Schwermut manchmal eine Rolle spielen) und schon im ersten Text des Buches, über Platons Phaidon und den Tod des Sokrates durch den selbstzugeführten Schierlingstrank, positioniert er sich gleichsam fatalistisch und lebensbejahend: Fatalistisch, weil er nicht versuchen will, das Unvermeidliche zu leugnen und es stattdessen hinnimmt, lebensbejahend, weil er es nicht als Ende einer erfüllten Existenz ansieht, auch wenn er von nun an seine Tage in großen Teilen eingeschränkt verbringen muss und immer mehr Freuden unmöglich werden. Da in den Niederlanden die aktive Sterbehilfe erlaubt ist, hat Steinz sich früh entschlossen, in dem Moment, in dem es gar keine Möglichkeit mehr gibt, am Leben aktiv teilzunehmen, diese in Anspruch zu nehmen.

„ALS ist eine Krankheit, die die Phantasie beflügelt. Negativ natürlich und in verschiedenerlei Hinsicht. Seitdem die meisten Krebsarten nicht mehr automatisch das Todesurteil bedeuten und AIDS sich gut mit Medikamentencocktails bekämpfen lässt, haben tödlich Nervenkrankheiten die Rolle des ultimativen Angstgegners übernommen. […] Vor allem, dass die eigenen Gliedmaßen eine nach der anderen gelähmt werden, bis man nur noch die Augen bewegen kann, grenzt an puren Horror.“

Wie gegen den „puren Horror“ angehen? Steinz will, neben Aktivitäten mit der Familie und der Fortführung seiner gewohnten Arbeit (so lange wie möglich), noch einmal viele seiner Lieblingswerke und Lebensbücher lesen. Auch wenn sich diese Lektüreliste an seinen Vorlieben orientiert, haben die Bücher öfters einen Bezug zu seinem momentanen Krankheitsverlauf, seinen neusten Erfahrungen mit der Behandlung, den Einschränkungen. So ist das Kapitel über Kafka, das die Erzählung Der Hungerkünstler zum Thema hat, verknüpft mit seinem erzwungenen Hungern (da die Schluckmuskeln ebenfalls abgebaut werden), eine Ausführung zu Rabelais großem Roman Gargantua und Pantagruel beschäftigt sich ebenfalls mit der Üppigkeit und den Ausschweifungen der Genüsse, die nicht mehr möglich sind, in einem anderen Text wirft er Dickens spaßeshalber vor, dass er viele Berufsklassen durch Figuren portraitiert (und persifliert) hat, aber keine Ärzte.

Meist ist eine Figur aus den Texten oder ihre generelle Botschaft, denen sich Steinz verbunden fühlt und die er ins Zentrum stellt. Als er eine Zeit im Krankenhaus verbringt, in dem er zwar nicht sterben wird, aber wo letztlich Eingriffe und Therapien durchgeführt werden, die sein Leben nur unwesentlich verlängern, muss er an Hans Castorp aus Thomas Manns Zauberberg denken. Er kam eigentlich nur ins Krankenhaus für einen kurzen Aufenthalt, um eine Magensonde legen zu lassen, musste dann aber wegen zahlreicher Komplikationen drei Wochen bleiben; Castorp will nur einen Freund besuchen und bleibt dann sieben Jahre in der Lungenheilanstalt – Jahre, die ihn prägen. Steinz betont vor allem die Unterschiede zwischen seiner Lage und der von Castorp, aber am Ende weiß er doch, warum er sich an Manns Bildungskind erinnert fühlt:

„Nein, das Krankenhaus ist kein Zauberberg. Dennoch sehe ich eine wesentliche Gemeinsamkeit zwischen meinem Werdegang und der Hauptperson Manns. Nachdem Hans Castorp nach sieben Jahren endlich perfekt gebildet vom Berg hinabsteigt, spaziert er geradewegs in die Schützengräben des ersten Weltkriegs. All die Jahre der Sorge und Bildung sind umsonst gewesen. Wenn ich nach all den sündhaft teuren Operationen, den hundert Arten von Medikamenten und den Wochen liebevoller Pflege und Betreuung die Intensivstation verlasse, habe ich noch immer ALS, und ein langes Leben wird mir nicht vergönnt sein. Es ist ein Stück Ironie, für das sich Thomas Mann nicht geschämt haben würde.“

Also doch die Aussichtslosigkeit? Eben das ist so beeindruckend (und doch tief authentisch) an dem Buch: jeder weitere Text versucht wiederum (was einige Wiederholungen bedingt) mit der Lage umzugehen, kann wiederum nicht leugnen, dass es sich bei den Schilderungen und Erzählungen eben um eine Chronik des Verfalls handelt, egal, was man diesem Verfall noch abtrotzen kann. Steinz bietet alles dagegen auf: Genüsse, Gedanken, Erkenntnisse und Erinnerungen. Und dass diesen Dingen nur ein zeitweiliger Sieg eingeräumt werden kann, ist stets klar.

Dieses Denken, Leben, Erfassen im Angesicht eines nahenden Todes ist ganz klar eine Ausnahmesituation und doch ein Sinnbild für die verwirrende Verquickung von „carpe diem“ und „c’est la vie“, die in jeder Existenz am Werk ist; voller Momente, die schön sind und in ihrer Schönheit schon wieder grausam, schon wieder aufgeladen, schon wieder unerreichbar.

„Eine der schönsten Erfahrungen des zurückliegenden Jahres, seit dem Moment, als bekannt wurde, dass ich an ALS leide, war der Strom an Briefen und E-Mails, die ich von Bekannten und Unbekannten bekam. Jeder versuchte, Trost zu spenden, und sehr oft bestand dieser Trost in einer Erinnerung an etwas Kleines, mit dem ich das Leben des anderen ein wenig verändert hätte: eine helfende Hand, die ich gereicht, ein Seminar, das ich gegeben, ein Praktikum, das ich ernsthaft betreut, einen Artikel, den ich in der Zeitung veröffentlicht, oder einen Scherz, den ich gemacht hatte.“

Gedichte und Romane, Klassiker von Dumas und Orwell, Sagen und Märchen, unbekanntere niederländische Klassiker, aus ihnen allen zieht Steinz Trost und kann in ihnen kleine Bastionen für seine Lebensfrohsinn aufbauen, mit denen er sich gegen seine täglichen Sorgen und Nöte rüstet. Sie begleiten ihn auf einem Weg, den er nicht gehen wollte, aber nun entschieden geht. In einem der besten Kapitel begegnet er einem Leidensverwandten, dem Philosophen Boethius, der, zum Tode verurteilt, sein Schicksal in seinem Werk Trost der Philosophie (geschrieben in der Haft vor der Vollstreckung) zu verstehen suchte. Steinz destilliert die Weisheit dieses Werkes auf seine Weise:

„Alle Menschen stecken in ihrem großen Rad, sind einmal oben und dann wieder unten. Das einzige, worauf Fortuna keinen Einfluss hat, ist der eigene Geist und die eigene Güte – sie müssen ausreichen, um einen durchs Leben zu bringen.“

Solche feinen Hoffnungen inmitten des groben Lebens, von Literatur gewoben, machen neben den Schilderungen des Krankheitsverlaufes – erschütternd und doch schlicht, manchmal fast unverfänglich dargelegt – den Inhalt dieses Werkes aus.
Dass Literatur nicht nur Bewältigung ist, sondern in ihr die tiefe Hoffnung schlummert, dass sich Menschen mit Geschichten und Gedanken auch über Generationen hinweg beistehen können, ist seine Botschaft, seine Idee. Und die Plätze auf der Liste der Dinge, die noch zu tun bleiben, wenn das Leben zu Ende geht, sind an so manches Buch nicht verschwendet.

„Sozusagen als Droste-Effekt sollte auf der Bucketlist eines jeden auf alle Fälle High Fidelty stehen, denn der zwanzig Jahre alte Roman von Nick Hornby ist zweifellos das schönste Buch über Listen, das jemals geschrieben worden ist. […] Listen anzulegen heißt leben – Nick Hornby wird mir aus ganzem Herzen zustimmen.“

Die Offenheit, mit der Steinz in diesem Werk von sich und seinen Leiden, aber eben auch von seinen Empfindungen und Eindrücken, bei der Lektüre und in anderen Moment, berichtet, hat mich tief bewegt. Es ist keine sich zur Schau stellende Offenheit und auch keine rein dokumentarische. Es ist eine Offenheit, die noch vieles vermitteln will und sich deswegen öffnet. Dankbares und Erfreuliches (das man sich als Leser*in, wenn man sich in die Krankheit und ihre Erscheinung hineinversetzt, kaum noch vorstellen kann) wird eben so wenig verschwiegen wie die zahllosen Rückschläge und Einschnitte; auch die seltsamen Heilsversprechen nicht, die Steinz erreichen, der teilweise problematische Umgang der Ärzte und anderer offizieller Stellen mit seiner Krankheit. Als sein Verfall keinen ganz so raschen Fortgang zeigt, wie prognostiziert, schreibt Steinz:

„Unbewusst schämt man sich ein bisschen, dass man nach einem halben Jahr, dann nach einem Jahr, und schließlich nach anderthalb Jahren noch immer nicht tot ist.“

und als er von anderen darauf angesprochen wird, dass es bewundernswert ist, dass er sich nicht beklagt, obwohl er sich der Hoffnungslosigkeit seiner Lage bewusst ist, setzt er sich wiederum durch die Literatur – genauer mit Edgar Allan Poe, der fürchtete lebendig begraben zu werden und oft in dieser Angst schwelgte wie in einer Hoffnungslosigkeit – mit diesen Aussagen auseinander und resümiert:

„Selbstmitleid ist ebenso wie die Todesangst kontraproduktiv und reine Zeitverschwendung – und damit eigentlich ein vorzeitiges Begräbnis.“

Nun habe ich viel über dieses Buch geschrieben und ich weiß, es ist eigentlich noch immer nicht genug. Dieses Buch ist etwas Besonderes, in all seiner Einfachheit, seinen Wiederholungen und seiner Schmerzlichkeit; und nicht nur, weil es das Vermächtnis eines belesenen Geistes ist, der viele Sympathien in einem weckt, durch die Art wie er mit der Welt umgeht.

Steinz starb 2016. Die Hoffnung, das Versprechen, die Kunst, die Stärke, die Macht, die Idee der Literatur werden durch sein Schreiben, seine Auseinandersetzung, an verschiedensten Stellen offengelegt. Zwar ist die Literatur nicht der Protagonist von Der Sinn des Lesens – diesen Platz nimmt die Krankheit ein. Aber die Literatur ist der Sidekick, ist die liebenswerteste Nebenfigur, die im richtigen Moment genau das Richtige sagt, die in all ihrer Bescheidenheit ihren Beitrag leistet. Wie jener Schwertmeister in Game of Thrones, der Aria Stark die Flucht vor der kaiserlichen Garde ermöglicht und sie jenen Spruch lehrt, den sie von da an beherzigen wird und den auch Steinz während seiner Krankheit zu schätzen lernt:

„Mein Bestreben ist es, meine Augen zufrieden zu schließen […] bis dahin hole ich aus dem Leben heraus, was herauszuholen ist, und behalte dabei den knappen Dialog im Hinterkopf, den ich kurz nach meiner Diagnose mit meinem siebenjährigen Neffen geführt habe.
-Du stirbst, nicht wahr?-, fragte er und sah von seinem iPad hoch, auf dem er ein Spiel spielte, in dem es um einen Affen ging, der mehrere Leben hat.
-Ja-, sagte ich.
-Aber nicht heute-, sagte er beschwörend, als hätte er Angst, dass ich auf der Stelle das eine Level gegen das andere eintauschen würde.
-Nein, heute nicht.-“

Kleine Freude über die unendliche Geschichte


Wer hat nicht schon einmal von einer ‘unendlichen Geschichte’ geträumt, von Geschichten die nach dem Happy End noch weitergehen oder einfach Geschichten die nie enden. Für Bastian Balthasar Bux, geht dieser Traum in Erfüllung. In einer Bücherei findet er ein Buch, das tatsächlich eine unendliche Geschichte verspricht.

Was das bedeutet erfährt Bastian als er, nachdem er den ersten Teil der Geschichte, die von der Reise des Jungen Atreju handelt, gelesen hat, selbst in das Buch hineingezogen wird und selbst in Phantasien landet. Von da an zieht er durch das beinahe unendlich große Land voll wundersamer Ideen in Gestalt von Wesen und Dingen und besteht eine große Menge an Abenteuern. Durch ein Amulett, das ihm von der Herrscherin gegeben wurde, erfüllen sich Bastians sämtliche Wünsche und er geht bald geradezu rücksichtslos damit um.

Obwohl Michael Ende seine ‘Ode auf/an die Fantasie’ für Kinder geschrieben hatte, war es auch bei Erwachsenen ein Erfolg. Kein Wunder, denn Ende schafft es in seinem Buch verschiedene Elemente zu vereinen, mit Formen, Farben und Ideen zu jonglieren. So ist das Ganze Buch eine wunderlich schöne Metamorphose aus Märchen, Fabel, Parabeln und Abenteuerroman, eine Geschichte mit wunderbaren Passagen, die den Leser immer wieder unter der Hand mit kritischen Problemen konfrontiert, oder ihm zumindest kleine Anekdoten und Geschichten in der Geschichte erzählt, die einen zum Nachdenken bringen.

Das Großartigste an diesem Buch ist und bleibt trotzdem seine riesengroße Vielfalt. Ende ersinnt Figuren und Orte wie kein zweiter es je gekonnt hätte. Es sinnt Personen und Geschichten von denen man weiß, dass man einige von ihnen nie vergessen wird da ihnen ein ganz eigener Zauber anhaftet. Fuchur der Glücksdrache, der blinde Mann, der nach vergessenen Träumen schürft und die drei Weisen von der Sternenwarte, um nur einige zu nennen und es gibt noch so viele mehr. Das Buch ist und bleibt eines der innovativesten und schönsten Geschenke, die eine Geschichte uns machen kann. Vergesst sie nicht, sonst ist Phantasien verloren und jeder der das Buch gelesen hat weiß, dass Phantasien es wert ist, gerettet zu werden.

All you can read


Vorweg: Wer ein Buch sucht, das tippsicher seine Bücherschränke und seinen Horizont in Sachen Büchern erweitert, ist hier sicher eher fehl am Platze – wer ein Buch sucht, dass die Lust (und teilweise auch den Frust) am Lesen wunderbar unversnobt zelebriert und dabei mit allerlei Komik, Selbstironie und Erzählgeist punkten kann, dem wird dieses Buch eine kurze Freude zwischendurch bescheren.

Man kann sich einen Schriftsteller wie Nick Hornby schwerlich dabei vorstellen, wie er sachliche, ernste Prosa schreibt und ein Buch mit den klassischen Maßstäben der Erörterung oder des Essays bespricht, Pros und Contras aufeinanderprallen lässt und abschließend eine Empfehlung oder eine Literaturverortung nach Art von 1-5 Sterne vornimmt. Und Gott sei Dank hat er das auch nicht getan.

Stattdessen bespricht er in 14 Kolumnen (aus der Zeit vom Februar 2005 bis zum Juli 2006, veröffentlicht in der der Zeitschrift “Believer” – die Reihe erscheint seit September 2003 bis heute – Link http://www.believermag.com/contributors/?read=hornby,+nick) Bücher, die er in den Monaten davor gelesen und gibt an, welche er gekauft hat. Jedem 7-8seitigen Text ist eine Liste der gekauften und der gelesenen Bücher vorangestellt.

Hauptsächlich handelt es sich dabei um Romane und Hornby schafft es dieses Genre immer wieder mit einer unproblematischen Eleganz zu umgeben und uns mehr als eines dieser Bücher auf Umwegen ans Herz zu legen.
Aber auch Briefsammlungen, Lyrik, Biographien, Sachbücher kommen am Rande vor, wobei alle diese Bücher von Hornby als Einzel-/Sonderfälle behandelt werden.

Wenn jemand über Bücher schreibt, kommt es oft nicht darauf an, ob er die Bücher durch und durch verstanden hat und sie uns jetzt erklären kann (das ist eine ganz andere Baustelle), sondern ob er uns ihre Vorzüge, ihre Schönheit und ihre Einzigartig nahebringen kann und sehen lässt. Ein Buch kann nun mal nie durch einen anderen Text aus zweiter Hand ersetzt werden, deshalb muss ein guter Rezensent Appetit machen und Menüs und Speisen empfehlen, wenn er denn Hunger auch nicht stillen kann.

Hornby tut das, mit schräger, beinahe mutwilliger Eigensinnigkeit und dabei sehr erfolgreich. Letztendlich kann man das Buch auch lesen, ohne sich auch nur einen der Buchtipps zu merken, denn es ist wirklich amüsant geschrieben und mit vielen Ansichten und Einsichten, die das Leserlebnis allein schon rechtfertigen würden – und einer kleinen Prise literarischer Anarchie.

Kleine Empfehlung zu Iso Camartin: “Die Bibliothek von Pila”


“Es kommt vor, dass der Ort, an dem du dich befindest, und die Zeit, die du lesend verbringst, dir auf einmal abhanden kommen. Dein Körper fühlt plötzlich nicht mehr, dass der Ellbogen sich am Holztisch abstützt. Die Maserungen an der gegenüberliegenden Wand, ansonsten ein für die Augen wundersames Labyrinth, in dem sich leicht verfangen, lösen sich auf, sind wie ausgewischt. Der unbequeme Stuhl, die Schuhe an den Füßen, der Pullover um die Schultern, alles ist fortgeweht. […] Lesend verlierst du deine unmittelbare Lebenswelt, um in eine andere einzudringen. Vom fliegenden Teppich der Erzählung mitgetragen, bist du auf einmal in…”

Die Klassiker der Literatur sind dies nicht allein geworden, weil sie innovativ waren oder gegen die Zeit standen. Nein, Klassiker sind sie meist, weil sie in ihrem Thema derart präzise und in ihrem Wesen trotzdem derart unerschöpflich sind, sodass sich in der Geschichte ihrer Lektüre nie ein Ende abzuzeichnen beginnt, weil keine Generation sie vollständig erledigen kann (andere Bücher werden dagegen schon am ersten Veröffentlichungstag auf irgendeiner Zeitungsseite erledigt.)

“Lesen gilt als einsames Geschäft. Doch kaum steigt man in ein Buch ein wird man zum Komplizen fremder Geschichten. Zuerst fühlt man sich als der Angesprochene, dann als der Mitbetroffene, schließlich wird man so sehr zu einem Teil der erzählten Geschichte, dass man eingreifen möchte. So ist Lesen eine Tätigkeit, die leise und sacht aus der eigenen Einsamkeit in die fremde Gesellschaft hineinführt.”

Lesen ist vor allem ein Wunder in zwei Teilen: Der Moment des Erlebens und der Moment des Wiedererlebens. Während der erste einem ganz allein gehört, kann der andere in allem erscheinen, einem Gespräch, einem Bild, einer Erinnerung, einem Traums, einem Idee, der ganzen Welt.

“Im Folgenden tue ich nichts anderes, als wozu Dante jeden Leser ermuntert:
Bleib sitzen, Leser, auf der Bank und denke,
was ich dir aufgegeben, nochmals durch,
damit du Freude hast, statt müd zu werden.
Ich hab dir vorgelegt, nun stärke dich allein.”

Das “Folgende” ist eine wunderbare Handreichung zu wunderbaren Büchern. In 12 vielschichtigen Essays erkundet Iso Camartin seine Lektüren, gelesen während seines Aufenthalts in der Stadt Pila. Fast alle sind sie “Klassiker”, Bücher voller Hochgenuss und Zauber. Ganz persönlich und doch wieder allumfassend führt er uns an diese bedeutenden Bücher heran und zeigt uns ihren Witz, ihre Magie und die ihnen innewohnende Glückseligkeit.

“Klassiker sind Bücher der fernen und nahen Vergangenheit, deren Geheimnisse noch nicht ausgeplaudert sind. […] Es sind Bücher zu denen der Leser im Verlauf seines Lebens zurückkehrt, weil etwas, das er meistens selbst nur schlecht begreift, ihn wieder in sie hineinruft.”

Die Bibliothek von Pila ist ein heimisches Buch, ein Buch, das einen gelehrten oder freudigen Leser in sich selbst und seine Lieblingswerke zurückversetzt. Es ist zwar ein wenig intellektuell und wort- und stilgewandt, doch kommt es dabei (meistens) ohne große Psychologie oder akademische Ausflüchte aus. Die meisten Texte sind Essays, die sich an das wahre Credo ihrer Gattung halten: Erzähle und Beschreibe gleichermaßen, sei in deiner Form möglichst frei, sodass sich auch der Leser frei fühlt, und liefere viele Anregungen. Was diese Texte vorführen, sind, könnte man sagen, die kolorierten Landkarten der Bücher, die sie zum Thema haben.

“Es gibt Bücher, bei denen du es nicht verhindern kannst, mit in eine Affäre hineingezogen zu werden. Sie setzen dich an einem Ort ab, wo du niemals ohne sie hingelangt wärst. Und bald einmal begreifst du: Die glücklichen und schönen Einsätze deines Lebens verdankst du den Figuren deiner Lieblingsbücher”

Ich empfehle dieses Buch jedem, der noch einmal in der Welt träumen will, die er sich einst erlas oder die er in ihrer Vielfalt erst an der Hand eines begeisterten Lesers erkunden will – und auch allen Lesern, die gerne Bücher und Autoren, an die sie sich wegen ihres Rufs und ihrem Status als Klassiker bisher nicht gewagt haben, für sich entdecken möchten.

“Nur ein Bruchteil der Menschen braucht Bücher um erträglich zu leben. Wer Bücher als wichtigste Wegzehrung seiner Lebensreise ansieht, wird nur schwer begreifen, wie es ohne sie gehen könnte. […] Die Bibliothek von Pila ist jenes minimale Buchgepäck, mit dem einer sich auf eine Reise machen könnte, von der er nicht weiß, ob er je zurückkehren will.”

Inhalt:

1. Der Lebensbaum (Die Bibel)

Zitat: “Jeder kann die trockenen Belehrungen der Schule und die lästigen Verkürzungen des Religionsunterrichts heil überstehen, der die Bibel als einen riesigen Wörterbaum ansieht, unter den man sich legt, um tausend Zweige und Triebe bei ihrem Wachstum und ihrem Wildwuchs zu verfolgen. […] Auf jedem Ast, in jedem Zweig schimmert etwas im Licht der eigenen Neugierde.”
2. Die Weisheit und das Lächeln (Dante)

Zitat: “Kann dem Leser von Dante verborgen bleiben, wie häufig in der Commedia gelächelt wird?”
3. Eine Geschichte über Laura (Petraca)
4. Zwiegespräch (Denis Diderot)
5. Gefragt ist Charakter (Nikolai Gogol)
6. Die wahre Herzenskunde (Flaubert)

Zitat: “Wenn es in der Literatur irgendwo erfahrbar ist, was Stilsicherheit inmitten von Lachen und Weinen bedeutet, dann in dieser kurzen Erzählung (“Ein schlichtes Herz” – siehe: Drei Erzählungen) von Flaubert. […] Nie hat einer gleichzeitig so warmherzig geschrieben über die Kreatur und so blasphemisch über das, was wir aus ihr machen.”
7. Eine Dame und ein Frauenzimmer dazu (Theodor Fontane)
8. Die Augenlehre der Madame Chauchat (Thomas Mann)
9. Josefine oder der Freiraum einer Närrin (Franz Kafka)
10. Labil (Virginia Woolf)
11. DIe Einsamkeit des Arciprete don Trajella (Carlo Levi)
12. Kollege Pnin und die Konspiration (Nabokov)

Link zum Buch

*diese Rezension ist bereits in Teilen auf Amazon.de erschienen.