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Friedrich Christian Delius, “Die Flatterzunge” und der lange Schatten von AH


Ein Mann, der im Orchester die Posaune spielt, ein Polsterzungeninstrument, riskiert eine dicke Lippe: in Israel unterschreibt er die Getränkequittung im Hotel mit dem schändlichsten aller deutschen Namen. Es folgt ein flotter Rauswurf und die gesellschaftliche Ächtung.
Wie noch irgendwie ankommen gegen das Todschlagargument seiner Tat? Kann es da noch Erklärungen und Entschuldigungen geben? Und wieso wird er so scharf verurteilt, wo er doch nur eine simple Dummheit begangen hat, statt Panzer an den Iran oder Saudi-Arabien zu liefern?

Sich mit der Relevanz von gesellschaftlichen und politischen Erscheinungen, mit Positionen und Debatten auseinanderzusetzen und die Instanzen der modernen Realität, vor allem der deutschen, zu hinterfragen, ist das große Thema im Werk des deutschen Schriftstellers Friedrich Christian Delius, ein Thema, um dass er sich bereits sehr verdient gemacht hat. Mit dem Blick auf das Aktuelle wie auch das Historische – zwei Elemente, die in seinen Büchern meist gekonnt zusammenfallen – verzeichnet er die Grundlinien in der Architektur des deutschen Selbstverständnisses, leuchtet aber auch die Ecken aus, in die dieses Selbstverständnis gerade nicht dringt.

In “Die Flatterzunge” stellt uns Delius einen durch die Verhältnisse veruteilten vor, einen Buhmann. Eine interessante Entscheidung ist es, dass er das Hauptaugenmerk der Handlung dabei nicht so sehr auf die mediale Ausschlachtung des Fehltrittes legt, sondern stattdessen in tagebuchartigen Skizzen des Protagonisten die persönliche Seite der Geschichte erzählt. Hannes, der Durchschnittsmensch und Musikversessene, wirkt dabei weder besonders souverän, noch besonders engstirnig; Delius gelingt eine sehr authentische Gestalt, die weder zu einer Zerrbild noch zu einem Symbol für das selbstbestimmte Individuum verkommt, sondern ebenso reflektiert wie uneinsichtig mit seinem Schicksal hauszuhalten versucht und sowohl in die Gründe seiner eigenen Geschichte und Seele hinabsteigt als auch an der Oberfläche der heuchlerisch-gesellschaftlichen Kehrseite kratzt.

Wo muss man ein Bewusstsein für Geschichte und Bedeutungen haben und wo nicht? Wofür darf man Menschen verdammen und was ist erlaubt, was ist zu Unrecht eine Tabu und was zu Recht? Fragen, die aus den Kreuzungen der Gedanken entstehen, die der Protagonist wie kopflos und doch sehr klar in seinen Stimmungsbildern und Rechtfertigungsansätzen niederschreibt. “Die Flatterzunge” ist letztlich nur eine sehr schmale Auseinandersetzung mit der Schwierigkeit des Dritte-Reich-Erbes. Aber die direkte, unsouveräne Gangart des Buches macht es wieder zu einer Erfahrung, die die Wichtigkeit des Themas unterstreicht.

Ein Meisterwerk: Orwells Farm der Tiere


Als George Orwell “Animal Farm” schrieb, war es bereits sein vorletztes Buch (sein letztes sollte “1984” werden, kurz darauf starb er). Der Großteil seines Werkes war bereits, nahezu unbemerkt, erschienen, darunter dokumentarische und hellsichtige Werke wie “Mein Katalonien”. Orwell hatte als Obdachloser gelebt, war in Burma stationiert gewesen, hatte im spanischen Bürgerkrieg gekämpft und viele Artikel und Pamphlete verfasst. Überall prangerte er soziale Missstände an und verwies, wo es ging, auf die Leistungen der schwerarbeitenden Klassen der Gesellschaft. Als ein bekennender Sozialist und Humanist interessierte ihn vor allem die existenzielle Dimension des Daseins und er sah im Kapitalismus die große Problematik für die Gerechtigkeit in der Gesellschaft.

1946 erschien in der vierten Ausgabe der Zeitschrift Gangrel ein kurzer Artikel von ihm, mit dem Titel: “Warum ich schreibe”. (Auch enthalten in der Sammlung “Im Bauch des Wals”). Unter anderem schreibt er dort: “Farm der Tiere war das erste Buch, bei dem ich in vollem Bewusstsein dessen, was ich tat, versuchte, das Politische und das Künstlerische zu einem Ganzen zu verschmelzen.”

Und in der Tat ist Farm der Tiere eines der wenigen gelungen Beispiele für eine Verschmelzung von Kunstwerk und Kritik, von Parabel und Erzählung, von Engagement und Fantasie. Verschmelzung im wahrsten Sinne des Wortes, denn hier wird subtil und nachvollziehbar, in Etappen und doch im Ganzen, die Korrumpierbarkeit von Macht dargestellt und gleichzeitig ein wunderbares Märchen erzählt, so einfach und phantastisch und brutal, das es wahrhaftig als Chiffre dienen, aber auch als Lehrstück für Kinder gelesen werden kann.

Natürlich weiß nahezu jeder, worum es in Animal Farm geht und was abgebildet werden soll. Aber das kann man ganz beiseitelassen und es dann selbst erfahren, wenn man dieses wunderbare Buch liest. Es ist eine Lektüre, die einer großen Offenbarung gleicht und doch auch ein Genuss ist. Es gibt unvergleichliche und unvergessliche Figuren, es gibt Seitenhiebe und eine Komik, die so stark herauskommt und so tief trifft, dass man sich wundert, über die Kraft der Erzählung, über ihre starke Verbindung zum realen Vorbild.

Fakt ist, dass Animal Farm eines der wenigen vollkommenen Bücher ist, die ich in meinem Leben gelesen habe. Ja, das mag übertrieben klingen, aber ich bin jederzeit bereit, diese Übertreibung zu verteidigen, zu wiederholen. Hier ist eine kleine, aber umfassende, in jeder Faser gelungene Erzählung entstanden, die so viele Sinnbilder enthält, die uns zur Reflektion und zum Nachdenken zwingen und uns gleichsam tiefer in die Geschichte ziehen, beides zu gleichen Teilen. Ein (man kann es wagen, es zu sagen) Meisterwerk. Ein Buch, das jeder einmal gelesen haben sollte.

Zu Paul Austers “Im Land der letzten Dinge”


Rezension zu Paul Austers “Im Land der letzten Dinge”

“Some say the world will end in fire,
Some say in ice.
From what I’ve tasted of desire
I hold with those who favor fire.
But if it had to perish twice,
I think I know enough of hate
To say that for destruction ice
Is also great
And would suffice.”
Robert Frost

Dystopien sind, obgleich in der erzählenden Literatur keine völlig unbekannte Größe, nach wie vor eine seltene Erscheinung – wenn man davon absieht, dass große Teile der in Werken des Sci-Fi-Genres geschilderten Zustände als Dystopie durchgehen können, je nachdem, wie man sie auslegt, einfach, weil ein Blick in die Zukunft, der nicht konsequent utopisch ist, auch immer besorgniserregende Entwicklungen und daraus resultierende Effekte, die von Ansätzen unserer heutigen Zeit ausgehen, mit einbeziehen muss. Furcht und Argwohn sind die mächtigsten Triebfedern, die uns in ferne Zukünfte (vor allem abseits unserer eigenen Lebensspanne, mit Blick auf das Schicksal der Menschheit insgesamt) blicken lassen.

Ist eine Dystopie also konsequent eine Warnung, da sie, ganz gleich ob sie als Ich-Geschichte erzählt werden vermag, stets eine Geschichte von uns allen ist, die wir die Dystopie, die der Autor der Geschichte entwirft, nicht verhindert haben? Kann ein Roman über solch ein Thema überhaupt etwas anderes sein, als eine Betrachtung bereits vorhandener/aufkommender gefährlicher Aspekte, Ansätze und Probleme, mit den Mitteln der Vorausschau in ihren Ausformungen verdeutlicht? Ja, denn mit “Im Land der letzten Dinge” hat Paul Auster, wie schon Albert Camus mit “Der Pest” (diese Bücher gleichen sich zwar nicht in festzumachenden Punkten, aber ihre Idee, die existenzialistische und schlichte Form, ist durchaus verwandt) ein Beispiel für eine andere Art von dystopischer Erzählung vorgelegt: plastisch und sehr menschlich, in Verlorenheit noch von Gefühlen sprechend und meist näher an der Wirklichkeit des Menschen als an der Wirklichkeit der dystopischen Welt: Paul Auster ist in diesem Werk nicht mehr und nicht weniger als ein spannender Roman über die conditio humana in einer endzeitlichen Welt gelungen.

Man darf sich dieses Buch gar nicht so sehr metaphorisch, sondern als sehr greifbar vorstellen. Eine Theorie oder Botschaft mithilfe eines Romanhelden, der in die ungeheuerlichen Systeme eines dystopischen Staates oder einer solchen Welt gerät, zu forcieren ist die eine Sache, aber das ist nicht Austers Anliegen. Er geht in seinem Buch über den Rahmen hinaus, nutzt seine Imagination des Landes der letzten Dinge nicht, um eine Parabel oder eine Warnung zu präsentieren. Ihn interessieren schlicht die Folgen, eine vielfältige Idee des Überlebens in so einer Welt – ja, ihn interessiert die Frage nach Überleben/Existieren überhaupt. Was brauchen wir zum Leben? Liebe, Besitz, ein Ziel, Hoffnung, eine Arbeit, Ordnung, Sicherheit? Alle diese Aspekte werden während des Romans einmal auftauchen, sind aber in die Geschichte der Überlebenden, die einen Brief (pro forma, eigentlich ist es kein Brief, weil sie ihn nicht abschicken kann) an einen Freund in Europa schreibt (die dystopische Region/Stadt liegt in Amerika), eingewoben, werden von ihr gelebt und nicht schematisch angebracht.

“Manchmal denke ich, wenn es die Dunkelheit nicht gäbe und die seltsamen Nächte, die sich über uns senken, würde der Himmel ausbrennen. Die Tage enden zwangsläufig genau dann, wenn die Sonne die von ihr beschienen Dinge ausgelaugt zu haben scheint. Nichts wäre der Helligkeit mehr gewachsen. Die ganze unglaubhafte Welt schmölze weg, und damit hätte es sich.“

Desto barer die Existenz, umso mehr treten wesentliche Züge des Menschen, im Miteinander und allein, hervor. Natürlich Misstrauen, Zorn und Überlebenswille, aber, und das schildert Auster schlicht und doch wahrhaftig, auch Emotionen wie Liebe, das Staunen über Umgebung, Naturschauspiele und die erhöhte Wahrnehmung für die Geschehnisse. Es gibt keine Ablenkungen mehr, weder Fernsehen, noch Unterhaltungsshows – selbst das Schreiben eines Buches wird zur reinen Existenzverdeutlichung, ebenso wie der Beischlaf. Diese Details fängt Auster ein. Überhaupt ist er beim Beschreiben seiner Welt sehr auf einen Ausgleich zwischen Erlebnis und Information bedacht, was wiederum die Ich-Erzählerin glaubwürdiger macht, da beide Beweggründe ihrer Niederschrift dadurch hervortreten: Bericht/Dokumentation einerseits und das persönliche Ausdrucks-/Mitteilungsbedürfnis andererseits.

“Was mir merkwürdig vorkommt ist nicht, dass alles in die Brüche geht, sondern dass so vieles sich erhält. […] Vielleicht ist das die interessanteste Frage von allen: was geschieht, wenn nichts mehr da ist, und ob wir auch das überleben oder nicht.”

Austers Buch ist teilweise unentschlossen, in vielen Passagen sehr einfach, nie übermäßig soghaft oder spannend, aber gerade deswegen unerhört glaubwürdig. Es ist immer gefährlich, einen Ich-Erzähler sprechen zu lassen und ebenfalls nicht unbedenklich, dem ganzen Buch die Form eines Briefes zu geben. Doch während Auster sich von letzterer Eingrenzung nichts diktieren lässt, hat er die Problematik des Ich-Erzählers mit seiner nahen und uncharakterisierten Erzählweise in Luft aufgelöst. Wir sind stets im Geschehen, wir sehen diese Welt mit den Augen der Erzählerin. Da ist kein auffälliger Komponist im Hintergrund, der unsere Blicke auf die wesentlichen Konflikte und Problematiken lenkt – sowohl wichtiges, als auch scheinbar unwichtiges wird berichtet, betrachtet, erwähnt und skizziert, im Gefühl, in der Wahrnehmung der Protagonistin. Wir lernen, was es heißt, in ihrer Welt zu leben, die Fragen dieser Welt zu stellen, die Mechanismen dieser Welt (am eigenen Leib) zu erfahren, die Emotionen dieser Welt zu spüren, ihre Wirklichkeit zu ahnen. Das ist sicherlich nicht die ultimative Auslegung eines dystopischen Romans – aber in jedem Fall ist es ein kleines Meisterwerk erzählerischer Tradition, das ich nur empfehlen kann.

Zu Amelie Nothomb und zu ihrem Buch “Quecksilber”


Amelie Nothomb, schreibwütig, diabolisch, ironisch, gehört zu den spektakulärsten Schriftstellern der 90er Jahre und des neuen Jahrtausends. Ihre zahlreichen, meist kurzen Bücher, teilen sich in zwei verschiedene Werkgruppen auf, die ihr vielfältiges Ceuvre im Kern bestimmen.

Das erste sind die autobiographischen Bücher, darunter das bekannte Buch Mit Staunen und Zittern, sowie das geniale Buch Biographie des Hungers und ähnliche. Sie stützen sich oft auf Nothombs Erlebnisse in Japan oder drehen sich um ihre Kindheit als Diplomatenkind und Weltreisende.

Was an diesen Büchern auffällt ist die Virtuosität der Bezüge (literarische, blumige, manchmal auch exzentrische Vergleiche; Metaphern und Bilder, die ihre eigene spontane Schönheit und Genialität besitzen), eine überbordende Dynamik mit Esprit und das unterschwellige Gefühl, eine reale Geschichte durch einen Schleier von kindlichem bis phantastischem Hang geschildert zu bekommen; eine zwischen Naivität und Genialität pendelnde Art, die Dinge in Sprache anzubringen und sich vorzustellen; vielleicht einfach im Bestreben, das Besondere im Leben selbst zu sehen.

Die Fröhlichkeit und Leichtigkeit dieser Bücher, ihre pointenhaltige Gewandtheit und ihr Tempo, schaffen es,  Knappheit und Kürze der Bände aufzuheben und quasi ins Gegenteil zu verkehren, ja sogar folgerichtig erscheinen zu lassen, als wäre alles aus dem mythischen Stoff der Erinnerung selbst gewebt, der sich nicht in eine grauere, bescheidenere Version der Schilderung ummünzen lässt.

All diese Eigenschaften der autobiographischen Werke teilweise in einem großen Gegensatz zu dem zweiten Bereich ihres Werks, den rein fiktionalen Texten und Geschichten. Deren düsteren Szenarien, die Dialoglastigkeit und ein geradezu halsbrecherischer Hang zu provozieren, zu verdrehen und zu plakatieren, lassen selbst bei einer intensiven Lektüre eine merkwürdige Ungewissheit zurück. Die meisten dieser Bücher sind experimentelle, fast schon nicht mehr realistische, parabelartige Erzählungen von Menschen in außergewöhnlichen Lebens- und Existenzsituationen; oft spielt Reflexion und Außenseitertum eine Rolle, das Bewahren von Schönheit, Unschuld oder Kindheit, das Aussperren der Welt. Oft aber auch die Reflektion der menschlichen Hybris (und auch seiner Antihybris).
Bei den meisten dieser fiktionalen Werke fällt auf, dass ihre Plots zwar einer gewissen Faszination nicht entbehren und ihre Idee einiges an Potential birgt, sie aber meist weder vollends ausgereizt werden(als Ausnahme darf hier der Erstling Die Reinheit des Mörders gelten) noch in ihren fiktionalen Rahmen wirklich überzeugend sind (wenn man sie nicht als bloßes Spiel in Prosa, wie eine Art Märchen oder Geschichtchen, betrachtet). Man spürt, dass hier eine Autorin mit großem Sprachgefühl und Stil (denn das ist Amelie Nothomb ohne Frage) mit scheinbar drastischen Plots versucht ihre Schwächen in punkto Ausdauer, Langmut und Ausarbeitung einer definitiven und ausgefeilten Sotry zu kaschieren.

Nimmt man ihr das Übel? (Ich) Nicht wirklich, denn bei all dem kommen zwar keine wirklich guten Romane, aber interessante Gedankenspiele heraus, von denen einige vielleicht irgendwann sogar einen wegweisenden Status erhalten könnten. In Quecksilber zum Beispiel geht es zentral um den Konflikt zwischen Liebe und Anstand/Moral und um die Frage wie die beiden sich gegenseitig schaden oder beeinflussen. Zwar ist die Geschichte an sich nicht besonders ergiebig – die ihr innewohnende Problematik aber schon. Was macht Liebe aus? Ihre Grenzen oder ihre Bedingungslosigkeit? Ihr Ruf, ihr Name oder ihre Auswirkungen? Welche Seite hat in der Liebe welches Recht? Auch wenn diese Fragen in einer etwas simplen Story aufgezogen werden – so präzise und unbequem hat selten jemand die Fragen zu dieser – in der Literatur meist einseitig positionierten – Thematik gestellt, wie Amelie Nothomb in Quecksilber.

Kurz zum Inhalt:
Seit 5 Jahren wird Hazel von dem knapp 50 Jahre älteren ehemaligem Weltmeer-Kapitän Loncours auf einer winzigen Insel vor der frz. Küste behütet festgehalten. Im Haus gibt es keine Spiegel und auch keine Möglichkeit durch Wasser, Metall oder ähnliches eine Art der Spiegelung zu erzeugen. Denn Hazels Gesicht wurde bei einem Bombenangriff, bei dem auch ihre Eltern starben, grob entstellt und das Mädchen, das seine Hässlichkeit vor dem Rest der Welt verbergen will, hat sich bereits, geradezu dankbar, in ihr trauriges Dasein ergeben. Doch eines Tages wird sie krank und der Kapitän lässt schnell, da er seine “Ziehtochter” über alles und auf jede erdenkliche Weise liebt, eine Krankenschwester vom nahen Festland kommen. Francoise, die sich zu dem Job bereiterklärt, tritt als neuer Faktor in Hazels Leben – doch selbst Francoise ist sich nicht ganz sicher: Wird sie als Retterin empfangen, oder ist sie teil eines fragwürdigen Spiels, dass sich an diesem externen Platz der Welt völlig ungeniert abspielt…

Ich halte das Buch für lesenwert, allein schon aufgrund des gedanklichen Anreizes und der schnellen, unkomplizierten Lektüre; wer allerdings einen guten und kurzen Roman sucht, dem sei eher empfohlen nicht zu diesem Werk zu greifen, auch wenn es dem Augenschein nach ein Roman sein soll. Denn eigentlich ist es, um es noch mal zu betonen, ein Experiment, ein Spiel und wegen der vielen Dialoge sogar eigentlich mehr ein (Theater)Stück, denn eine Geschichte.

Ich empfehle des Weiteren noch einmal die autobiographischen Bücher, also die beiden oben genannten, aber auch Metaphysik der Röhren und Der japanische Verlobte. Deren verführerische und schöne Sprachartistik und Freudigkeit hat zumindest mir so manchen Lesegenuss beschert.

*diese Rezension ist in Teilen bereits auf Amazon.de erschienen.

Kleine Prosa-Ode auf Zweigs “Schachnovelle”


Jedes Buch kann eine neue Liebe sein, meist eine, die begeistert, aber bald an Intensität verliert und vergessen wird. Doch manche werden zu alten Lieben – es sind die ganz besonderen Bücher, die Schätze, die vielleicht nicht mal einen Ehrenplatz im Regal haben, aber die wir immer wiederfinden, die wir nicht weggeben, bei denen wir immer genau wissen, wo sie stehen. Für mich ist die Schachnovelle so eine seltene alte Liebe. Und obwohl mir das Schachspiel mehr Bewunderung und Faszination als spieltiefentechnisches Begreifen abgewinnt, oder vielleicht gerade deswegen, würde dieses Buch in der Liste meiner liebsten Werke jederzeit auftauchen. Es ist bemerkenswert, schön geschrieben und gleichsam fesselnd, so gekonnt und doch so malerisch einfach. Ein Buch, das man immer wieder lesen kann, wie sonst nur ein heißgeliebtes Gedicht.

Es können oft die letzten Erzählungen eines Schriftstellers sein, die die einfachste und doch wunderbarste Seite seiner Erzählkunst enthüllen. So bei Hemingway (Der alte Mann und das Meer), Kipling (Genau-so Geschichten) und auch in gewissem Sinne bei Kafka (Der Bau) oder Albert Camus (Das Exil und das Reich). So auch bei Stefan Zweig, der viele großartige Erzählungen geschrieben hat (und auch einige schöne Gedichte: siehe Silberne Saiten) die dennoch alle nicht die Schachnovelle erreichen, in ihrer Schlichtheit und Eleganz, ihrer Konsequenz und ihrer symbolischen Geschichte.

Ungern möchte ich hier zu viel von der Handlung dieses Buches vorwegnehmen. Denn ihre Einzigartigkeit liegt auch in der Beschaffenheit des Erlebnisses, das man hat, wenn man die Geschichte zum ersten Mal lesen darf. Es sei aber gesagt, dass Zweig auf höchste eigene, fast schon innovative Weise die Nazidiktatur in sein Buch mit einbindet; jedoch spielt sie nur am Rande spielt eine Gastrolle. Denn eigentlich geht es um Schach und um die Faszination und die ambivalente Anschauung zu diesem Spiel – ist es System, ist es Schulung, Instinkt oder Mathematik? Doch werden darüber keine Reden geschwungen und psychologischen Vorträge geschwungen – Zweig geht direkt auf das Thema zu und lehnt seine meisterhafte Studie zweier Charaktere und ihrer Lebensgeschichten, die am Ende beide Schach als wichtige Komponente innehatten, daran an. Ein kluges Setting ermöglicht es ihm dabei, diese zwei völlig verschiedenen Menschen einander gegenüberzustellen – eingebunden in eine Geschichte, die wahrlich unvergesslich und in sich selbst, in ihrer Idee schon klassisch ist.

Stefan Zweig hat einige Erzählungen verfasst, die in ihrer Psychologie und ihrer beinahe nachzuempfindenden Schilderung und Erzählweise, oft großen Eindruck beim Leser hinterlassen. So die Novelle mit dem bezeichnenden Titel Angst oder natürlich eine der besten Geschichten über die Schwelle zwischen Kindheit und Jugend, zwischen Unschuld und Unwissen, Brennendes Geheimnis. Doch obwohl diese Texte Erkenntnis- und Verständnisblitze durch die Adern des Lesers jagen, sind sie doch nichts im Vergleich zu den beiden unsterblichen Geschichten, die Zweig uns mit Brief einer Unbekannten und diesem Buch geschenkt hat. Klar, wir wollen erfahren werden, lernen und reflektieren, aber eins wollen wir noch mehr: Geschichten lesen. Und so eine ist dieses Buch. Einfach eine runde, vollendete Erzählung – eine Geschichte, wie sie nur im Buche steht. Wie sie erfunden wurde, um gelesen zu werden.

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*Diese Rezension ist in Teilen bereits auf Amazon.de erschienen

Eine kleine Hommage an Thomas Manns vollkommene Erzählung “Tonio Kröger”


“Siehe sie an, die guten Schüler und die von solider Mittelmäßigkeit. Sie finden die Lehrer nicht komisch, sie machen keine Verse und denken nur Dinge, die man eben denkt und die man laut aussprechen kann. Wie ordentlich und einverstanden mit allem und jedermann sie sich fühlen müssen! Das muss gut sein… Was aber ist mit mir, und wie wird dies alles ablaufen?”

                                                                         –

Tonio Kröger spürt schon in frühster Jugend, dass er anders ist. Während andere Reiten, liest er den Don Carlos; während das Mädchen, dass er bewundert und liebt, ihn nicht einmal bemerkt, beachtet ihn nur ein scheues Mauerblümchen. Er will eine Berufung und spürt seinen Willen zur Kunst, doch sehnt er sich mehr und immer danach, dass all das von ihm abfallen möge. Die Sehnsucht, dass er nicht erkalte mit seinem Blick an der Betrachtung, sondern sich wärmen könne mit seinem Körper am Leben.

“Wie würdevoll und unberührbar Herrn Knaaks Augen blickten! Sie sahen nicht in die Dinge hinein, bis dorthin, wo sie kompliziert und traurig werden; sie wussten nichts, als das sie braun und schön seien.”

Es gibt eine Anekdote, nach der einst ein junger Mann nach der Lesung zu Thomas Mann kam und sagte: “Das Wesentliche, was sie geschrieben haben, ist der Tonio Kröger – wissen sie das?!” Und Thomas Mann soll nur genickt haben.

Der Tonio Kröger gehört für mich zu den wunderbarsten Erzählungen, die je geschrieben wurden. So einfach, erzählend schön und stimmig wurde selten über das Wesen des Künstlers und über das seelische Verlangen des Menschen geschrieben – und den Zwiespalt, der wir alle sind. Es finden sich so viele wahre Sätze in diesem kleinen Buch (“Die Kunst ist kein Beruf, sondern ein Fluch”), so viele schöne Stellen, so viele einfache, plastische Atmosphären. Das kleine Stück, das ich Tonio Kröger schon einige Male begleitet hab, ist mir immer wieder neu und doch stets unvergessen.


Denn spätestens wenn Tonio bemerkt, “dass die Kenntnis der Seele allein unfehlbar trübsinnig machen würde, wenn nicht die Vergnügungen des Ausdrucks uns wach und munter hielten”, muss jeder wahre Künstler doch eigentlich anfangen, mit Tränen in den Augen oder lächelnden Lippen zu nicken.
Und wenn er wunderbar offen preisgiebt: “Ich liebe das Leben […] das Leben, wie es als ewiger Gegensatz dem Geiste und der Kunst gegenübersteht”, kann man lange darüber nachsinnen.

Der ewige Zwist zwischen Künstlertum, und der Liebe zum Leben und dem, was man nicht erklären kann, weil es einfach da ist, ein Teil vom Leben an sich – nie ist dies so schön und fein dargestellt worden, wie in dieser Novelle, die mit einem der wunderbarsten Schlusstakte der deutschen Literatur endet.
Dies Buch ist wundervoll. “Sehnsucht ist darin und schwermütiger Neid und ein klein wenig Verachtung und eine ganz keusche Seligkeit.”

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*diese Rezension ist in Teilen schon auf Amazon.de erschienen

“Das Brandopfer” von Albrecht Goes


“Niemand trägt sein Laster im Gesicht, immer nur das, was man ihm angetan.”                 Franz Werfel

“Geschehenes beschwören: aber zu welchem Ende? Nicht, damit der Hass dauere. Nur ein Zeichen gilt es aufzurichten im Gehorsam gegen das Zeichen der Ewigen, das lautet: -Bis hierher und nicht weiter.-”
Anfang des Erzähltextes

                                                             –

Es hat in Deutschland viele eindrucksvolle Erzähler gegeben, die ihre Prosa weder den aktuellen Hypes der Sprache angepasst, noch sonderliche Modifizierungen an ihr vorgenommen haben und auch mit ihrem Stil nicht unter ihresgleichen zu dominieren versuchten – Erzähler, Romanciers und Novellisten, deren Texte in jeder Zeile schlicht sprechen und die doch im Ganzen eine Art von Vollkommenheit erreichen. Die große Stärke ihrer Werke, liegt oft in ihrer natürlichen, nachvollziehbaren Tiefe.

Albrecht Goes, geboren 1908, gestorben im Jahr 2000, gehörte zu den unscheinbarsten Vertretern dieser Tradition. Er war protestantischer Theologe und ansonsten schriftstellerisch vor allem durch seine Gedichte und die Erzählung “Unruhige Nacht” bekannt.

Ebenso wie jene ist auch “Das Brandopfer” eine Erzählung aus der Zeit des 2. Weltkriegs; diesmal allerdings spielt sie in Deutschland. (Unruhige Nacht spielt unter Soldaten in der Ukraine, und es geht um die Nacht vor einer Hinrichtung.)
Beim Lesen und Folgen der Geschichte bemerkt man, wenn man es nicht weiß, gar nicht, dass ein Theologe sie geschrieben hat – erst im Rückblick mag es einem sehr klar erscheinen, wenn man hört, dass sie auch unter den Gesichtspunkten der religiösen Verständigung und Versöhnung verfasst wurde.

Der Text ist in einfacher, unverfänglicher Sprache geschrieben. Es ist eine Fiktion; aber genauso wie bei Stefan Zweigs sensationeller “Schachnovelle” ist auch hier die Darstellung des nationalsozialistischen Deutschlands, aufgrund des ganz eigenen Blickwinkels, weder unauthentisch, noch spielt es eine wirkliche Rolle wieviel an den Geschehnissen wahr und wieviel sehr gut erfunden ist, weil sie einfach versucht ein glaubwürdiges, menschliches Beispiel mit einem wichtigen, nicht wegzuredenden historischen Kontext zu verbinden.

                                                                      –

Gleichwohl wird die Handlung der Erzählung wie eine Erinnerung/ ein realistisches Bekenntnis aufgezogen. Frau Walker, die Frau eines Fleischers und Vermieterin des Erzählers, eines Professors, ist eine nette und etwas undurchschaubare Person von einem gewissen Zauber. Die Brandnarben in ihrem Gesicht und ihr wacher, leicht fragiler Verstand erregen die Neugier des Mieters, denn er vermutet, vor allem hinter den Narben, eine wichtige Geschichte. Die alte Frau ist bereit zu berichten, nur dann und wann legt sich Pausen ein oder zögert.

“Solange sie schwieg, hörte man die Uhr, die verrinnende Zeit. Zeit: Gnade und Gericht. Schon Gericht. Noch Gnade.”

Frau Walker und ihr Mann betrieben in den ersten Jahren der Hitlerzeit und dann auch im Krieg eine Metzgerei. Die Regierung ordnet 1938 an, dass ihr Laden zwischen 5 und 7 am Freitag den jüdischen Teil der Bevölkerung bedienen soll. So wird die walkerische Metzgerei zum Brennpunkt der neuen Ordnung. Da die Juden sich ansonsten nicht mehr versammeln dürfen, werden dieser Ort und diese Gelegenheit, welche wegen der Sabbatregeln absichtlich auf diese Zeit gelegt wurde, zum Fixpunkt für den Rest der jüdischen Gemeinde. Frau Walker beobachtet, passiv, doch langsam knüpft sie ein zartes Vertrauensband zu ihren besonderen Kunden. Oft kommen SS-Trupps herein und schikanieren diese. Doch mit der Zeit geschieht auch noch Schlimmeres… und dann…

“Wenn das mit dem Kinderwagen nicht dazugekommen wäre, hätte ich’s wohl nicht getan…”

Der Rest der Geschichte sei hier ausgespart. Nur soviel: Es gibt noch eine Verknüpfung zu einer anderen Lebens- und Kriegsgeschichte und natürlich noch ein paar kleinere Stücke innerhalb der Rahmenhandlung. Die ganze Konstruktion der Erzählung ist sehr darauf bedacht, nicht einseitig oder komprimiert zu wirken oder auf etwas Bestimmtes hinauszuwollen und dies gelingt ihr auch vorzüglich. Daher besitzt sie eine ganz eigene innere Schlüssigkeit und Stimmigkeit, eine konsequente Wahrheit in ihrem Verlauf und ihrer Diktion, ihrer Art und ihrer Atmosphäre.

Mich hat sie, nicht allein deswegen, tief berührt. Es gibt einige Stellen in ihr, die fast zum Weinen sind. Und es gibt welche, die spannend sind. Und es gibt welche, die beeindruckend sind.

Auch ohne viel sprachliche Virtuosität kann man hier doch von einer sprachlich wahrhaft gekonnten und schönen Erzählung sprechen; sie weist mehrere Formulierungen auf, die mir so klar und mündig noch nicht begegnet sind und deren Brillanz sich ihrer kleinen, bodenständigen Art nicht zu schämen braucht. Denn so zerbrechen sie nicht die Gesamtheit der Erzählung, sondern sind darin aufzufinden wie etwas aus dem Leben resultierendes.

“Lieber Herr Doktor, Sie sagen nicht: die Frau Walker phantasiert. Ich phantasiere nicht, ich sehe nur. Ich sehe sie vor meiner Auslage stehen, ihrer acht und zehn und zwölf. Frauen und Kinder und Greise, dir jüngeren Männer sind ganz selten geworden, ich lerne ihre Namen, und aus ihren Gesichtern lese ich; ob ich das richtige lese, weiß ich nicht, aber wer lange liest, lernt ja wohl lesen.”

Mitten drin spricht Goes einmal von dem “namenlosen Ernst, mit dem fremdes Leben an eigenes Leben sich lehnt”. Dieser Ernst, er liegt in dieser Geschichte, über allem, und die Geschichte selbst liegt ein wenig (ganz, ganz wenig) in allem, was im Dritten Reich an Verbrechen gegenüber der Menschlichkeit geschehen ist. Sehr ambivalent, präsent und doch vage, dringt das Grauen in die Welt der Metzgerei ein und gerade deshalb bekommt man einen Eindruck von der fatalen Hilflosigkeit, in der sich manch einfacher Mensch damals und noch heute dem Grauen gegenüber wiederfand.

Erich Fried schrieb: “Wenn handeln nicht hilft/ was soll man dann denken?/ Was soll man sprechen?/ Was soll man lassen? Nur eines nicht:/ sollst nicht vergessen.”
Ich halte diese Novelle für eines der wichtigsten Dokumente, dass uns beides lehrt, was im Umgang mit der Vergangenheit wichtig ist: Sie nicht zu vergessen – und stattdessen Menschlichkeit aus ihr zu lernen.

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*diese Rezension ist in Teilen schon auf Amazon.de erschienen

Ja, “Ich ist kein anderer” – Robert Fischers “Römische Abschweifungen”


“Flug über die Alpen, der Nebel lichtet sich: blauer Himmel und gleißendes Licht. Unter dir liegt eine faszinierend aufgefaltete Welt mit frischem Schnee über grauem Fels, die Täler von Straßen und Flüssen durchzogen, wie Lebensadern in einem fast menschenleeren Gebiet.”

Max Frisch hat Recht: “Das menschliche Leben vollzieht oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst”. Aber dieser These literarisch zu folgen ist sehr schwierig. Denn dann kann man keine ausufernden Geschichten erzählen, sondern nur die eigene; kann nichts imaginieren und erfinden, außer der Sprache für das Selbst-Erlebte.

Diese Prämissen haben etwas von Lyrik und in der Tat könnte “Römische Abschweifungen” auch ein langes erzählendes Gedicht sein, ein ungereimter Versfluss, immer wieder unterbrochen durch Prosaabschnitte die die Randgeschichte fortführen. Aber gerade die Tatsache, dass es reine Prosa ist, macht dies schmale Werk poetisch noch umso wertvoller und verleiht ihm eine unnachahmliche Tiefe, einen Zug der eingefangenen Wirklichkeit.

Inhaltlich geht es um einen Lebensweg, den Blick darauf zurück und die während der Retroperspektive erlebte Gegenwart. Kindheit, Liebe, Sexualität, Vertrauen – alle Problemzonen des Lebens geben sich hier und da zu erkennen, während der Ich-Erzähler gleichzeitig von seiner Beziehung, seinen Gedanken und seiner Romreise berichtet. Letzteres immer wieder auf sehr anschauliche, lebensnahe Weise:

“Dann spazierst du um die Piazza Navona und setzt dich zum Lesen auf eine Bank vor Berninis Fontana dei Fiumi. Gegen halb sieben Uhr gehen die Lichter an, und die Kulisse rund um den oval angelegten Platz bekommt einen surreal anmutenden Glanz. Eine bunt gekleidete Frau tanzt Flamenco zu einer Musik aus dem mitgebrachten Ghettoblaster, während ihre Tochter nicht recht zu wissen scheint, ob sie sich darüber genieren oder Geld einsammeln soll. Junge Zigeunerinnen halten dir ihre Pappschilder unter die Nase und versuchen dich mit einem Lächeln auszurauben.”

Weiterhin kann man zum Inhalt wenig sagen, was in diesem Fall für das Buch spricht. Es ist keine auf einen Nenner zu bringende Geschichte, sondern 1zu1 ein Erlebnis des Lesens; kein Name, sondern ein langer Gedankenfluss, den man “open mind” durchschwimmen sollte.

Robert Fischer versteht zu schreiben, nuanciert zu erzählen und es ist fast schon egal worüber, zumindest zu Anfang. Dann, immer mehr, schleicht sich die Weisheit seiner Prosa in die Randbezirke der eigenen Wahrnehmung, bevor sie ganz am Ende wie die Sonne über der Landschaft des Gelesenen aufgeht.
Er schafft es das Bewusstsein des Lesers ständig im Fluss zu halten, hier und da mit erotischen Anklängen anzuecken, dann wieder mit seiner bewusstseinsklaren Sprache, dann wieder mit seiner rätselhaften Erzählstruktur. Bewundernswert, schön, mehr fällt einem wieder und wieder nicht dazu ein.

“…doch wie soll man auf ein Leben vertrauen, indem nichts gewiss ist außer dem Tod?” – eine einfache Frage, die inmitten seiner Prosa wie der schwere Stein wirkt, der Augenaufschlag, der sie ja auch ist. Thomas Mann schrieb einmal über den Steppenwolf an Hermann Hesse: “Der Steppenwolf hat mich seit langem wieder gelehrt, was Lesen heißt.” Das kann ich, für mich, auch über dies kleine Buch sagen. Es ist ein Leseerlebnis, eines, das ich jedem in dem Maße wünsche, indem es mir zuteil wurde.

Link zum Buch: http://www.amazon.de/R%C3%B6mische-Abschweifungen-Erz%C3%A4hlung-suhrkamp-taschenbuch/dp/3518395300/ref=cm_cr_pr_pb_t

*diese Rezension ist in Teilen schon auf Amazon.de erschienen