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Das Fischkind und die Guayi – Liebe, Mord und ein schwarzer Hund in Südamerika


Lala lebt in einer zerrütteten Familie. Ihre Mutter ist bereits auf dem Sprung sie zu verlassen, ihr Vater, ein oberflächlicher Schriftsteller verfällt zunehmend der Isolation und ihr Bruder Pep vertickt Drogen und frönt auch anderen diversen Lastern. Einziger Lichtblick ist für sie die Guayi, die Haushälterin – sie wird für Lala zum Zentrum all ihrer Vorstellungen und Begierden, was zwischen den beiden bald zu einigen kleinen sexuellen Abenteuern führt. Schließlich entscheidet sich Lala dazu, mit ihr wegzulaufen und glaubt dazu auch über Leichen gehen zu müssen…

Die ganze Geschichte wird (mal mehr, mal weniger konsequent) aus der Sicht von Lalas schwarzem Hund Seraphim geschildert, der sie ständig und die ganze Zeit über begleitet.
Zusammengehalten wird die Story nicht unbedingt von viel Humor – dafür viel von Sex, Drugs und den Slums, sowie einem glimmenden Hauch, der südamerikanische Ltiteratur immer zu einem fernhellen, aber auch dumpfen Erlebnis macht; stark regionsgebunden ist der Roman allerdings auch wieder nicht.
Das Zentrum des Romans ist ganz klar die Person der Guayi: manchmal scheint sie mächtiger als alle anderen, verführerisch und autonom, dann zeigt sie wieder ihre schwache, träumerische, naive Seite. Die Wechselwirkung hat allerdings auch zur Folge, dass der Roman nicht immer glaubwürdig ist, obwohl er seine Geschichte sehr konsequent, nicht zu beherrscht, nicht zu überstürzt, erzählt.

Streckenweise, zumindest am Ende, fühlt man sich in die Facette einer Geschichte von Roberto Bloano versetzt; den ganze Roman begleitet eine feine und doch ein wenig zu hoch temperierte Sachlichkeit, die ähnlich wie bei Bolano versucht einen großen, geheimnisvollen Klang zu entwickeln, was aber auf diesen 160 Seiten nicht so ganz gelingt, wie bei Bolano.

Andererseits: Einige Stellen, wie etwa die, wo Lala in einem Gefängnishof steht und alles drum herum und in ihr zueinander geführt wird und einen eigenen Kosmos bildet, sind große Glanzleistungen der Erzählkunst, die das Geschehen ganz nah an uns herantragen. Doch leider gibt es davon in diesem Buch ein bisschen wenig. Abschließend könnte man sagen, dass sowohl Geschichte als auch die Personen nicht außergewöhnlich sind, wenn auch in ihrer Realität niemals abwegig – wen aber die Erzählweise mit dem Hund oder der Plot mit den Mord und der Obsession für die Guayi reizt, der könnte in diesem Roman doch noch eine kurzweilige, starke Erscheinung finden.

Der Roman wurde auch von der Autorin selbst verfilmt. Sie drehte auch den bekannten Film XXY über eine intersexuelle 15jährige.