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Zu “Stark und leise” von Ursula Krechel


Stark und leise Essays, Portraits, Studien, Untersuchungen, Empfehlungen? Es ist schwer die Texte in „Stark und leise“ einem Genre zuzuordnen. Manche entstanden, so geben die Nachweise hinten im Buch Aufschluss, auf der Grundlage von Zeitungsartikeln oder Anthologie-Beiträgen, aber es sind teilweise auch Reden und Vorträge oder auch Texte, die in Kombination oder in Verweis auf andere Kunstprojekte entstanden sind. Sie in diesem Band unter dem Titel „Pionierinnen“ zu vereinen ist einerseits zwar nicht aus der Luft gegriffen, geht aber andererseits nicht zur Gänze auf, dafür bemerkt man nur allzu gut, dass die Texte unterschiedliche Gewichtungen haben und sich mit unterschiedlichen Aspekten beschäftigen.

Unterteilt sind die Texte in drei größere Abschnitte. Im ersten finden sich die vormodernen (nicht auf ihren Charakter oder ihr Werk bezogen, sondern lediglich historisch gemeint) Gestalten, namentlich Christine de Pizan, Anna Louisa Karsch, Karoline von Günderrode, Bettina (und Achim) von Arnim und Annette von Droste-Hülshoff. Im zweiten Frauen aus der frühen Moderne, namentlich Vicki Baum, Emmy Ball-Hennings, Hannah Höch, Charlotte Wolff, Elisabeth Langgässer, Ruth Landshoff-Yorck, Irene Brin, Irmgard Keun u.a., die erwähnt, am Rande gestreift werden, wie etwa Annemarie Schwarzenbach. Im letzten Abschnitt geht es um Ingeborg Bachmann, Elisabeth Borchers, Christa Reinig, Friederike Mayröcker und Elke Erb.

Man merkt, dass sobald Krechel sich mit einer dieser Personen beschäftigte, sie schnell eine große Vertrautheit gegenüber ihrer Geschichte, ihrem Narrative entwickelte, zumindest lassen die Texte immer wieder diese Art von Vertrautheit oder auch Nähe hervorblitzen. Manchmal scheint sie sogar zu vergessen, dass andere nicht so versiert im Thema und nah dran am Stoff sind, was zumindest mich als Lesenden manchmal etwas außen vor ließ. Dennoch macht gerade diese Neigung die Texte auch lesenswert. Krechel seziert nicht einfach nur Lebensläufe und Geschichte, sie gibt anschauliche und seltene Einsichten, lässt vieles an Werk und Leben lebendig werden.

Auch wenn die Texte sehr unterschiedliche Qualitäten haben, verlässt man wohl kaum einen von ihnen ohne Gewinn. Ein vielschichtiges Buch also, in dem man manchen Text vielleicht überspringen kann, dafür von anderen unverhofft und schnell gefesselt wird.

Zu “Die berühmtesten deutschen Gedichte von Frauen”


Die berühmtesten deutschen Gedichte von Frauen besprochen bei Fixpoetry