Tag Archives: Jubiläum

Zu “Frankenstein” von Mary Shelley


Frankenstein Wer glaubt in diesem Buch lediglich einem Monster und seinem Schöpfer zu begegnen, der wird schnell eines Besseren belehrt werden. Vielmehr ist Mary Shelleys Klassiker ein Buch über eine zutiefst von ihrer ausweglosen Existenz gepeinigte und von dieser Ausweglosigkeit getriebene Seele – und damit auch eine Geschichte des Menschen. Frankensteins Geschöpf ist ein Prototyp, ein Stellvertreter für das Dilemma des homo sapiens, einer zum Denken und komplexeren Empfinden verdammten Kreatur.

„Frankenstein“ gehört zu den Büchern, die in der Literaturgeschichte mehr durch ihre Bezüge verankert sind und weniger, weil viele Leute sie noch lesen. Das ist traurig, denn dieses Werk (das die Autorin mit 19 Jahren schrieb, in jenem Jahr, in dem wegen eines Vulkanausbruchs der Himmel verdunkelt blieb) ist ein exzellentes Beispiel für jene Variante des Roman, in dem komplexe Fragen erschlossen werden, aber im Zuge eines konstanten, mit Elementen der Spannung vorangetriebenen Narratives und nicht, wie später in den Romanen der Moderne, durch Verfremdungen und Modifikationen dieses Narratives.

Natürlich gibt es jede Menge spannende Kontexte, bei denen das Buch nach wie vor regelmäßig herbeizitiert wird: von den Gefahren der künstlichen Intelligenz, über die Frage nach dem Zusammenhang von Glück und Schönheit/Attraktivität und Fragen der Willensfreiheit, bis zur generellen Frage, ob der Mensch sich erdreisten kann, schöpferisch in die Natur einzugreifen, ohne möglicherweise etwas zu erschaffen, das ihn zu zerstören vermag.

Die neue Edition bei Manesse enthält ein gutes Anmerkungsverzeichnis und ein kluges, wenn auch mitunter etwas zu determinierendes Nachwort von Georg Klein. Das kleine, gebundene Format lädt darüber hinaus dazu ein, das Buch mit sich herumzutragen und den Bericht des Dr. Frankenstein bei allen kleinen Gelegenheiten hervorzuziehen und ihm weiter zu folgen.

Poet*innen-Demo für Menschenrechte in München


Am Mittwoch las & demonstrierte ich mit zahlreichen anderen Dichter*innen und Mitarbeiter*innen von Amnesty International auf dem Münchener Marienplatz für die Menschenrechte. Ein Bericht dazu findet sich auf dasgedichtblog.de.