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“Die man nicht sieht”, der neue Roman von Lucía Puenzo


die man nicht sieht Meine erste Begegnung mit Lucía Puenzo hatte ich, als ich ihren Roman “Das Fischkind” las, ein Buch, das mich nachhaltig beeindruckte. Später sah ich dann ihren Film “XXY”, den ich nach wie vor großartig finde – eine einzigartige Coming-of-Age-Geschichte, verstörend und einfühlsam.

“Die man nicht sieht” ist im Gegensatz zu diesen beiden eigenwilligen Werken fast schon konventionell (in seinem Plot, in seiner Narration) – was nicht heißt, dass nicht die übliche Finesse der Autorin zu erkennen wäre. Sie erzählt schnörkellos und beweist durchgehend ein Gespür für die Fragilität ihrer Figuren, ihr Nachgeben und ihr Drängen. Gerade bei einer Geschichte über drei Kinder kommt dieses Gespür voll zum Tragen.

Ein weiteres Talent von Puenzo ist die Verbindung einer spannenden Erzählung mit sozialkritischen Ansätzen. In “Die man nicht sieht” ist diese Verbindung besonders geglückt. Hier wird die Kluft zwischen arm und reich, zwischen dem Überfluss und der Armut – die in südamerikanischen Ländern längst schon gewaltige Ausmaße erreicht hat – am Beispiel einer Bande von einbrechenden Kindern geschildert, die den Reichen gerade so viel wegnehmen, dass sie es nicht bemerken.

Diese Geschichte wird im Verlauf des Buches durchaus noch recht brutal und Puenzo kombiniert die Sympathie für die Figuren geschickt mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit. Der Mix passt: “Die man nicht sieht” ist ein spannendes, realistisches und gleichsam aufrüttelndes Portrait südamerikanischer Gesellschaften, fesselnd und erschütternd, direkt und doch mit dem richtigen Maß an Entfaltung in den Beschreibungen. Lesenswert.

Zu einer Neuauflage von Erich Frieds “und Vietnam und”


und Vietnam und besprochen beim Signaturen-Magazin.de