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Zum vierten Band der Jandl-Werkausgabe


Idyllen stanzen Peter und die Kuh
„die primzahl der prinzgemahl der primizsegen
eilig eis eierspeise meidling das scheit der schrei“

Im letzten Band mit Gedichten der Jandl-Werkausgabe erleben die Leser*innen noch einmal einen Umbruch in Jandls Schaffen: die starke Hinwendung zur Dialektdichtung. Während die „Idyllen“ noch sehr stark an vorangegangene Jandl-Bände anknüpfen, sind von den „Stanzen“ an alle restlichen Werke von dieser Faszination, dieser neuen Leidenschaft immer wieder durchzogen.

Ansonsten sind die letzten Gedichte sicher auch die am häufigsten tristen, unversöhnlichen Gedichte Jandls. Sehr oft setzt er sich in ihnen mit dem Sterben, mit Krankheiten, mit dem Alter auseinander. Ja, für letzteres entwickelt er eine, einem Jandl-Gedicht zwar meist gut stehende, aber doch geradezu hartnäckige, gleichzeitig aber unlösliche Obsession.

Ansonsten stehen auch oft Freund*innen, Verwandte (vor allem Vater und Mutter) und der katholische Glauben im Mittelpunkt. Bei all diesen Themen hat man das Gefühl, Jandl würde sich (noch mehr als bisher) an ihnen „abarbeiten“, wortwörtlich, ohne Schonung und Transformation. Oft haben seine Gedichte etwas Aufreibendes (aber auch Austreibendes) und Heftiges, aber ins Nichts Verlaufendes an sich (sie erinnern einen dadurch ein wenig an Werke von Samuel Beckett).

Es ist gleichsam eine Implosion und Explosion, die man als Leser*in hier miterlebt. Nicht selten geht es in den Gedichten auch darum, dass es mit dem Schreiben nicht mehr so läuft wie früher, manche Gedichte erklären sich selbst zu Sackgassen, andere stellen sich grundsätzlich infrage, sind aber in diesem Infragestellen nicht mehr so agil wie zu Jandls besten Zeiten.

Zur Komplettierung ist der Band sicher Pflicht und sowohl die Idyllen als auch die Stanzen enthalten großartige Gedichte. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Jandl seinen Zenit schon überschritten hatte und dies selbst wusste. Er trotzte sich noch einige Meisterwerke und allerhand Bewältigungsgedichte ab, aber der letzte Band vermag es nicht mehr, so zu fesseln wie die vorangegangenen drei. Mancher mag ihn allerhöchstens deswegen besonders feiern, weil Jandl hier letztlich kompromissloser vorgeht als jemals zuvor.

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