Silke Scheuermanns Lyrik, 2001-2008, in “Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen”

Wenn ich heute ansetze über Silke Scheuermann zu schreiben, dann bin ich, wie immer bei dieser Autoren, gleichsam von Enthusiasmus durchströmt und von Zweifeln geplagt. Ich finde, dass Scheuermann eine der bedeutendsten Lyrikerinnen deutscher Sprache ist – doch zu erklären woraus diese Empfindung entspringt, fällt mir schwer. Vermutlich, weil sie es so wunderbar versteht zu wirken, ohne dabei für Erklärungen verfügbar zu sein; es gibt keine kaum Ansätze in diesen Texten, es gibt bloß die Gedichte, die für sich selber stehen. Deswegen kann es sein, dass ich in meinem Text die Magie von Scheuermanns Sprache und der Universalität ihrer einzelnen lyrischen Kräfte nicht offenlegen kann – ich gebe aber jedem, der gerne Lyrik liest, hiermit von Anfang an zu verstehen: Scheuermanns Lyrik ist etwas besonderes und sehr lesenswert. Eine Lyrik, die mir sehr am Herzen liegt.

“Du stehst in einem Winter aus sehr kleinen Stimmen
die sagen da ist kein Begehren mehr
nicht mehr
obwohl wir jetzt die Zeit dazu hätten.”

Eine der einfachsten Assoziationen zu Lyrik ist die von Licht, das nicht auf, sondern in dich scheint, das wahrhaftig die Armaturen deiner Gefühle, die Gewölbe deiner Seele auszuleuchten versteht und eine bisher ausgelassene Sicht auf die Wirklicht andeuten kann, wie ein Streif Mondlicht, der durch den engen Spalt eines verdunkelten Fensters fällt.

Dieses verdunkelte Fenster ist die Sprache: Als Fenster gebaut, zur Kommunikation gedacht, ist sie gerade im Gedicht oftmals ein Ort des Zwielichts. Dass jedoch das Licht draußen nicht nur da ist, sondern dass wir es auch sehen können, ohne das Zimmer zu verlassen, ist der Glaube hinter beinahe jedem Gedicht.

“Obwohl unsere Städte ständig versuchen
uns den Himmel vertrauter zu machen
indem sie Aussichtspunkte
Balkone Terrassen bereitstellen
Obwohl sie behaupten man sehe von oben
den womöglich zärtlichsten
Punkt im All
[...]
hören wir manchmal das Flüstern der Dörfer
und manchmal glauben wir etwas davon.”

Sprache als das zu begreifen (und zu erfassen), was Wirkliches, Erfahrenes, Erinnertes aus einem neuen Impuls heraus abbildet und erweitert, gehört zu den Dingen, die man lernen muss, wenn anfängt Gedichte zu lesen. Ich bin der Meinung, dass es sich sehr schnell ergibt, doch kann oft schon das bloße Überfliegen eines lyrischen Textes einem den Mut nehmen, wenn man versinkt in den mannigfaltigen Ansätzen zeitgenössischer Lyrik, aufeinander aufbauenden Kombinationen von Elementen, die ein Thema über eine bestimmte Form von fremdem, hermetischen Ausdruck zu erreichen versuchen.

Gedichte werden ja zumeist wegen den Momenten geschätzt in denen sie in der Erlangung von flüchtiger Schönheit oder Erkenntnis brillieren – doch der Sinn mancher Gedicht hat mehr mit dem Erreichen eines breiteren Zustands zu tun, einem fremden Seinskonsens, buchstabiert oder zusammengebaut aus sprachlichen Ausläufern; ein Moment, eine Regung, die vom Kern bis zur letzten, ausgleitenden Welle abgebildet wird, bis hinab zur Konsequenz, gedanklich und sprachlich. In diesen Gedichten wird nicht Verständnis zelebriert, sondern ein Treffen von Sprache und Ideen, bei dem das Augenmerk auf der Dehnungsabstraktion der Sprache liegt, um die Ideen möglichst komplex fächern und abbilden zu können und nicht nur zu komprimieren; als würde ein Maler nicht wissen, was am Ende auf der Leinwand ist, sondern Stück für Stück malen, was noch fehlt, was noch zu ergänzen ist – weil eben die Aspekte ungeheuer wichtig sind und nicht allein das Abbilden eines bestimmten Gefühls. Die Aspekte sind es, die Lyrik so bemerkenswert machen.

“uns dran erinnern dass wir Helden sind
das heißt bewohnt von vielen Wunden”

Zärtlichkeit. Sie fällt mir immer, beinahe unbedacht ein, wenn ich an Scheuermanns Gedichte denke. Es ist nicht die Zärtlichkeit der rosaroten Liebe, nicht die Zärtlichkeit des Windes, auch wenn dies beides unter ihren Zeilen schlummert, versteckt im Verlassenen ihrer Landschaft.

Die Gedichte haben eher etwas von der Zärtlichkeit jener Momente, in denen wir versagen und das Versagen in diesem Moment akzeptieren können (dies soll in keiner Weise eine Relation zu den thematischen Gründen von Scheuermanns Gedichten herstellen; es geht dabei nur um die Stimmung, die Abwärme in der Art der Sprache). Eine Zärtlichkeit, beinahe ohne Stimme, aber unglaublich heilsam, in ihrer unaufgeregten, vielfältigen Kommunikation.

Neben dieser Zärtlichkeit steht die (vor allem in den Gedichten des ersten Bandes Der Tag, an dem die Möwen zweistimmig sangen vorherrschende) Kraft der Bilderwelten im Zentrum. Eine Kraft, die man auf den ersten Blick eine enigmatische Distanz nennen würde, als hätte jemand einige persönliche Geschichten geschrieben und sie dann mit verschiedenen Metaphern-Code-Schlüsseln chiffriert.

Aber da irrt, wer hier bereits in seinem Kopf die “Print”-Taste zum Drucken eines Urteils drückt. Denn wirft man einen zweiten Blick in diese Sprache hinein, lässt den Ereignissen und Ausdrücken Zeit, zusammenzukommen, nimmt man bald die Gedichte nicht mehr als sprachliche Kohorten wahr, die einfach über die Seiten marschieren, sondern als einen ganz eigene Art des Urbarmachens, eine Art sich einen sprachlichen Weg entlang einer abgelegenen Route zu suchen, wo die Realität einer Empfindung nicht bloß in etwas Erhebendes eingeschlagen wird, sondern wo sie sich wahrhaft ausleben kann, interstellar, mythologisch, abstrakt, wahrgenommen als ein Notenblatt voller Begriffe, eine Melodie, die wir lernen können zu spielen.

“Mit allem, was vom Indikativ in den Konjunktiv wechselt, legt die Nacht sich auf den Tag und kettet seine Hände oben ans Bett.”

Sicher ist, dass die Gedichte von Silke Scheuermann in keinem der hier eingefügten Zitate oder Anleitungen meinerseits wirklich einen Ansatz ihrer Poesie finden würden, oder dieser Hinweise bedürften, um sich beim Leser zu entfalten. Da ihre Kosmologie bar jeder Illusion ist und sie dennoch nie den Traumhänden des Wortes Lyrik zu entgleiten scheinen und weil ihr Abstand zum Leser stets groß ist und doch dieser Abstand auf beeindruckende Weise immer wieder plötzlich überwunden wird, ist es schwer eine Definition dieser Poesie auch nur in Betracht zu ziehen.

Sie lebt, wie im Nachwort richtig angesprochen wird, viel aus den Metaphoriken, die in jedem Gedicht einen neuen Fixstern haben, aber wenn man hinter diese Strömungen gelangt, lässt sie diese Spielchen weit hinter sich und man erkennt ihr sehr aufrichtigere Stimme, die nicht in Rätseln, sondern eben in Ausdrücken spricht, die wir zunächst für Rätsel halten, die uns aber ein höheres Verständnis geben wollen und nicht ein solches voraussetzen – ein besonderes Geschenk der Lyrik, das kaum einer so aufgefächert beherrscht wie Silke Scheuermann.

“Als hätten wir ewig die Hände von
Kindern oder halbblinde Augen die immer
nur schwach gezimmerte Rahmen
um alles ziehn
reflexartig”

Ich kann wohl nicht bis ins letzte bewusst erklären, warum ich Scheuermanns Gedichte so sehr schätze, obwohl es mir unbewusst in jedem zweiten Gedicht, dass ich von ihr lese, passiert, dass ich genau das tue, dass ich mir etwas halb gewohntes, halb vertrautes besser erklären kann, es mehr spüren kann, als ginge ich hindurch.

Über einen Museumsbesuch schreibt sie, wie immer leicht zu- und abgewandt:

“Nur die Besucher sind noch schlechter dran
nachdem sie solange Schlange gestanden
haben tragen sie bloß eine Erkenntnis fort
dass sie das Museum verlassen ohne Spuren
genauso wie sie auch die Welt verlassen werden.”

Klarheit, die das Fatalistische mit dem Verbinden, was Brodsky als eine der Definitionen von Schönheit ansah: nämlich etwas, das uns nicht gehört, uns nie eigen sein wird, aber dessen wir Gewahr sind, allein schon weil wir leben, existieren. Als wären sie ganz dünnes Glas vor diesen Dingen, das man kaum berühren kann, weil sonst nicht nur das Glas, sondern auch die Dinge zerbrechen (stehen wir vor Fenstern oder vor Spiegeln?) – dieses Gefühl durchfiebert viele von Scheuermanns Gedichten, macht sie einzigartig.

Brodsky war es auch, der von einem Gedicht als dem besten Mittel zur geistigen Beschleunigung sprach. Bei Silke Scheuermann müsste man eher von einer geistigen Aufrichtung sprechen, einem Stück für Stück-Annehmen, das die innere Zusammensetzung der Gedichte langsam offenlegt, zu einer Sprache werden lässt, auf die sich etwas in dir am Ende sehr gut verständigen kann.

Aber zuletzt noch: Zärtlichkeit. Lässt man alles außer Acht, was ich mit dilettantischer Hand über diese Lyrik hier und da vielleicht angestoßen habe, damit es irgendwann die Richtige Erkenntnis erreicht, bleibt sie: diese unnachahmliche Zärtlichkeit, die, abseits der inneren Kreise, die die Gedichte im Leser ziehen, ihren Namenszug schon allein mit dem Stil im Gedächtnis hinterlassen hat. Zeilen, die sich nicht zitieren lassen, die man zögert aufzusagen, die man monatelang nicht ansieht – und doch sind sie da. Als zärtlichste Punkte im All. Für sie lohnt sich alles. Es gäbe noch sehr viel mehr zu sagen, aber irgendwann hintert das viele Reden ja am Lesen.

“Schlaf nie mit einem Fotografen/ sie haben schon zu viel gesehen”

Diese Sammlung, die den gleichen Titel wie Scheuermanns erster Gedichtband trägt, enthält selbigen, zusammen mit den Gedichten aus “Der zärtlichste Punkt im All”, außerdem die nie als Einzelband veröffentlichten “Vogelflüge”, eine Abfolge von sonettähnlichen Gedichten, wobei das nächste immer mit dem Endsatz des letzten anfängt. Außerdem ein paar unveröffentlichte Gedichte. “Über Nacht ist es Winter” ein Buch mit Prosagedichten, ist nicht enthalten. Ihr allerneuster Gedichtband, “Skizze vom Gras”, erscheint am 5. August und sie wurde, unter anderem für diesen Band wie auch für ihr Gesamtwerk, vor kurzem mit dem Hölty-Preis ausgezeichnet.

“Aber was kommt wenn wir uns alle Geschichten erzählt
haben zehntausend heiße Geschichten

das Lexikon unserer Luftschlösser durchbuchstabiert
ist und wir unseren Stern durchgesessen haben wie das Sofa

auf dem wir uns sehr genau kennenlernten
wenn wir da stumm am Fenster sitzen und rauchen”

Hier noch ein Ausschnitt aus einem ihrer Kurzprosastücke:

“Wer jetzt nicht mehr schläft, dem näht das Licht Perlen auf die Stirn, zum Schutz, denn japsisfarben im Licht des Türspalts kommen die Fratzen mit dem ewigen, bösen Lächeln der Sieger. Es könnte die Katze sein, die Kommode, der Fernseher, irgendetwas Bekanntes, das sich Sekunden später wieder in seine Bestandteile löst.
Es versetzt dich, für Sekunden, im Übergang, in einen frei schwebenden Raum, von außen bewachsen mit winzigen Blüten, gemacht aus diesem Licht, das es nur zwischen fünf und sechs Uhr in der Frühe gibt.
Für diesen Raum lohnt sich alles.”

Anna Achmatowa – Gedichte aus “Im Spiegelland”

“Wie tief im Brunnen weiße Steine liegen,
Liegt ein Erinnern tief in meinem Herzen.
Ich kann nicht und ich will es nicht bekriegen:
Es bringt mir Freude und es bringt mir Schmerzen.”

Die russische Dichtung des 20. Jahrhunderts kennt viele große Namen und fast alle haben sie sich gegenseitig gekannt, inspiriert und selbst ihre Schicksale weisen ähnliche Komponenten auf, darunter oftmals Exil, Lagerhaft, Bespitzlung, Schreibverbot und sogar Ermordung. Die Grande Dame dieser verlorenen Generation russischer Dichter (als silbernes Zeitalter bezeichnet, das goldene war die Zeit von Puschkin) war ohne Zweifel die Dichterin Anna Achmatowa, der es Schicksal wurde, die meisten ihrer Freunde und Zeitgenossen um manchmal viele Jahre zu überleben. So Mandelstam und Zwetajewa, aber auch Pasternak und Alexander Blok.

“Die einen Scherzen in der Nacht und küssen,
Die andern trinken, bis der Tag anbricht.
Mit mir verhandelt nächtens mein Gewissen,
Das klar und unerbittlich zu mir spricht.

Ich sag zu ihm: Wie lang soll ich noch tragen
Die Last von dem, was längst Vergangenheit?
Doch es erwidert: So darfst du nicht fragen,
Denn weder Raum gibt es für mich noch Zeit.”

Nachdem sie anfangs vor der Revolution (1912-1917) bereits einige Bände mit Liebes- und anderen Gedichten veröffentlicht hatte, wurde sie im gefestigten Sowjetrussland schnell mit einem Publikationsverbot belegt (1923). Ihre bereits geschriebenen Verse überlebten die lange Zeit des auferlegten Schweigegebots – das, bis auf wenige winzige Ausnahmen, bis zu Stalins Tod (1953) gelten sollte – vor allem dank ihrer Eingängigkeit und Lebensnähe in den Köpfen der Menschen; ihre Gedichte hatten teilweise eine große Sprichwörtlichkeit in Russland erreicht.

Dieser Traum eines jeden Dichters, war für Achmatowa gleichsam ein Alptraum, aus der dunklen Quelle der Umstände gespeist. Dieser Zwiespalt überschattete ihr ganzes Leben in der Sowjetunion, auch nachdem sie wieder publizieren konnte und findet sich auch als wiederkehrendes, unterschwelliges Motiv, als eine Stimmung von Grau, in ihren späten Versen wieder.

“Verließ’ uns schlichtes Fühlen, frisches Wort -
Wär’s nicht als nähm’ dem Maler man das Sehen,
Dem Schauspieler das Sprechen und das Gehen,
Und einer schönen Frau die Schönheit fort?

Doch such nicht zu behalten deinerseits
Die Gaben, die der Himmel dir verliehen:
Wir sind verdammt – wir wissen es – zum Blühen
Und zur Verschwendung – nicht zum Geiz.”

Schlicht, bisweilen mit einem Anflug Spott, und auch manchmal nahe am Schmachten, Verzieren und Verzehren, doch eigentlich immer unbewegt, nur träumend oder weisend, kommen ihre Verse daher, ist ihr lyrisches Credo aufgebaut. Spürbar, unter der Oberfläche, liegen darin Sehnsucht, Abneigung, Angst und Furcht: glattgestrichen; weder Feuer, noch Eis, sondern eher Rauch, Brunnenplätschern, Schifffahrtswellen, Blinzeln und das Aufragen und Verschwinden sind die ungefähren Wesenheiten ihrer Dichtung und betonen das Flüchtige, aber auch das Bleibende darin.

Vor allem ihre Liebesgedichte sind heute noch lesenswert; im Spätwerk jene Verse, die sich viel um das Schicksal drehen, ihre eigenen Händel mit dem Staat (ihr Sohn saß über 15 Jahre in einem Lager, manchmal sogar mit der Gefahr von Exekution) und die Portraits der Personen, Dichter und Denker, die sie schätzte, zusammen mit den speziellen Gedicht-Zyklen und den vielen, meist unbetitelten, nach innen gekehrten Beobachtungen und Betrachtungen; letztere oft schwankend zwischen vollendeter und angeknackster Beherrschung.

“Aus Stein scheint des Himmels Bogen,
Verwundet von gelbem Glühn.
Oh, sei mir endlich gewogen,
Send ein einziges Wort über ihn.

Der mit Tau Du benetzest die Triebe,
Beleb mit der Kunde mein Herz -
Nicht für Leidenschaften und Scherz,
Für die große irdische Liebe.”

Liebe, Liebe, als ein Ding, so groß wie eine Welt, aber so abgewandt und versunken wie deren tiefste Schluchten und entlegenste Gegenden – und doch auch wieder schön; ein magischer, unfehlbarer Fall. Kaum ein Dichter hat die Liebe in so ambivalente, entsprechende und gleichsam schlichte, in so tiefe und doch so unbewegte Verse gekleidet, wie Anna Achmatowa. Jedes der Gedichte über diese Thema hat seinen eigenen Herzschlag, seine eigene Vorstellung von der Liebe, aus der Momentaufnahme der damaligen Empfindung entsprungen und wie darin gefangen; die Atmosphären in diesen Zeilen können sanft wie Wasser oder schwer wie Brokat sein, aber immer sind sie Oberfläche und Inhalt zugleich – ein schwieriger Balanceakt und ein sehr kontrastiertes Leseerlebnis.

“O zerknülle nicht, Liebster, mein Schreiben.
Nein, mein Freund, ließ es bis zum Schluss.
Ich bin’s Leid, dass ich unbekannt bleiben,
Stets die Fremde dir bleiben muss.
[...]
Dieses Lächeln schenk bewahr ich mir,
Das die Lippen kaum sichtbar bewegt;
Liebe selbst hat es in mich gelegt,
Und ich schenke es keinem als dir.”

Wenig Licht herrscht in diesen Gedichten, viel Dunkelheit, aber eine Dunkelheit, die wiederum viele ferne Lichtquellen auf sich zieht wie Sterne, als wären sie Wein, auf den man blickt, während die Lichter eines Saales sich auf Glas und Flüssigkeit brechen und spiegeln.

“Unausgesprochene Sätze
Und Worte, nie gesagt.
Die Blicke, die sich nicht trafen,
Wissen nicht wohin.”

Man kann es heikel nennen, Gedichte aus einer Sprache (und dann noch aus der russischen Sprache, die sehr viel mehr natürliche Reime und vielfältigere Kadenzen kennt als die deutsche) in eine andere zu übertragen und dabei den Reim halten zu wollen. Immerhin hat diese Ausgabe insofern einen interessanten Mittelweg gefunden, dass sie ab und an mehrere (von 2 bis manchmal 4) Varianten einer Übersetzungen anbietet, jedoch alle gereimt.

Ansonsten ist es, im Falle von Anna Achmatowa, auf jeden Fall das kleinere Übel, denn ihre Lyrik lebt elementar von Reimen, von dem Kranz- und Kreischarakter des Verses, der sich selbst in seinen Windungen immer wieder mit dem Ursprung verbindet. Das mag im Deutschen manchmal etwas herunterkonstruiert wirken, hat aber auch den Vorteil, dass man, trotz der Komplexität, die manchmal in der Einfachheit von ihren Zeilen liegt, über den Rhythmus und Klang doch leichter Zugang zu ihren Werken erhalten kann.

“Weil er den Rauch Laokoon verglichen,
Die Distel an der Friedhofswand besang,
Weil alles seinem neuen Klang gewichen,
Mit dem er einen neuen Raum errang,

Ward er belohnt mit kindlichem Erfassen,
Mit der Gestirne weitem, scharfem Blick,
Die Erde ward als Erbteil im gelassen,
Doch er gab allen andern sie zurück.”
(Aus einem Gedicht über Pasternak)

Anna Achmatowa zu lesen hat viel mit Wiederlesen, mit Genaulesen und auch mit Empathie zu tun. Doch es steckt einfach auch eine Größe in ihr, unübersehbar, gleich einem riesigen Schiff, welches glatt, schwarz und langsam durch eine Landschaft in einen Hafen einfährt, vielleicht umjubelt, aber selber still, bis auf das leise Rauschen der Schiffsschraube. Innerliche und doch auch nach außen getragene Größe und aufrechte Haltung, hinter die zarte Sehnsucht schlägt wie das Herz eines Wurmes im Kerngehäuse des Apfels. Man spürt den Herzschlag in den Zeilen, in jeder ein ganz klein bisschen davon.

“Man gräme sich nicht so unendlich
Und sei nicht so verschlossen, o nein! -
Um denen, die leben, verständlich
Und angelweit offen zu sein.
[...]
Das wenige, was uns gegeben,
Ist eng von der Zeit umzäunt,
Doch er wird unwandelbar leben,
Des Dichters verborgener Freund.”
(Aus einem Gedicht über den Leser)

Hans-Ulrich Treichels gesammelte Gedichte in “Gespräch unter Bäumen”

“Noch ist alles möglich.
Wir haben uns flüchtig gestreift.
Der Rest: wahrscheinlich tödlich.
Die Kunst: Das man es begreift.

Wir sollten es dabei belassen.
Ein Hauch ist fast wie ein Kuss.
Sich lieben heißt auch sich verpassen.
Auf andere Art. Und Schluß.”

Wenn man die Auslese aus dem lyrischen Gesamtwerk von Hans-Ulrich Treichel zum ersten Mal liest, könnte man auf die Idee kommen, hier habe sich ein sehr stummer, ein schweigsamer zu Wort gemeldet. Viele Gedichte erscheinen nur als Nuancen viel größerer Bilder; wirken wie das Ende größerer Aufzüge; sind Ausgangspunkte viel umfangreicherer Gefühle, wie einzelne Szenen aus einem längeren Film, voller Eindruck.

Gerade deswegen sind es gute Gedichte, sehr gute. Aber auch Gedichte, die man öfter lesen muss, um ihre innere Brisanz und Magie zu begreifen, zu erreichen. Es ist eine Lyrik, die das Verstehen zurückerlangt wie ein entfallenes Wort, eine entfallene Idee – oder anders: wie etwas, das es wirklich will.

“So viel vergessen, die
schreiende Lust. Mein Herz in
den Wolken und ein Stein
in der Brust.”

Aber es gibt auch Verse, die ganz schlicht und einfach und von offensichtlicher Qualität sind, von einer beiläufigen Dichte und Klarheit, gepaart mit einem Schuss Tucholsky oder Fried oder Brecht. Es entsteht Lyrik, wie man sie sich leise auch nach dem Lesen noch aufsagt, in Gedanken, immer wieder.

“Schlimmstenfalls wird aufgeräumt
In Herz und Seele, Aug und Ohren

Schlimmstenfalls ist ausgeträumt
Was wir wollten längst verloren

Schlimmstenfalls geht alles schneller
Auf jeden Biss ein leerer Teller

Schlimmstenfalls fehlt uns der Mut
Schlimmstenfalls wird alles gut”

Auch diese scheinbar einfach gereimten Verse habe eine schwere Leichtigkeit, darin man die einzelnen Aussagen der Sätze und deren Stimmhöhe noch erkennen kann. Treichel heischt nirgends in diesen Gedichten um Aufmerksamkeit und es bleibt dem Leser überlassen, das potenzielle Wahrheitsverhältnis seiner Reime und Gedanken in ihren Wendungen zu erkennen.

Es wird viel erinnert in diesen Gedichten, viel kreist um die Diskrepanz aller Welt zum eigenen Ich. Während die Gedichtauswahl des ersten Bandes Ein Restposten Zukunft noch sehr fixiert ist auf eine offensichtliche Wirkung, zeichnet sich von beim zweiten Band Tarantella ab, dass Treichel die Wirkung losgelassen hat. Sie treibt von da an in seinen Versen wie ein weißes Blatt auf dunklem Wasser; sie ist das, was ist und nicht das, was wir mit Worten hinzufügen, das, worum die Worte kreisen, ohne sich jemals zu nähern. Man kann es von hier aus sehen, aber es ist nicht direkt da.

In den Gedichten aus Liebe Not provoziert er dann noch mal stärker den Unmut, so wie er es immer ein bisschen tut. Den vorletzten “Seit Tagen kein Wunder” und den letzten Band “Der einzige Gast” halte ich für seine gelungensten Einzelbände. Hier betreibt er eine Form des Auslassens und Anreicherns, die mir einzigartig scheint in ihrer Kürze und Stille; manche dieser Gedichte wirken wie knappe Kohlezeichnungen auf einem großen Blatt Papier:

“-Vaterbild-

Dieser stumme
und schwere Mann,
der mit Hut
und Mantel
durch meine
Kindheit ging,
wie über ein
schneegraues Feld.”

Diese kleine Poesie, die sich fast immer im Schatten hält, die auch nicht singt, sondern summt, die auch nicht winkt, sondern einfach nur hinsieht. Nicht immer gelingt es Treichel, eine lyrische Präsenz in den Worten aufzubauen, doch wenn es dann doch geschieht, haben die Wörter und Verse in ihrer Kürze und Einfachheit etwas Eindrückliches, etwas Unantastbares. Diese, ihnen eigene, Filigranität, macht die Lektüre dieser Gedichte geradezu unverzichtbar.

“Blätter vor unseren Füßen
Wir nannten sie Blätter
Als die Wälder noch standen
Als der Wind noch hindurchfuhr
Was für Umwege wir machten
Wie viele Worte es gab”

Insgesamt bleibt Treichels Lyrik in einem schmalen Kreis, aber sein Repertoire ist deswegen nicht klein. Es liegt vielmehr in jedem Gedicht eine letzte Zurückhaltung, die verschiedene Themen unterschiedlich wirken lässt. Ein Liebesgedicht zum Beispiel kleidet dieser Stil ganz wunderbar und unnachahmlich.

“Mit der Ich Mozzarella aß
Ihr Federbett war grün wie Gras
Die in der großen Stadt verschwand
Die Schuhe trug sie in der Hand
Der Mond fiel in den grauen Fluß
An die ich immer denken muss”

6 Zeilen voller schneller Rückblicke, voller Sehnsucht.

Treichel ist ein moderner Lyriker und doch ist er ein Lyriker der zeitlos ist. Denn seine Worte sprechen für sich, sind wenig an Konventionen oder ästhetische Prinzipien geknüpft, sie verbindet das das Einfassen eines schlichten Aspekts, der lyrisch intoniert wird, aber nur bis zu einer Frequenzhöhe, die sich der Musik erinnert und sie noch nicht hören kann. Sie sprechen für einen Schweigenden, der das Schweigen als wichtigen Teil des Erlebens kennt, den im Schweige kann sich innerlich ausbreiten, was im Außen oft untergeht, wenn man es weitläufig aufzeigen, sagen, fassen will.

“Zuerst gehen die Väter
aus ihrem gewalttätigen Leben,
aus ihren jagenden Geschäften,
und lassen uns die steifen Hemden
und die Salzränder über
dem Herzen”

Zu Lars Reyers Gedichtband “Magische Maschinen”

“Auf der Hügelkette summt
das Trafohäuschen seine elektrische
Kantate. Es kommen
keine Engel. Kröten
schnarren durch die Nacht, vom Dorf
herauf, wo die letzten Bierstubengänger
miteinander tuscheln, die fahlen Birken
klappern-“

Es ist sicher kein Zufall, dass vorne auf dem Cover von “Magische Maschinen” eine Kassette abgebildet ist. Beinahe alle Gedichte in diesem Band haben einen gewissen “Tape”-Charakter, einen Anfang, der unvermittelt kommt und ein Ende, das sich selbst ausschaltet; man hört förmlich das Klacken zwischen den einzelnen Seiten, dieses Geräusch, welches der Recorder macht, wenn man die Kassette stoppt und das leisere Knistern, gefolgt von einem aufgescheuchten Surren, wenn man sie wieder in Gang setzt.

Und auch interessant ist, dass aus der Kassette auf dem Cover ein Teil des Bandes herausgezogen wurde – ein vertrautes Bild, ein vertrautes Gefühl. Es stellt sich sofort die Idee ein, das dünne Material zu berühren, daran entlang zu streichen, während man es doch eigentlich aufrollen und sollte. Ist dieses Knäuel aus Kassettenband nicht eine treffliche Metapher für das Leben? Für die Faszination? Und wollen wir nicht manchmal auch alles raffen, in der Hand halten – hoffnungslos und damit das Ganze vielleicht zerstörend – wo es doch eigentlich auch gar nicht uns gehört, sondern dem jeweiligen Moment?

“wir standen
uns immer selbst auf den Füßen & pissten
an den Elektro-Weidezaun, wir lagen
mit dem Ohr am Puls
des anderen & horchten
auf die Strömung, die noch kommen sollte.”

Grob, fast ohne Punkte ziehen sich die Textflüsse Lars Reyers über die Seite, wie der Bach aus der Kindheit unter der porösen, verwitterten und doch (vielleicht gerade wegen dieser Eigenschaften) immer gleichen, immer dagewesenen, quasi in einem Zustand des Zerfalls eingefrorenen Brücke, dahin floss – über dem man als Kind stand und über den man hinwegpubertierte, ohne das sich etwas änderte und es änderte sich doch alles.

Fein sind diese Ahnungen, gesponnen, betrachtet durch das filternde Gefühl des Erinnerten; das geradezu dinglich Präzise in der bis ins Kleinste an dir teilhaftigen Erinnerung. Reyers Gedichte kommen genau von daher und sind genau dort schon fast nicht mehr zu sehen, nur noch zu spüren, festzumachen an dem einen oder anderen, was nie verlorenging, was heute noch hinter uns herzieht und, wenn wir verharren, plötzlich in unsere Erinnerung schießt, durch den ganzen Spiegelpalast des Kopfes. Diese Erinnerungen, wie eine leise Didaktik der Jugend und Kindheit und welche Vorstellung von Lebendigkeit daraus erwächst.

“Ich lese nicht, ich schreibe nicht, ich schweiße nur.”

Dann wäre da noch das Kapitel “Magische Maschinen”, eine flüssig-verzahnte Lang-OP, um den Schwanz der Worte wieder an den Korpus des Lebens zu nähen. Eine wortreiche, virtuose Metamorphose, ein bisschen ohne Hand und Fuß, aber mit Schweiß und einer fühlbaren Lust am Rotieren der Sprache und dem unstillbaren Hand in Hand gehen ihrer Auswüchse, dabei aber auch erfreulicherweise nie zu überbordend oder außerordentlich hermetisch, mit einem kleinen Funkenschlag Mythos.

Insgesamt ein vor allem in seiner eigenwilligen und doch luziden Art beeindruckender Gedichtband. Man kann jedes Stück darin (ausgenommen die beiden Zyklen “Magische Maschinen” und das für mich etwas zu spezielle “Tracks von Jenseits der Auslaufrille”) lesen und ist sofort in einem Erinnerungsflash gefangen, der einen beinahe auf allen sinnlichen Ebenen anzusprechen versucht (und dem das meistens auch gelingt); dabei bewahrt der Autor eine bemerkenswerte Kontrolle. Selten habe ich Gedichte gesehen, die sich bei so freien Formen doch so sehr im Griff haben, die so unterkühlt sind und gleichsam so “lebensnah”.

“Aus dem abgeklemmten Kühlschrank neben der Werkbank
holt er sich den Klaren, die Flasche hat kein Etikett,
früher brannte er noch selbst, Holunderbeeren, weißen Klee -
er wusste wie man destilliert, die Kolben hielten länger
als sein schwarzes Haar.”

Ich würde mich schwertun damit, ein Gefühl in diesen Texten in den Vordergrund zu stellen. Melancholie? Sardonische Gleichgültigkeit? Eine Contraepiphanie des Vergänglichen?
Das alles wäre nur Treibgut auf dem Fluss, der diesen Gedichtband durchzieht. Es ist ein unauffällig dunkler, von Lichtschotter übersäter Fluß, eine aus Worten wie “Harn” und “Brackwasser” gemischte Maße, den man aber auch mit Wörtern wie “Nachtigall” und “Tuschen” beschreiben kann. Zwischen solchen Wortdivergenzen bewegt sich Lars Reyer, ohne dass man merkt, dass er sich bewegt. Er schwebt viel mehr, er teleportiert sich hin und her; nimmt das eine, taucht es ins andere; modelliert dies und versinkt danach in jenem. Daraus wird mit der Zeit eine kontrastreiche und doch einförmige Gestalt, vielleicht ein Abstrich des Lebens, vielleicht der Sprache, wer könnte das so ganz genau sagen … manchmal siehst es einfach nach etwas bestimmtem aus, wenn man es liest …

“stumm
lagen die Makrelen auf dem Papier, dem Schlafe nah,
so sah das aus”

Für und wider dem Wahnsinn – Vonneguts Kultbuch “Frühstück für Champions”

Wenn ich dazu ansetze Kurt Vonneguts Buch “Breakfast of Champions” als eine Kreuzung zwischen Douglas Adams, Richard Brautigan und Michael Moore (mit einem Schuss Mounty Python) zu bezeichnen, laufe ich natürlich Gefahr, mit einem dieser Namen potenzielle Leser zu vergrämen oder überdosierte Erwartungen zu wecken, die das Buch dann doch nicht im Sinne seiner Vergleichsobjekte erfüllen kann. Dennoch scheint es mir die angemessenste Art zu sein, dieses Buch gleichzeitig zu empfehlen und meine Wertschätzung dafür auszudrücken.

In seinen besten Momenten hat es die brillant Eigenheit und den Zug zum Sinnbildhaften wie eine von den Geschichten aus “Per Anhalter durch die Galaxis”, es hat in seiner Form und seiner Manier eine große, unterhaltsame Eigenheit, die daherkommt als wäre sie Nachlässigkeit, den Leser aber die ganze Zeit wunderbar in seinen Bann zieht, und einen wohl ausgerichteten Zynismus, der fast immer in Schwarze trifft.

Worum es in diesem Buch geht? Nun, Friedrich Dürrenmatt schrieb einmal, das Rationale am Menschen seien seine Einsichten, das Irrationale, dass er nicht danach handelt. In Vonneguts Kultbuch tut man sich allerdings schon schwer, rationale Einsicht zu finden. Oberflächlich gesehen und aufs Gröbste zusammengefasst ist das Buch eine böse Satire auf den Konsumwahn des Menschen und seine völlige Gleichgültigkeit gegenüber den Zerstörungen und Auswirkungen, die seine Taten mit sich bringen.

Etwas konkreter und ohne Interpretation formuliert, ist es schlcht ein aberwitziger, geradezu elegant zwischen Kritik und Parodie balancierender Romanspaß, mit einer schmalen Handlung, vielen gelungenen Abschweifungen und einem großen Lesevergnügen – wollen Sie also dem Irrsinn der Normalität begegnen oder der Normalität des Irrsinns, so lesen sie dieses Buch! Es ist eine satirische Posse voller Anarchie und Weisheit, ein Meilenstein des unterhaltsamen und zugleich ernsten Scherzes – eine wunderbare schräges Plädoyer gegen den Irrsinn.

Just some Lyrics for today ….

“They say that these are not the best of times
But they’re the only times I’ve ever known
And I believe there is a time for meditation
In cathedrals of our own” (Billy Joel, “Summerhighland falls”)

“It’s not having what you want
It’s wanting what you’ve got.” (Sheryl Crow, “Soak up the Sun”)

“But it was long ago and it was far away, oh God it seems so very far
And if life is just a highway, and the soul is just a car:
Objects in the rear view mirror may appear closer than they are.” (Meat Loaf, “Objects in the rear view mirror”)

“On his right hand Billy’d tattooed the word love and on his left hand was the word fear
And in which hand he held his fate was never clear.” (Bruce Springsteen, “Cautios Man”)

“I don’t give a damn ’bout my reputation
I’ve never been afraid of any deviation
An’ I don’t really care if you think I’m strange
I ain’t gonna change” (Joan Jett, “Bad reputation”)

“Never is a long time.” (Roxette, Same)

“Well I woke up in the morning
With an arrow through my nose
There was an Indian in the corner
Tryin’ on my clothes.” (Neil Young, “Last trip to Tulsa”)

“Fernsehen und Statements, die allen gefallen,
und Banken und Ämter,
und alles in allem

hab ich viel zu viel Ärger
und viel zu wenig Wut,
ich habe viel zu viel Ärger
und viel zu wenig Wut.” (Dota, “Utopie”)

“We got loud guitars and big suspicions,
Great big guns and small ambitions,
And we still argue over who is God
And I say, “Hey there Miscreation,
Bring a flower time is wasting
we all need a revelation” (Sheryl Crow, “Hard to make a stand”)

“Let’s feel small in the world tonight
Beneath a giant sky
Forget for once who is wrong or right
Just let it all go by

Close our eyes when we grow tired
And dream of where we’ll be
When night gives way to another day
Have we ever woken up this free?” (Mary Chapin Carpenter, “We’re allright”)

“Well, I’ll never be a stranger
And I’ll never be alone
Where ever we’re together that’s my home

Home can be the Pennsylvania Turnpike
Indiana early morning dew
High up in the hills of California
Home is just another word for you” (Billy Joel, “You’re my home”)

“I talk to God as much as
I talk to Satan
‘Cause I want to hear both sides” (Biffy Clyro, “God & Satan”)

“I wish a was a trapper
I would give thousand pelts
To sleep with Pocahontas
And find out how she felt
In the mornin’
on the fields of green
In the homeland
we’ve never seen.

And maybe Marlon Brando
Will be there by the fire
We’ll sit and talk of Hollywood
And the good things there for hire
And the Astrodome
and the first tepee
Marlon Brando, Pocahontas and me” (Neil Young, “Pocahontas”)

“Früher da gabs noch keine grün-gelbe Mitte
Da verteilte Professor Fischer noch persönlich Tritte.
Doch die Blumenkinder, wer konnt das ahnen
gingen den Weg                          aller Bananen:
Heute grün und morgen gelb und übermorgen schwarz” (Marc-Uwe Kling, “Zug der Opportunisten”)

“And there’s always some evil mothers
They’ll tell you life is made out of dirt.
And the women never really faint,
And the villans always blink their eyes.
Children are the only ones who blush.
and life is just to die.
But, anyone who has a heart
Wouldn’t turn around and break it
And anyone who ever played the part
wouldn’t turn around and fake it.” (Lou Reed, “Sweet Jane”)

“Sorridi” (Gianna Nannini, Same)

“Ich versteh hier so viel: Geld ist Tyrannei.
Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen,
es geht um die ganze Bäckerei.” (Dota, “Utopie”)

“And if a double-decker bus
Crashes into us
To die by your side
Is such a heavenly way to die
And if a ten-ton truck
Kills the both of us
To die by your side
Well, a pleasure – the privilege is mine” (The Smiths, “There is a light and it never goes out”)

“I remember we were driving, driving in your car
Speed so fast I felt like I was drunk
City lights lay out before us
And your arm felt nice wrapped ’round my shoulder
I had a feeling that I belonged
I had a feeling I could be someone, be someone, be someone…” (Tracy Chapman, “Fast Car”)

“I’m standing here freezing at a phone booth baby
In the middle of God knows where
I got one quarter left your machine packs up
But baby I know you’re there

And I just start crying ‘cause it makes no sense
To waste these words and twenty-five cents
On a losing game” (Mary Chapin Carpenter, “You win again”)

“What kind of father would take his own daughter’s rights away?
And what kind of father might hate his own daughter if she were gay?
I can only imagine what the first lady has to say
You’ve come a long way from whiskey and cocaine.

How do you sleep while the rest of us cry?
How do you dream when a mother has no chance to say goodbye?
How do you walk with your head held high?
Can you even look me in the eye?” (Pink, “Dear Mr. President”)

“I was trying far too hard
To be what I thought I should be
I was playing wild cards and
Seeing things that weren’t in front of me
Like a little tiger, play fighting,
I was hurting myself, again and again

Because I’m hopeless.” (K.T. Tunstall, “Hopeless”)

“In the middle of the night
I go walking in my sleep
From the mountains of faith
To the river so deep
I must be lookin’ for something
Something sacred i lost
But the river is wide
And it’s too hard to cross
even though I know the river is wide
I walk down every evening and stand on the shore
I try to cross to the opposite side
So I can finally find what I’ve been looking for” (Billy Joel, “The River of Dreams”)

“San Quentin may you rot and burn in hell
May your walls fall and may I live to tell
May all the world forget you ever stood
And the whole world will regret you did no good” (Johnny Cash, “San Quentin”)

“This isn’t for the ones who buy their six-packs
At the 7-Eleven where the clerk makes change
Whose accent makes clear he sure ain’t from here
They call him a camel jockey instead of his name

No, this is for the ones who stand their ground
When the lines in the sand get deeper
When the whole world seems to be upside down
And the shots being taken get cheaper

This isn’t for the ones who would gladly swallow
Everything their leader would have them know
Bowing and kissing while the truth goes missing
“Bring it on,” he crows, putting on his big show

This isn’t for the man who can’t count the bodies
Can’t comfort the families, can’t say when he’s wrong
Playing ‘I’m the decider’ -
like some sort of Messiah
While another day passes and a hundred souls gone” (Mary Chapin Carpenter, “On with the song”)

“Gather ’round people
Wherever you roam
And admit that the waters
Around you have grown

And accept it that soon
You’ll be drenched to the bone
If your time to you
Is worth savin’

Then you better start swimmin’
Or you’ll sink like a stone
For the times they are a-changin’

Come writers and critics
Who prophesize with your pen
Keep your eyes wide
The chance won’t come again

Don’t speak too soon
For the wheel’s still in spin
And there’s no tellin’ who
That it’s namin’

For the loser now
Will be later to win
For the times they, they are a-changin’

Come senators, Congressmen
Please heed the call
Don’t stand at the doorway
Don’t block up the hall

For he that gets hurt
Will be he who has stalled
There’s a battle outside
And it’s ragin’

It’ll soon shake your windows
And rattle your walls
For the times they are a-changin’

Come mothers and fathers
Throughout the land
Don’t criticize
What you can’t understand

Your sons and your daughters
Are beyond your command
Your old road is
Rapidly agin’

Please get out of the new one
If you can’t lend a hand
For your times they are a-changin’

The line it is drawn
And the curse it is cast
The slow one now
Will later be fast

As the present now
Will later be past
The order is
Rapidly fadin’

And the first one now
Will later be last
For the times they are a-changin'” (Bob Dylan, The times they are a-changin)

“Lisa likes brandy and the way it hits her lips,
She’s a rock ‘n’ roll survivor with pendulum hips,
She’s got deep brown eyes,
That’ve seen it all.

Working at a night club,
That was called The Avenue,
The bar men used to call her, “Little Lisa, Looney Tunes”

She went down                                    on almost anyone.

From the hard time living,
’til the Chelsea days,
From when her hair was sweet blonde,
’til the day it turned grey
She said :

L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.

You’ve got more than money and sense, my friend,
You’ve got heart and you’re going your own way

L.I.F.E.G.O.E.S.O.N.

What you don’t have now will come back again,
You’ve got heart and you’re going your own way.” (Noah and the whale, “L.I.F.E.G.O.E.S.O.N”)

“Cos there are so many lessons
That I just never get to learn
And there are so many questions that still burn,

like:

Will you hold my hand when I go?” (Slow Club, “When I go”)