Weisheit, Eros und Hellenismus – “Das schöne Leben war nur kurz bemessen”. Zum lyrischen Werk des griech. Dichters Konstantin Kavafis.

I

“Das Werk der Götter stören wir,
des Augenblickes ungestüme, unerfahrene Geschöpfe.”

In einem Essay von Joseph Brodsky über das Werk von Kavafis, beschreibt er Kavafis verlorenes Alexandria. Kavafis lebte in dieser Stadt, allerdings hunderte von Jahren nach dessen Blüte, als es Kulturzentrum und Symbol des Hellenismus war, dieses goldenen Zeitalters griechischer Kunst und griechischen Einflusses, in Splittern noch weitergeführt im Byzantinischen, dann irgendwann verschwunden, verraucht, verglommen. Noch ganz leicht im modernen Griechisch an den Rändern präsent, ein Phantom in Kultur und Geschichte. Brodsky vermutet in diesem ehemaligen Alexandria so etwas wie eine Metapher auf die Jugend, die Kavafis ebenfalls in seinen Gedichten nur aus der Ferne, rückwirkend, schildert; Alexandria und die Jugend, zwei ferne Orte, mythisch fast und in ihrer Lebendigkeit, ihrem Überreichtum und ihrer Größe, Weite, für den heutigen Betrachter ein nie mehr zu erreichender Zenit.

Die Betrachtung von Brodsky hat viele Aspekte und wer genaueres wissen will, kann hierzu den Essayband Flucht aus Byzanz konsultieren – im Wesentlichen ist sie hilfreich, um eine wesentliche Einteilung von Kavafis Werk vorzunehmen, die beinahe ohne Ausnahmen funktioniert und nur zwei Kategorien hat.

Auf der einen Seite sind da die persönlichen Gedichte, die vom Verrinnen der Zeit (das bekanntest Gedicht von ihm ist hierbei “Kerzen”, das überall im Netz zu finden ist) und von Homosexualität, der Begegnung junger Männer oder ihren Liebschaften handeln. Viele von diesen Liebesgedichten sind szenisch gehalten, versetzen den Leser z.B. in einen jungen Mann, der in einem Cafe wartet, stundenlang, und hofft, dass der eine bestimme Gast hereinkommt, den er einmal hier gesehen hat (das Geschlecht der Person war bei den ursprünglichen Veröffentlichungen unbestimmt, da zu Kavafis Zeiten Homosexualität noch strafbar war). Viele dieser unaufgeregten, zögerlichen Liebesgedichte gehören zu den Höhepunkten in Kavafis Werk – so wie jenes Gedicht “Er fragte nach der Qualität der Tücher”, in dem ein Mann in ein Tuch-Geschäft geht, nur weil er das schöne Gesicht eines dort arbeitenden Verkäufers gesehen hat:

“Sie sprachen ohne Unterlass über den Handel – doch
nur mit einem Ziel: dass sich ihre Hände
über den Tüchern berühren; dass ihre Gesichter,
die Lippen sich wie zufällig nähern;
die Begegnung ihrer Glieder für einen Augenblick.

Schnell und heimlich, dass es der Geschäftsinhaber
nicht bemerkte, der im Hintergrunde saß.”

Dieses Spiel, die Anziehung, auf die es in diesen Momenten ankommt, hat Kavafis fein und unverstellt in solchen kurzen Passagen eingefangen – es ist ein übergreifendes Bildnis von dem Wagnis und dem verwirrend schönen Zug der Liebe selbst.

In seiner Homosexualität war Kavafis ein unbeflissener und doch natürlichste Dichter, ohne über die Strenge zu schlagen, oder provozieren zu wollen; es ist vielmehr die scheue und zugleich die animalisch-berauschte Intonation der Liebe und des Eros, die er immer wieder anstimmt, vom Ursprung her und nicht in ihren Ausprägungen und Praktiken, die er wohlweislich in sanften Andeutungen dem jeweils möglichen Bedeutungs- und Phantasiespielraum überlässt. Viele Jünglinge gehen über seine Seiten, vor allem im zweiten Teil seines Werk, zu dem ich weiter unten kommen werde; früher Tod und Verfall ist diesen Jünglingen nicht selten beschieden, ein Sinnbild für das, was mit jeder Jugend geschieht, ob abrupt oder schleichend. … und doch: In der letzten Sehnsucht seiner Gesten betont Kavafis auch die Ewigkeit der Schönheit, die diese Jünglinge, der spontane Eros, letztlich beweisen und die ihnen innewohnt, auch, weil die Sehnsucht und die Erinnerung sie immer wieder gemeinsam hervorarbeiten …

“Die Schönheit habe ich so unverwandt betrachtet,
dass sie ganz mein Sehen füllt.”

In manchen seiner persönlichen Gedichte begegnen wir dem Dichter Kavafis selbst, dem alternden, der nun Gedichte schreibt. Vergangenheit ist hier die einzige Richtung des Denkens, das Heiligtum – reiches und trübes Schwelgen darin, sind seine Beschäftigungen. Das Vergangene und doch nie ganz Vergehende zieht immer wieder ein in seinen Texte – das Phänomen der Zeit, gegen das der Mensch die Erinnerung stellt und doch oft Erkennen muss, dass erstere Recht behält und die Zeit den Erinnerungen das entzieht, was sie einst erinnerungswürdig machte; dass alles Morgen irgendwann einem Gestern unterliegt, alles Dasein irgendwann dem Vergehen; dass das Werden uns alle zu einem Ende führt.

“Ein Monat zieht vorbei, wird anderen Monat leiten.
Was kommt dringt unschwer in dein Ahnen ein;
es sind die gestrigen, die nämlichen Beschwerlichkeiten.
Und das Morgen endet dahin, gleich Morgen nicht zu sein.”

Doch nicht immer … manchmal langt noch etwas hinüber aus alten Zeiten – das sind Momente, die Kavafis in ihrer Gänze festzuhalten versucht, Momente, zwischen Trost und Trauer verkeilt, plötzlich wieder frohlockend und ganz nah am Auge, an der Haut, dann nur mehr wieder ein Gegenstand entzogener Erfahrung. Das Nachtrauern des Altgewordenen wird hier subtil vermittelt in einem Anklingen von früherer, unbeschwerter Gedankenlosigkeit, von einer Zeit als man noch im Geschehen stand und nicht jetzt, in Gedanken, darüber – von wo man sehr viel mehr sehen kann, aber dafür weniger fühlen. Man ist dieser Haut entwachsen und nur sehr selten, als Ahnung, flüchtig, kommt sie wieder.

“Immer wieder kehr zurück und nimm mich auf,
geliebte Empfindung, kehr zurück und nimm mich auf –
wenn meines Körpers Gedächtnis erwacht
und alte Begierde von Neuem ins Blut dringt,
wenn die Lippen sich erinnern und die Haut
und wenn die Hände fühlten, als berührten sie noch einmal”

Viele Dichter haben über Vergänglichkeit geschrieben. Bei Kavafis ist diese Vergänglichkeit unmittelbar an das Erleben gebunden; sie ist nicht übergreifend, nein, sie ist an das Eigene gebunden, an die menschliche Existenz, die man besitzt und die einem doch entrinnt und weniger wird, egal wie sehr man sie zu füllen zu versucht und vermag. Seine Art ist indirekt und unepisch, sie hat etwas Leises, wie ein Gebrechen, eine Sorge, die diese Dinge mit sich selbst ausmacht. Sichtbar wird dies noch einmal in der Figur des Greise, den er in einigen seiner Gedichte auftreten lässt, ein junger Versäumer, nun betagter Bereuer.

“Er erinnert sich der Stürme, die er unterdrückt. Und wie viel
Freuden er geopfert hat. Seinen törichten Bedenken
spottet nunmehr eine jede der verpassten Chancen.”

Kaum ein anderer Dichter hat mir wie Kavafis klargemacht, wie viel (vergebliche) Hoffnung wir eigentlich in die Erinnerung stecken, wie sehr wir uns daran klammern, wieviel Sehnsucht wir noch auf diese Dinge anwenden, die längst vergangen sind.

“Es ist halb eins. Schnell verstrichen die Stunden
seit neun, als ich das Licht entzündete
und mich niedersetzt. Ich saß da und las nicht,
sprach auch nicht. Mit wem denn sollt’ ich sprechen,
ganz allein in diesem Haus.
[…]
Das Trugbild meines jugendlichen Körpers
kam und brachte auch die Kümmernisse mit;
Totentrauern der Familie, Trennungen,
die Gefühle derer, die mir nahe standen, der Gestorbenen
Gefühle, die so wenig Achtung fanden.

Es ist halb eins. Wie verstrichen die Stunden.
Es ist halb eins. Wie verstrichen die Jahre.”

II

Der zweite Teil von Kavafis Werk hat seine Ursprünge in einigen Tatsachen: der, das Kavafis Zeit seines Lebens (bis auf ein paar Jahre in England und eine Zeit in Athen) in Alexandria lebte; dann dass er viele griechisch-antike und byzantinische Autoren und Chroniken las und außerdem seine große Affinität zu dem Sagenumwobenen, Lebendigen und Idealen in der antiken Welt. Der zweite Teil seines Werk setzt sich daher aus Werken zusammen, die (fiktive oder echte) antike Personen und Ereignisse darstellen, nachvollziehen, betrachten. Durch all diese Gedichte entsteht ein kleines Panorama von Kavafis Bildung und Interessen; die Darstellung der jeweiligen Szene, ihrer kleinsten Komponenten und Erwähnungen, gedachte er große Sorgfalt an. In seinen Ausschmückungen, seinem dann und wann lieblich wie Wein hineinrauschenden Hedonismus, spürt man eine Verbundenheit, eine gewisse Freude am Erfinden und Malen dieser Szenerien. Im Ende des Gedichts “In der Kirche” beschreibt Kavafis selbst welche Vorstellungen/Sympathien diesem alten griechischen Wesen, fortgeführt im Byzantinischen, bei ihm auslösen, in ihm entfachen:

“Wenn ich eintret’, in der Griechen Kirche;
mit des Weihrauchs Wohlgerüchen,
den liturgischen Gesängen, Psalmenklängen,
mit der Priester prangender Erscheinung
und dem feierlichen Gleichmaß jeder ihrer Gesten –
von größter Pracht im Schmuck der Meßgewänder –
wendet sich mein Geist der Macht und Größe unserer R asse zu,
unserem Ruhm: dem Wesen von Byzanz.”

Zwischen Geschichtenerzähler und anmerkendem Betrachter, steht Kavafis in diesen “hellenischen” Gedichten und es sind wahrscheinlich die kunstvollsten Texte seines Werkes – dabei aber auch die für den deutschen Leser am schwierigsten nachzuvollziehenden. Selbst mit einem Anmerkungsverzeichnis (wie hier in der Sammlung “Brichst du auf gen Ithaka …” enthalten) tut man sich schwer damit in die einzelnen historischen Bildnisse, ihre Umgebung und Bedingung einzusteigen. Nachvollziehbarer ist es dann schon, wenn Kavafis sich nicht etwas Historisches zum Vorbild nimmt, sondern selbst ein (meist unbedeutendes) Ereignis als kleine Begebenheit der damaligen Zeit erfindet, oder eine unbekannte Person eines bestimmten Zeitalters einen kurzen Monolog halten lässt. Sowie jene Geschichte eines Jünglings, der, auf der Überfahrt schwer erkrankt, in einem Hafen Syriens ankommt, wo er eigentlich ein Gewerbe lernen und sein Leben richtig beginnen wollte und:

“Wenige Stunden nur, bevor er starb, flüsterte
er von -Haus-, von -sehr betagten Eltern-.
Doch es wusste niemand, wer sie waren,
niemand wusste, was sein Vaterland im großen Kreis der Griechenwelt sei.
Besser ist’s. Da so, derweil
im Tode er in diesem Hafenorte ruht,
ihn die Eltern stets am Leben hoffen werden.”

Eine letzte Unterkategorie gibt es noch in jener zweiten Kategorie, und es ist wiederum eine, die ein paar der besten Gedichte von Kavafis enthält. Das beste Beispiel für diese Unterkategorie ist wahrscheinlich das Gedicht “Thermopylen” (Der Ort an dem die allseists bekannten 300 Spartaner die Perser aufhalten wollten; Ephialtes war der Verräter, der die Perser auf einem Pfad um die Thermopylen herumführte und so den Untergang dieser Verteidigungsstellung herbeiführte; Meder ist eine andere Bezeichnung für Perser.)

“Ehre denen, die in ihrem Leben Thermopylen
je bestimmten und bewachen.
Die nie aus der Verpflichtung weichen;
gerecht und unbeirrt ihren Taten,
doch dabei voll Mitleid und Erbarmen;
großherzig, wenn sie reich, und wenn
sie arm sind, dennoch freigebig im kleinen Maß,
dennoch Hilfe stellend so viel sie vermögen;
die immerfort die Wahrheit sprechen,
jedoch ohne Hass auf die, die lügen.

Und um so mehr gebührt dann Ehre ihnen,
wenn sie voraussehen (und viele sehen voraus),
dass am Ende Ephialtes erscheinen wird
und am Ende die Meder durchmarschieren.”

Hier, in diesen Gedichten, regiert das Symbolische Hand in Hand mit der leisen Beschwörung und Erhebung; in sehr schlichter Weise transferiert Kavafis Gleichnisse und übergreifende Ideen aus der griechischen Geschichte und Mythologie heraus in die Gegenwart – Botschaften, eindringlich und umfassend, und doch im gewissen Sinne geradezu klassisch. Allegorien, die fast ausnahmslos auf das Wesentliche weisen, unbrachial, geradezu mild, auf (un)bedeutsame Weise berührend. Eine Operation der Allegorie, die nicht nur Erinnerung beschwört sondern in der Erinnerung die Gegenwart heraufbeschwört und sie sichtbar macht .

Es gibt einige wenige Gedicht von diesem Schlag, aber sie sind alle grandios; vielleicht weil in ihnen die Möglichkeiten von Kavafis Stil und die Möglichkeiten des Gedichts, unmittelbar zusammen kommen; dieses Verbinden von Botschaft, historischem Bezug, ideeller Verdichtung und einer kurzen, wesentlichen Betrachtung, mit formelhafter Beschreibung.

Konstantin Kavafis war ein Dichter einiger weniger zentraler Ideen: Vergänglichkeit, Eros, Hellenismus und flüchtiger Schönheit, die sich in allen drei anderen Ideen auf bestimmte Weise bricht. Pathos und Übertretung, Metaphern und experimentelle oder sprachliche Innovativität lässt er fast gänzlich vermissen; seine Sprache ist ungefilterte Mitteilung, die tieferes Verständnis, das schon vorhanden ist, anzusprechen versucht. Diese schlichte Weisheit, ein beinahe lakonisches und doch gefestigtes Interesse an der Wahrheit und der Gewissheit, der Erkenntnis, dass bestimmte Dinge weder schlecht noch gut betrachtet werden müssen, weil sie jenseits dieser Einteilungen sind, was sie sind und wir sie darin auch nicht verdrehen können, weil alle Bezeichnungen auf uns zurückfallen, ohne diese Wesenheiten zu verändern oder auch nur zu erreichen, anzurühren. Diese Klarheit und dieses Verständnis sind am Ende das größte Geschenk, das Kavafis uns macht. Ein Geschenk für die Ewigkeit.

“Immer halte Ithaka im Sinn.
Dort anzukommen ist dir vorbestimmt.
Doch beeile nur nicht deine Reise.
Besser ist, sie dauere viele Jahre;
und alt geworden lege auf der Insel an,
reich an dem, was du auf deiner Fahrt gewannst,
und hoffe nicht, das Ithaka
dir solchen Reichtum geben kann.

Ithaka gab dir die schöne Reise.
Du wärest ohne es nicht auf die Fahrt gegangen.
Nun hat es dir nicht mehr zu geben.

Auch wenn es sich dir ärmlich zeigt, Ithaka betrog dich nicht.
So weise wie du wurdest und in solchem Maß erfahren,
wirst du ohnedies verstanden haben, was die Ithakas bedeuten.”

 

Zur Übersetzung:

Der Autor der Rezension bekennt betrübt, dass er kein Griechisch spricht. Alles was er folgend zu der Übersetzung zu sagen hat, geht also von folgendem Gesichtspunkt aus: Wenn etwas ankommt, wenn die Gedichte also im Deutschen vielfältig erfahrbar sind, kann die Übersetzung nicht so schlecht nicht sein. Was Getreulichkeit, Adäquatheit und Rhythmus angeht, kann keine fachlich-nachvollziehbare, sondern lediglich jene Auskunft gegeben werden, die aus den Erfahrungen/ und dem Erlebnis mit den Übersetzungen bezogen werden kann.

Man lässt sich, wenn man die deutschen Übertragungen zuerst liest, vielleicht allzu schnell täuschen von einer gewissen Manieriertheit, einer abgerundeten Glätte, die Form und Syntax der Verse bestimmen – aber in seiner bedächtigen Langsamkeit erreicht Kavafis eben genau das, was er wollte: das tiefere Verständnis der Bewandtnisse, das sich über den flüchtigen Blick, den flüchtigen Gedanken hinwegsetzen und die Dinge einmal ganz einfach und wahrhaftig betrachten will. Seinen Sentenzen zu folgen hat etwas Meditatives und Ruhiges – man hat Zeit für jede Zeile, jede Weiterführung, jeden neuen Aspekt des Gedankens. Gleichzeitig ist die Übersetzung, im (bewussten) Verzicht auf Nachdichtungen (mit einigen wenigen Ausnahmen, wo die Übersetzer  es für machbar hielten), doch immer erstaunlich melodisch und unterstützt die langsame, aber bestimmte Windung, die Kavafis Formulierungen nehmen.

 

Zu den verschiedenen Ausgaben

1. Brichst du auf gen Ithaka … (ISBN 3923728034)

Dieser Band enthält alle zu Lebzeiten von Kavafis autorisierten Gedichte (153), zuzüglich eines Gedichtes aus dem Nachlass – alle auf Deutsch, bei einigen wenigen ist eine Version des Originals daneben abgedruckt. Zu jedem Gedicht liegen gute, fürs Verständnis meist ausreichende Anmerkungen vor. Namen und sonstige unbekannten Bezeichnungen werden ebenso wie einige sonstige Informationen zu dem Gedicht darin aufgeführt. Ein Vorwort, das die Übersetzungsart erklärt und allgemein ein bisschen zu diesem Thema sagt, sowie ein Nachwort als Skizze zu Leben und Werk von Kavafis sind auch enthalten.

Die Übertragungen dieses Bandes wurden von Wolfgang Josing, unter Mitarbeit von Doris Gundert besorgt. Der Schwerpunkt wurde auf Textgenauigkeit gelegt; Kavafis “Vorlagen” wurde Rechenschaft getragen, in dem man versuchte Klang, Art und Wortwahl des gesprochenen Wortes, der gewöhnlichen Rede, zu treffen, wie Kavafis es im Griechischen Original tat. Alle Textbeispiele, die ich oben anführe, sind diesem Band entnommen, weil mir seine Übersetzungen am meisten gefallen haben; so bezieht sich auch der Abschnitt “zur Übersetzung” zentral auf die Übertragungen dieser Ausgabe.

2. Das Gesamtwerk (ISBN 3596142733)

Die Übersetzungen in “Das Gesamtwerk” wurden von Robert Elsie besorgt, den einleitenden Essay schrieb Marguerite Yourcenar. Das Buch fasst alle autorisierten 154 Gedichte von Kavafis ebenso wie 77 unveröffentlichte, sowie Prosa und Notizen, sowie unvollendete Gedichte (gesamte Übersicht unter http://www.elsie.de/de/buecher/b17.html), womit es die umfangreichste deutsche Kavafis-Ausgabe ist; im Anhang befinden sich umfangreiche Anmerkungen, eine Zeittafel und ein Nachwort des Übersetzers.

3. Gedichte: Das Hauptwerk, griechisch und deutsch (ISBN 3825352129)

Der Übersetzer dieses Bandes, Jörg Schäfer, wurde vom griechischen Kulturministerium 2005 mit einem Preis für die beste Übertragung eines neugriechischen Werkes ausgezeichnet. Diese Ausgabe des Winterverlags  enthält 159 Gedichte und ist damit die umfangreichste griech./deut. Ausgabe, die von Kavafis vorliegt.)

4. Gefärbtes Glas – Historische Gedichte (ISBN 3518223372)

Übertragen und mit einem Nachwort von Michael Schroeder. Ratsam für die, die sich weniger für die persönlichen und mehr für die alexandrinischen Gedichte von Kavafis interessieren. Historisch heißt hier allerdings nicht immer “historisch verbürgt”, sondern meist “aufs Historische ausgerichtet/das Historische nachahmend.

5. Um zu bleiben – Liebesgedichte (ISBN 978-3-518-22020-7 )

Ebenfalls von Michael Schroeder übersetzt. Dazu mit 13 sehr gelungenen Radierungen von David Hockney. Ratsam für jene, die sich mehr für die persönlichen und homoerotischen Gedichte von Kavafis interessieren.

2 thoughts on “Weisheit, Eros und Hellenismus – “Das schöne Leben war nur kurz bemessen”. Zum lyrischen Werk des griech. Dichters Konstantin Kavafis.

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